Pressespiegel Frankreich 04.09.2006

I Aufmacher und Überblick

Die Aufmacher sind heute uneinheitlich, überwiegend Innenpolitisches. Schwerpunkt der Berichterstattung ist das Sommertreffen der UMP in Marseille. LE MONDE macht mit dem Interview von Kofi Annan zur Iran- und Libanonproblematik auf. LE FIGARO macht mit dem Sommergipfel der UMP in Marseille auf: "Sarkozys Appell an die Jugend". L'HUMANITE bringt die Rentrée als Aufmacher und spricht sich darin gegen geplante Stellenkürzungen aus. Auch LES ECHOS macht mit der diesjährigen Rentrée auf. LA CROIX widmet sich in seinem Leitartikel ebenfalls dem Sommertreffen der UMP. Gleiches gilt für LIBERATION, deren Titel ist: " Doc Sarko wirbt die Jugend an". LE PARISIEN macht ebenfalls mit der Rentrée auf: "Alles was sich in der Schule ändern wird".

II Im Einzelnen
1. Internationales

Iran

Im Zentrum der internationalen Berichterstattung von LE MONDE stand das Thema Iran. Hierzu auch das Interview mit Kofi Annan in der Sonntag/Montag Ausgabe von LE MONDE Zentrale Aussauge des Interviews: Er glaube nicht an die Effizienz von Sanktionen gegen den Iran. Es gebe Momente, in denen Geduld einen größeren Nutzen habe. Gleichzeitig sagte Annan in Bezug auf seine Gespräche in Teheran: Er sei dort um Probleme zu diskutieren, nicht um sie zu lösen. Seine einzige Waffe sei der Appell an die Vernunft.

In LE FIGARO fand sich in der heutigen Ausgabe zur Iran Problematik nur ein kurzer Artikel über das erfolgte Gespräch zwischen Annan und Ahmadinedjad. Der iranische Präsident habe die Aufnahme von Verhandlungen vorgeschlagen, einen vorherigen Stopp der Uran Anreicherung allerdings abgelehnt. Allerdings habe sich Ahmadinedjad kooperativ in der Libanon Problematik gezeigt.
Zum Iran in der Samstagsausgabe des FIGARO ein Namensbeitrag des senegalesischen Präsidenten Wade, der mögliche Fortschritte in der Nuklearfrage sieht, wenn der Westen auf die Vorbedingung der Einstellung der Anreicherung verzichtet. In diesem Fall schlägt er die Erweiterung des 6-er Kreises auf 9 um je ein VN-Mitglied aus Afrika, Asien und Lateinamerika sowie einen vierstufigen Verhandlungsplan vor. Er bringt auch die Rolle eines "facilisateur", einer Art von Verhandlungsvorsitzenden, ins Gespräch.
Auch Annan kann den iranischen Präsident nicht zum Einlenken bringen, so LIBERATION. In LIBERATION findet sich des Weiteren ein Interview mit Jack Lang zur Iran Problematik. (Der PS-Politiker hatte den Iran besucht.)

Libanon

Libanon Konflikt wurde in der heutigen Presse nur wenig beachtet, im FIGARO fand sich gar kein Artikel zu dieser Problematik.
Kofi Annan äußerte sich in dem genannten LE-MONDE-Interview auch zum Libanon-Konflikt. Man müsse an der Grenze von Syrien handeln, um die Waffenlieferungen an die Hisbollah zu kontrollieren. Auch wolle Annan bei der deutschen Regierung nachfragen, ob diese die dem Libanon angebotene Unterstützung zur Kontrolle dessen Grenzen, auch auf Syrien ausdehnen könne. Weiterhin sei die israelische Blockade unerträglich und müsse aufgehoben werden. Zur Entwaffnung der Hisbollah äußerte sich Annan dahingehend, dass nach der Stationierung von 30.000 Soldaten im Südlibanon nur noch ein sehr kleiner Platz für die Hisbollah bleibe.
In LE MONDE findet sich ein weiterer Artikel zum Libanon, der kritisch auf den Einsatz von Streubomben durch die israelische Armee eingeht. 100.000 Bomben seien noch nicht explodiert, es bestünden regelrechte "Minenfelder".

Darfur

LE MONDE widmet sein Editorial dem Darfur Konflikt, insbesondere der UN Resolution vom 31. August, welche die Entsendung von 17.300 Blauhelmsoldaten vorsieht. Amerika habe durch die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen und durch ein Treffen zwischen Al-Bachir und George Bush die Strategie des Zuckerbrotes gewählt.
Dieser Weg erscheine jedoch wenig Erfolg versprechend. Vielmehr müssten gezielte Sanktionen gegen die Verantwortlichen, wie beispielsweise deren Auslieferung an den internationalen Strafgerichtshof beschlossen werden. Die ansteigende Gewalt der letzten Tage zeige, dass ein schnelles Handeln erforderlich sei, um eine Katastrophe zu verhindern.

Irak

In einem Bericht des Pentagon über die Lage im Irak vom 1.9. sei das erste Mal der Begriff Bürgerkrieg verwendet worden, berichtet LE MONDE. Nach Einschätzung der Zeitung zeigt der Bericht, dass George Bush der für seinen Optimismus bekannt sei, langsam von der Realität eingeholt wird. Ähnlich auch die Berichterstattung in LE FIGARO. Das Pentagon schlage einen pessimistischen Ton an, die obersten Militärs würden erkennen, dass das Land ins Chaos abgleite. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die Nummer zwei von Al-Quaida im Irak festgenommen wurde.

Afghanistan

In LE FIGARO findet sich ein längerer Artikel zu Afghanistan und der stetig ansteigenden Opium-Produktion das Landes. Das Afghanistan von Karzai avanciere zum "Drogen-Staat".

Nepal

Große Beachtung schenkte LE FIGARO heute dem Königreich Nepal. Maoistische Rebellen würden das Königreich Nepal untergraben. Diese wollten auch die letzten Symbole der Monarchie abschaffen und eine Republik installieren.

2. Europa

Das informelle EU-Außenminister-Treffen in Lappeenranta/Finnland am Wochenende fand Beachtung in den am Samstag und Sonntag erscheinenden Blättern. Tenor: Präsidentschaft (Erkki Tuomioja) habe starkes europäisches Auftreten im Libanon unterstrichen (LE MONDE kontrastiert das mit den kritischen Worten von Staatspräsident Chirac auf der französischen Botschafterkonferenz am 28.08., die EU sei in dieser Krise nicht deutlich genug sichtbar gewesen) und eigenständige Politik der EU gegenüber dem Iran formuliert (Verhandlungen fortsetzen, zunächst keine Sanktionsdiskussion). FIGARO macht daraus die Überschrift: "Europa geht auf Distanz zu den USA." LE MONDE zitiert den französischen Außenminister: "Wir nehmen zur Kenntnis, dass der Iran zu Verhandlungen bereit ist."
Diskussionsbeiträge des Bundesaußenministers werden erwähnt, besonders ausführlich im FIGARO: Er habe die Schlüsselbedeutung des israelisch-palästinensischen Verhältnisses für und seine Verbindung mit allen Konflikten in der Region betont und daher vorrangige Bemühungen um Lösung, mindestens rasche Entschärfung, des ersteren gefordert.

3. Innenpolitik

Ausführliche Berichterstattung und Kommentare zum Sommertreffen der UMP in Marseille. Villepin "spiele die Einheit mit Sarkozy". Der von Sarkozy ins Spiel gebrachte Begriff des "Volksliberalismus" müsse erst noch definiert werden. Das Wort "rupture" wurde von Sarkozy erneut verwendet. Sarkozy habe "fünf neue Rechte und vier Revolutionen" präsentiert, so LA CROIX. Wichtigste geplante Neuerung war nach dem Presseecho die Einführung eines obligatorischen 6-monatigen sozialen Dienstes für Jugendliche. Diese hätten nicht nur Rechte, sondern auch Verpflichtungen gegenüber dem Staat. Anlässlich des Sommertreffens äußerte sich Sarkozy diesbezüglich Sonntagabend in einem Interview auf TF1. Das Treffen der sozialistischen Partei in La Rochelle sei ein Gipfel "der gegenseitigen Verachtung und der Destruktivität" gewesen. Auch äußerte sich Sarkozy kritisch zu gleichgeschlechtlichen Ehen und nahm zum bereits erwähnten sozialen Dienst für Stellung. Erste Kämpfe um das Amt von Sarkozys potentiellen Premierministers spielen sich laut LE MONDE bereits ab. Zwei Namen wurden genannt: Jean-Louis Borloo und Francois Fillon. LE MONDE berichtet erneut ausführlich über Sarkozys Selbstinszenierung durch Freundschaften mit Stars aus der Film- und Musikbranche. Sarkozy habe eine Neigung "zu jedem der bekannt" sei. Er selbst wird mit den Worten zitiert: "Man wird nicht dank der Künstler Präsident, aber man kann nicht ohne ihre Unterstützung gewählt werden."

4. Wirtschaft

Im Figaro befasst sich ein Artikel mit der geplanten Fusionierung von Suez und GDF. Die kommende Woche sei die "entscheidende Woche", das entscheidende Rendez-vous für Suez und GDF vor dem Parlament. Hierzu auch ein Namensartikel von Bernard Thibault, Generalsekretär der Gewerkschaft CGT, im Figaro. Die Fusion Suez-GDF sei gefährlich für Frankreich und eine inakzeptable Wahl. Es gäbe viele Gründe um dagegen zu sein, es würden die Interessen der Öffentlichkeit geopfert, um den Aktionären von Suez zur Hilfe zu eilen.

Ausführlicher Bericht in LE MONDE über die angeschlagene türkische Wirtschaft aufgrund des Ausbleibens der Touristen.

5. Deutschland

LE FIGARO behandelt in einem eher kritischen Artikel die geplante Einführung einer zentralen Terrorismus-Datei. Deutschland habe ganze 5 Jahre gebraucht, um einen Konsens zu erzielen. LES ECHOS bringt einen Artikel über die Lohnkosten in Deutschland.
Besonders hervorgehoben wird, dass diese in Ostdeutschland fast 30 % niedriger seien als in Westdeutschland. In LA CROIX findet sich ein Artikel zu den Grünen und deren neuem Profil. Nach dem Ende ihrer 7 jährigen Regierungszugehörigkeit im Jahr 2002 würde die Partei nun zu einem neuen, realistischen Programm in Sachen Umweltschutz kommen.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5

Französischer Pressespiegel 05.09.2006

Opium-Produktion in Afghanistan, Streik von palästinensischen Lehrkräften, Einsatz von Streubomben durch die israelische Armee, offener Brief des französischen jüdischen Dachverbandes "CRIF" an den iranischen Präsidenten Ahmadinedjad

Pressespiegel Frankreich 04.09.2006

Maoistische Rebellen untergraben das Königreich Nepal, EU-Außenminister-Treffen in Lappeenranta/Finnland, Sommertreffen der UMP in Marseille, geplante Fusionierung von Suez und GDF

Das wichtigste aus Frankreichs Zeitungen 01.09.2006

Rückgang der Arbeitslosenzahlen in Deutschland, MEDEF-Sommeruniversität, Debatte über mögliche Sanktionen gegen Iran, Wiederaufbau des Libanon: Internationalen Geberkonferenz in Stockholm
Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5