Die französische Presse am 03.11.2006

I. Übersicht

In den heutigen Zeitungen erneut kein einheitliches Titelthema, jedoch gegenüber den Vortagen vermehrt außenpolitische Aufmacher:

LE MONDE titelt im Kontext der vor kurzem durchgeführten Militärmanöver des Iran: "Das Thema Iran belastet Paris". LE FIGARO widmet seinen Titel den Spannungen zwischen Russland und Georgien: "Moskau bestimmt den Gaskrieg von Neuem". L'HUMANITE setzt sich mit den US-Kongresswahlen auseinander und titelt: "Der Krieg lähmt den Bush-Klan".
LIBERATION titelt zum bald erscheinenden "Beschwerdebuch der Strafgefangenen" in Frankreich: "Gefängnisse: Schilderungen von Frauen". LA CROIX befasst sich mit der am kommenden Samstag stattfindenden Hauptversammlung der Bischöfe Frankreichs in Lourdes: "Zwickmühle Liturgie auf dem Programm der Bischöfe". LES ECHOS macht mit den steigenden Verkaufszahlen der französischen Automobilhersteller auf: "Angenehme Überraschung im Oktober für die französische Automobilindustrie". Zum Kälteeinbruch und der drohenden Grippewelle schreibt LE PARISIEN: "Unsere Tipps um fit zu bleiben".

Die heutigen Leitartikel fast ausschließlich zu außenpolitischen Themen: zur Einigung des VN-Sicherheitsrats auf eine Resolution zur Elfenbeinküste (LE MONDE), zur zweiten Amtszeit Lulas (LE FIGARO) , zu den US-Kongresswahlen (L'HUMANITE) und zum China-Afrika-Gipfel (LIBERATION, LES ECHOS).

International

Zahlreiche ausführliche Artikel zu vielen unterschiedlichen internationalen Themen:

China-Afrika: ausführliche Berichte zum chinesisch-afrikanischen Kooperationsforum in Peking (LE FIGARO, LIBERATION, LES ECHOS, LA CROIX, LA TRIBUNE);

Elfenbeinküste: Kompromissresolution im VN-Sicherheitsrat (alle);

Iran: Militärmanöver und Raketentests Teherans (LE MONDE ausführlich, Kurzberichte in allen übrigen Zeitungen);

Russland-Georgien: Ankündigungen des staatlichen Energieunternehmens Gazprom den Gaspreis für Georgien zu verdoppeln (LE FIGARO ausführlich, LA CROIX);

Türkei/Papstbesuch: Ankündigung Premierminister Erdogans, den Papst wegen eines gleichzeitigen Besuches in Lettland nicht empfangen zu können (LE MONDE, LE FIGARO, LIBERATION);

US-Kongresswahlen: weiterhin Vorberichte mit Schwerpunkt Irakkrieg und Prognosen zum schlechten Abschneiden der Republikaner (LE MONDE, LE FIGARO, L'HUMANITE);

Spanien: knapper Wahlsieg der gemäßigten Nationalisten in Katalonien (LE MONDE, LE FIGARO, LIBERATION, L'HUMANITE);

Brasilien: Ankündigungen Lulas für seine nächste Amtszeit(LE FIGARO ausführlich).

Wirtschaft:

Anstieg der Verkaufszahlen französischer Automobilhersteller (LES ECHOS, LE PARISIEN);

Berichte zu Verhandlungen russischer Investoren mit diversen europäischen Telekommunikationsunternehmen u.a. France Telecom und Deutsche Telekom (LE FIGARO, LES ECHOS).

Deutschland:

In der heutigen Presse keine Artikel zu Bundeswehrfragen.

Europa/deutsche Präsidentschaft: Herausforderungen, um Europa wieder zu beleben (LE MONDE)

Zahlreiche Artikel zum Rückgang der Arbeitslosigkeit unter die 10%-Grenze (alle);

Heutiges Treffen Bundeskanzlerin Merkels mit der EADS-Spitze (LE FIGARO);

Zulassung börsennotierter Immobiliengesellschaften in Deutschland (LE FIGARO, LA TRIBUNE; LES ECHOS);

Bericht im Finanzteil von LES ECHOS über den Erfolg der deutschen Sonntagspresse.

Kurze Berichte zu "den sich auflösenden" 50-Euro-Geldscheinen (alle).

II. Wichtige Themen im Einzelnen

Chinesisch-afrikanisches Forum in Peking

LIBERATION schreibt am ausführlichsten über den Gipfel zwischen China und 24 afrikanischen Staatschefs. Der Handel zwischen China und dem afrikanischen Kontinent habe sich seit dem Jahr 2000 verdreifacht. China "verdränge mehr und mehr die ehemaligen Kolonialmächte und favorisiere dabei, ähnlich wie die USA, rohstoffreiche Regionen". Peking unterhalte "enge Beziehungen zu den umstrittensten Regimen Afrikas". So "breite das Land zum Beispiel [in der Krise im Darfour] einen Schutzschirm über den Soudan", müsse aber auch immer mehr einsehen, dass "auf Dauer die Erfüllung seiner wirtschaftlichen Ziele nur über politische Stabilität auf dem schwarzen Kontinent zu erreichen sei".
LE FIGARO titelt "Peking, für drei Tage Hauptstadt Afrikas" und bezeichnet China als "Supermacht der dritten Welt, die die Vergessenen des Wirtschaftswachstums empfange". China behaupte zwar "nicht nur am Schwarzen Gold, sondern ernsthaft an der Steigerung des Lebensstandards des afrikanischen Kontinents interessiert zu sein", riskiere jedoch durch seine Doktrin der Nichteinmischung, wie bereits im Darfour-Konflikt unter Beweis gestellt, die Probleme Afrikas zu verstärken.

Resolution des VN-Sicherheitsrates zur Elfenbeinküste

Der Kompromissvorschlag im VNSR wird in der Presse allgemein als Einlenken Frankreichs gedeutet. LE FIGARO resümiert, der Vorgang habe erneut den Einflussverlust Frankreichs in Afrika verdeutlicht: "Frankreich ist daran gescheitert, Abidjan seine Ansichten aufzuzwingen." So sei es trotz einer formellen Stärkung des Premierministers Konan Banny nicht gelungen, Staatspräsident Gbagbo zu isolieren und seine Rolle zu beschneiden. Gbagbo könne sich aufgrund der Weigerung der USA und Großbritanniens, die Resolution rechtlich über die ivorische Verfassung zu setzen, weiterhin auf letztere berufen.

LE MONDE zufolge ist die "abgeschwächte Resolution weit davon entfernt, einen wirklichen Ausweg aus der Krise anzubieten." Sie lasse jedoch genug Raum, das Ziel freier Wahlen im nächsten Jahr zu verwirklichen, wenn sowohl Premierminister Konan Banny als auch die internationale Gemeinschaft sich stark genug dafür engagierten.

Iranische Raketentests

Nach den Militärmanövern des Iran befindet sich Frankreich LE MONDE zufolge in einer ambivalenten Position. "Zwischen gleichzeitigen Forderungen nach Verhandlungen und Sanktionen und mit der steigenden von Iran ausgehenden direkten Bedrohung (u.a. auch für die französischen UNIFIL-Soldaten im Libanon)" befinde sich Staatspräsident Chirac in einer zunehmend unbequemer werdenden Situation. Paris befürchte, den Iran durch zu starke Sanktionen nur zu provozieren und dränge im VNSR deshalb auf die Einführung "vorübergehender und umkehrbarer" Sanktionen.

Russland-Georgien

LE FIGARO befasst sich ausführlich mit der russischen Ankündigung, den für Georgien geltenden Gaspreis zu verdoppeln. Dies käme, so das Blatt, im Kontext des laufenden Besuchs des georgischen Außenministers Bejouachvili in Moskau einer "Ohrfeige gleich". Die Parallelen zu den 2 Jahre zurückliegenden Ereignissen in der Ukraine seien unverkennbar.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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