Französischer Pressespiegel 20.11.2006
I. Übersicht
Vermischte Aufmacher, nur FIGARO außenpolitisch: " Frankreich - Israel: Kälteschock: Israel beschuldigt Paris, in den VN eine israelfeindliche Rolle gespielt zu haben".Sonst Innenpolitik: Vorstoß zur Öffnung von Läden am Sonntag in Frankreich (dabei zieht der FIGARO einen Vergleich zu ähnlichen Vorstößen in Deutschland), Berichte zum "Tag der Rechte des Kindes" und zur Auseinandersetzung um den richtigen Präsidentschaftskandidaten auf der Rechten nach dem glatten Durchmarsch der PS-Kandidatin Royal am Donnerstag.
Premierminister Villepin war am 19.11. Gast in einer Fernsehsendung, wo er unter hoher Aufmerksamkeit bemerkte, dass hinsichtlich des Präsidentschaftskandidaten der UMP "noch alles offen" sei (Berichte überall). Zu dem Thema gehört wohl auch der Aufmacher von
LES ECHOS beschäftigt sich mit einem Bericht eines von Jacques Delors geführten Ratgeberzirkels an den Premierminister, nach dem die soziale Schere in Frankreich über die vergangenen zwölf Jahre auseinander gegangen sei. Vor Allem die "Prekarität" der Arbeitsverhältnisse (gering bezahlt, immer wieder unterbrochen, wenig Sicherheit) mache Probleme. LES ECHOS meinen dazu, dass das der unzureichend wettbewerbsfähigen Lage der französischen Unternehmen durchaus entspreche.
FIGARO beschäftigt sich im Wirtschaftsteil mit einer erwarteten Rekord-Fusions-Summe im Jahre 2006 (3.400 Mrd. Dollar).
Internationales:
Auf den inneren Seiten nimmt LIBÉRATION das Libanon/Israel/UNIFIL-Thema mehrseitig auf: "In Gaza antworten Raketen auf Katjuschas", und eine Seite weiter: "Bei den Franzosen im Südlibanon liegen die Nerven blank" und - wie FIGARO: "Israel zu Paris in den VN: 'Frankreich bestreut die Terroristen mit Rosen!'" (Anders als FIGARO, der den israelischen Botschafter bei den VN Gillermann zitiert, greift LIBÉRATION auf ein Zitat Ehud Olmerts zurück). Übereinstimmend geht es in den beiden Berichten um eine Resolution der VN-Generalversammlung vom 17.11., in der beide Seiten zur Einstellung des Raketenbeschusses aufgefordert worden seien.FIGARO bringt eine umfangreiche Reportage über die NATO-Operation in Afghanistan, ein Korrespondent (Adrien Jaulmes) war bei den kanadischen Truppen in der Nähe von Paschmul. Ein kurzer Korrespondentenbericht aus Berlin (Bocev) ergänzt das: "Die Bundeswehr unter Druck, sich im Süden zu engagieren". Ein ähnlicher Bericht in
Ferner Berichte zum APEC-Gipfel sowie zum indisch-chinesischen Gipfel heute (FIGARO praktisch ausschließlich zum Nordkorea-Thema und zum US-Russland-WTO-Geschäft).
LIBÉRATION mit einem umfangreichen Bericht zum "Lobgesang" der spanischen Regierung auf ihre eigene Politik der massenhaften Legalisierung von illegal in Spanien lebenden Ausländern. Die jetzt legal in Spanien lebenden 3,7 Mio. Ausländer hätten enorme Beiträge zum Wachstum des Landes geleistet, habe sich ein Vertrauter Zapateros, der Wirtschaftsanalyst und Kandidat für das Amt des Madrider Bürgermeisters, Miguel Sebastián, geäußert.
Berichte zum "Anti-Mafia-Gipfel" in Rom.
Berichte zur Litvinenko-Vergiftung in London.
LA CROIX berichtet über "Die nationalistischen Bewegungen in Russland", ferner bringt sie einen Gastbeitrag eines Wirtschaftsexperten, nach dem der starke Euro Europa schwäche.
II. Wichtige Themen im Einzelnen
Nahost-Resolution der VN am Freitag
FIGARO und LIBÉRATION berichten umfangreich, Akzent liegt auf der scharfen israelischen Reaktion. Besonders Frankreich werde von Israel des "antiisraelischen Aktivismus" bezichtigt; dabei gehe es vor Allem darum, dass die Resolution auch eine Untersuchung des israelischen Angriffs vom 8. November fordere. "Israel wirft Paris vor, Deutschland, Großbritannien und Polen dazu veranlasst zu haben, entgegen ihrer ursprünglichen Absicht, sich zu enthalten, für die Resolution zu stimmen." Verwunderlich sei nach israelischer Einschätzung, dass Frankreich keineswegs die Untersuchung ständiger Angriffe palästinensischer Terrorgruppen gegen israelische Zivilisten fordere. "Frankreich ist zum Botschafter der arabischen Staaten (sic) in der Europäischen Union geworden", wird ein israelischer Diplomat zitiert. Die schwierige, aber bis zum Libanon-Krieg in diesem Sommer durchaus hoffnungsvolle Geschichte der israelisch-französischen Beziehungen wird nachgezeichnet. Jetzt sehe es allerdings sehr düster aus: Nach der Resolution 1701 sehe Israel Frankreich wieder vollständig im gegnerischen Lager; Verteidigungsministerin Alliot-Marie habe nach dem 8. November die feindseligen Überflüge bzw. Scheinangriffe israelischer Luftwaffe gegen französische UNIFIL-Stellungen gegeißelt, die dennoch nicht beendet worden seien (beide Blätter berichten in diesem Zusammenhang über einen erneuten Vorfall dieser Art - niedriger Überflug in Angriffsposition und Abwehrvorkehrungen der UNIFIL - am 17.11.); jetzt komme auch noch israelischer Unmut über die französische Nahostinitiative gemeinsam mit Spanien und Italien dazu, die Israel als ungünstiges Anzeichen interpretiere: Dahinter, so der FIGARO, stehe der israelische Argwohn, dass nach der Schwächung Bushs bei den midterm-Wahlen nun Europa eine Neujustierung seiner Nahostpolitik vorhabe. Das betreffe auch das Iran-Dossier.LIBÉRATION sieht die Zusammenhänge genauso, ermahnt Israel, die Friedensinitiative, die Frankreich, Italien und Spanien in Angriff nähmen, nicht vorschnell zu torpedieren. Es werde noch auf sie angewiesen sein.
Afghanistan
Die beiden längeren Reportagen aus Afghanistan (FIGARO,Mittlerer Osten
Kommentar in LES ECHOS: Jahrzehntelang habe die Internationale Gemeinschaft sich dem Mittleren Osten und seinen Problemen mit falschen Begriffen genähert und auch deshalb keine Lösungen gefunden. So habe man immer "Irak" gesagt und die Erkenntnis verweigert, dass es diesen Staat ausschließlich dank purer Unterdrückung gebe. "Die amerikanische Intervention hatte wenigstens den Vorteil, dieser Fiktion ein Ende gesetzt zu haben. ... Der Libanon ist das nächste Beispiel für dieses 'Spaltungsgesetz'". Europa streite sich ferner mit 25 oder 27 Stimmen um den "europäischen Charakter" der Türkei und weigere sich, zu akzeptieren, dass auch ein Premierminister Erdogan mit mehreren "Türkeien" zu tun habe: Eben der laizistischen, städtischen, modernen und europäischen - und der islamistischen, traditionalistischen und orientalischen; und vielleicht auch noch der dritten, der kurdischen Türkei.(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)
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Französischer Pressespiegel 22.11.2006
Aufmacher: FIGARO mit der Ermordung Pierre Gemayels, LE MONDE mit dem Ergebnis der Ermittlungen des Richters Bruguière im Ruanda-Verfahren; LIBÉRATION mit (gleichrangigen Aufmachern) ...Französischer Pressespiegel 21.11.2006
Aufmacher verstreut, einziges mehrfach auf Titelseiten (LE FIGARO, LES ECHOS, LA TRIBUNE) auftauchendes Thema ist die Absicht der NASDAQ, nun die Londoner Börse zu übernehmen (für FIGARO auch Thema ...Französischer Pressespiegel 20.11.2006
Vermischte Aufmacher, nur FIGARO außenpolitisch: "Frankreich - Israel: Kälteschock: Israel beschuldigt Paris, in den VN eine israelfeindliche Rolle gespielt zu haben". Sonst Innenpolitik: Vorstoß ...Französische Presseübersicht 17.11.2007
Aufmacherbild heute uneinheitlich: "Le Figaro" titelt mit der Nominierung von Ségolène Royal zur Kandidatin des PS für die Präsidentschaftswahlen 2007: "Royal setzt sich im PS ...Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5
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