Französische Presseübersicht 17.11.2007

I. Übersicht
1. Aufmacher

Aufmacherbild heute uneinheitlich: "Le Figaro" titelt mit der Nominierung von Ségolène Royal zur Kandidatin des PS für die Präsidentschaftswahlen 2007: "Royal setzt sich im PS durch", "Libération" titelt: "Erste!", "Le Parisien" mit "Sie ist es!".

Dagegen macht "Les Echos" mit dem Übernahmeangebot von MAN an Scania auf: "Schwergewichte: MAN macht sich zum Angriff auf den Schweden Scania bereit".
"Le Monde" titelt mit der Distanzierung Chiracs vom " Projekt Sarkozy": " Chirac unterstreicht seine Meinungsverschiedenheiten mit dem Projekt Sarkozy".
Zur Gegnerschaft in der Bevölkerung "L'Humanité" mit der Schlagzeile: "Warum sie das Projekt Sarkozy zurückweisen" zu den für den heutigen Tag in Frankreich angekündigten Demonstrationen von Lehrern, Psychiatern, Beamten und Gewerkschaftsmitgliedern gegen das Gesetz über den Strafvollzug.

"La Croix" titelt mit "Was die katholische Schule kostet".
"La Tribune" eröffnet mit "Porsche drückt Volkswagen seine Regeln auf".

2. Internationale Themen:

Asien-Pazifik-Wirtschaftsforum in Hanoi:

"Asien entdeckt einen neuen Bush" über die Erklärung George Bushs auf der APEC-Konferenz, dass für den Fall, dass Nordkorea einen friedlichen Weg einschlägt, die USA und ihre Partner der Sechser-Gespräche bereit seien, Sicherheitsgarantien zu geben, Wirtschaftshilfe zu leisten und den Nordkoreanern weitere Vergünstigungen in Aussicht zu stellen; zur Konferenz auch "Les Echos" mit "Der asiatisch-pazifische Raum trägt in Vietnam seine Macht zur Schau".

Naher Osten:

"Le Figaro" mit der Ankündigung Chiracs einer europäischen Nahost-Initiative gemeinsam mit José Luis Zapatero auf dem französisch-spanischen Gipfeltreffen in Girona am 16.11. 06: " Europa bereitet eine Initiative für den Nahen Osten vor".

Mittlerer Osten:

"Le Figaro" über das Ringen um eine Irak-Strategie in den USA bei Demokraten und Republikanern: "Demokraten und Republikaner auf der Suche nach einer Irak-Strategie"; im gleichen Blatt ein Beitrag über die weitere Verschärfung der Attacken schiitischer Milizen: "Blutiger Kampf um die Macht in Bassora".

Demokratische Republik Kongo:

"Le Monde" mit dem "Joseph Kabila, erster gewählter Präsident des Kongo" sowie ein Persönlichkeitsbild Kabilas unter dem Rubrum "Joseph Kabila: Der Meister des Schattens" über einen Präsidenten, "der für eine große Zahl der Kongolesen ein Rätsel sei, wenn nicht sogar ein Hologramm, ein Fremder, ein Hochstapler". In "Libération": "Der angekündigte Sieg von Kabila löst in Kinshasa Ängste aus".

Internationaler Terrorismus:

"Le Figaro" mit einem Artikel über den Prozess gegen El-Motassadeq in Deutschland und einem Namensartikel der britischen Außenministerin Beckett "Gegen den islamistischen Terrorismus sind die Muslime das beste Bollwerk". Zentrale Aussage: "Lasst uns die Extremisten im Dunklen bellen und der gemäßigten muslimischen Mehrheit dabei helfen, die Extremisten und den Terrorismus, den sie predigen, zu besiegen"; ein Beitrag befasst sich mit angeblichen Absichten der ETA, auch Frankreich zur Zielscheibe zu machen, um Frankreich in die Lösung der Baskenfrage hineinzuziehen. Im gleichen Blatt ein Artikel über die Verwicklung eines deutschen Islamisten, Christian Ganczarski, in das Djerba-Attentat im April 2002.

Wirtschaft/Deutschland:

"Les Echos" widmet mehrere Artikel der Erhöhung des Kapitalanteils von Porsche im Volkswagen-Tableau: "Porsche übernimmt die Macht bei Volkswagen"; im gleichen Blatt ein Beitrag über den möglichen Abgang von Wolfgang Bernhard bei Volkswagen: "Ein Walzer der Führungskräfte mit mehreren Tempi".

II. Ergänzend:

Ségolène Royal

Der Sieg von Ségolène Royal bei der Kandidatennominierung des PS beherrscht neben dem Kandidatenkarussell auf konservativer Seite weiter die Blätter:
"Le Figaro", auch mit mehreren Beiträgen im Innenteil: "Der Weg einer Eroberin", "Die Sozialisten wählen Royal, damit sie ihre Farben 2007 verteidigt". Brézet kommentiert: es könne nicht bestritten werden, dass der Sieg von Royal klar, deutlich und makellos gewesen sei. Man solle sich nicht täuschen: Royal werde für die Rechte eine Furcht erregende Gegnerin sein. Ihr erster Trumpf sei die Tatsache, dass sie eine Frau sei. Mit Royal gebe es das Versprechen zur Erneuerung - einige würden sogar von Bruch ("rupture") sprechen - . Royal zwinge ihre männlichen Gegner, den richtigen Ton zu treffen, wenn sie sie besiegen wollten. Ihr zweiter Trumpf sei, dass es ihr bis heute gelungen sei, sich von bestimmten Kernaussagen der sozialistischen Vulgata zu befreien: bei der 35-Stunden-Woche, dem Strafvollzug, der Schulwahl; insoweit sei sie von einer Diagnose bestimmt, die mit der von Sarkozy übereinstimme. Die bildzertrümmernden Aussagen und Devisen, mit denen Royal die Erwartungen der französischen Gesellschaft aufgriffe - hinsichtlich der Themen staatliche Autorität, Sicherheit - habe sie sehr viel klarer formuliert als ihre Freunde (in der Partei). Aber hier liege das ganze Problem: was heute die Stärke Royals außerhalb der traditionellen linken Wählerschaft ausmache, könne morgen ihre Niederlage im eigenen Lager bedeuten. Die wirkliche Schwierigkeit für Royal liege in der Struktur der Wählerschaft. Es stelle sich die Frage, wie man nach rechts laufen und sich dabei zugleich links halten könne. Weiterhin stelle sich die Frage, wie Royal mit der "soziologischen Linken" sprechen könne, diesem volksverbundenen Wählerkreis, der hinsichtlich einiger Themen zunehmend konservativ werde (Sicherheit, Einwanderung, Erziehung, Justizwesen), ohne sich zugleich von der "ideologischen Linken" abzukoppeln. Um im zweiten Wahlgang gewählt zu werden, bräuchte Royal auch die Wählerstimmen der Grünen und der Kommunisten. Einerseits entledigt von ihren sozialistischen Konkurrenten, stehe Royal andererseits nunmehr ihrem größten Gegner gegenüber: Ségolène Royal."
"Libération" stellt in ihrem Kommentar die "Verantwortung" der Kandidatin als Chefin der Linken heraus. Es stehe nun endlich eine Frau bereit, die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. Dieses Datum (der Nominierung) sei historisch und der Verdienst daran komme den Sozialisten zu. Immer wenn es darum gehe, die französische Gesellschaft fortzuentwickeln, seien die Sozialisten an erster Stelle. Royal habe ihre Gegner hinweggefegt, indem sie mit dem Risiko gespielt habe, des Populismus bezichtigt zu werden. Um sich mit der Basiswählerschaft nach der Tragödie vom 21. April (Scheitern des PS-Kandidaten Jospin im ersten Wahlgang wegen der Zersplitterung der Linken) wieder zu verbinden, habe es Royal vermocht, einen pragmatischen Sozialismus zu erfinden, der mit den "Naivitäten" breche, die zu der Niederlage von Jospin im Jahre 2002 geführt hätten. Für Sarkozy sei Royal der schwierigste Gegner von allen. Ihm, Sarkozy habe vorgeschwebt, die "rupture" zu verteidigen, die Royal im Verhältnis zu Sarkozy jedoch besser inkarniere. Wenn Sarkozy das Monopol des Kampfes gegen die Beeinträchtigung der inneren Sicherheit in Anspruch nehme, sei es nun Royal, die ihm dieses Monopol bestreite. Sarkozy würde (die Bevölkerung) beunruhigen, Royal sie dagegen bestärken. Man verstehe, dass Sarkozy einen "klassischeren" Gegner bevorzugt hätte. Jetzt aber beginne die härteste Phase für Royal. Die Verantwortung, die ihr nunmehr zukomme, sei groß, nämlich sich an die Spitze der Linken zu stellen. Nun liege es an ihr, die zersplitterte Partei wieder zusammenzuführen und auch außerhalb des PS die politischen Kräfte zu sammeln. Ihr Erfolg liege aber bereits darin, dass es ihr gelungen sei, in der Politik eine neue Sprache zu finden.

Kandidatenkarussell des bürgerlichen Lagers

Auch das Kandidatenkarussell auf der konservativen Seite beschäftigt die Blätter:
"Le Parisien" mit dem Beitrag "MAM (i.e. Michèle Alliot-Marie)

und Sarkozy kreuzen die Schwerter"; "Le Figaro" beschreibt eine "angespannte Atmosphäre auf dem UMP-Kongreß" am gestrigen Tage (auf dem es zu einem lebhaften Wortwechsel zwischen Alliot-Marie und Sarkozy über die politischen Zielsetzungen der UMP gekommen ist). In weiteren Beiträgen, "Alliot-Marie stellt sich unter Pfiffen gegen Sarkozy", "Trotz allem möchte Alliot-Marie ihre abweichenden Standpunkte zu Gehör bringen".
Gerüchte über eine neuerliche Kandidatur von Chirac für das Präsidentenamt werden weiter kolportiert, "Le Monde": "2007 - die Gattin des Staatspräsidenten lässt vernehmen, dass er sich (doch noch) zur Wahl stelle". "Le Parisien" kommentiert, dass Chirac in der Öffentlichkeit immer noch sehr präsent sei und einen äußerst dichten Terminkalender absolviere und die Absicht geäußert habe, bis zuletzt sein Amt mit aller Kraft ausüben zu wollen.
"Le Monde" unterstreicht, dass de Villepin "auf nichts verzichtet habe". Er verstärke seine Spitzen gegen Sarkozy und werde noch einige Monate lang keine seiner Absichten enthüllen. De Villepin wolle zunächst einmal wissen, ob Le Pen kandidieren werde.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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