Französischer Pressespiegel 21.11.2006

I. Übersicht

Aufmacher verstreut, einziges mehrfach auf Titelseiten (LE FIGARO, LES ECHOS, LA TRIBUNE) auftauchendes Thema ist die Absicht der NASDAQ, nun die Londoner Börse zu übernehmen (für FIGARO auch Thema des Leitartikels, der diesen Vorgang und die NYSE-Übernahmepläne in Richtung Euronext in Verbindung bringt).
Sonstige Aufmacher: Kandidaturenstreit in der Regierungspartei UMP (LE MONDE - stark unter dem Aspekt eines Streits in der Regierung um ein repressives Maßnahmenpaket des Innenministers Sarkozy zur Rückgewinnung der Kontrolle über junge Menschen und schwierige Vorstadtgebiete, ähnlich in LIBÉRATION: "Sarkozy: Sheriff im Wahlkampf"), Irak (LE MONDE), die Abidjan-Evakuierten nach zwei Jahren in Frankreich (LA CROIX), Zusammenrücken der äußeren Linken ("gauche de la gauche" oder "gauche antilibérale") nach Nominierung von Ségolène Royal (L'HUMANITÉ).

Internationales

Besuch des syrischen Außenministers in Bagdad (FIGARO, LE MONDE).

Bevorstehender Abschluss von Untersuchungen in Frankreich gegen den heutigen ruandischen Präsidenten Kagame ergeben nach Informationen mehrerer Zeitungen die Empfehlung, gegen ihn Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof Arusha wegen Völkermords zu erheben (alle, heute morgen auch in den audiovisuellen Medien; nach LIBÉRATION enthält die Entscheidung auch internationale Haftbefehle gegen neun weitere Beschuldigte, nicht Kagame, weil er amtierender Staatschef sei).

Der Tschad interveniere militärisch in Zentralafrika, berichtet LE MONDE. Die tschadische Regierung stehe unter erheblichem Druck, müsse im Osten des Landes die aus dem Sudan unterstützte UFDR-Rebellion unter Kontrolle bringen und habe in den meisten Provinzen des Tschad den Ausnahmezustand verhängt. Französisches Militär unterstütze die militärischen Einsätze des Tschad logistisch, durch Aufklärung und durch "militärische Berater", berichtet LE MONDE.

LIBÉRATION und LE MONDE mit einer Nachlese zum APEC-Gipfel in Vietnam: Übereinstimmend heißt es, Präsident Bush habe sich nicht durchsetzen können mit seinen Wünschen, Nordkorea härter zu verurteilen. In LIBÉRATION ein Interview mit Kim Dae-Jung, früherer Präsident in Südkorea, der auf Mäßigung gegenüber Pjöngjang drängt. Im Zusammenhang mit APEC auch notiert: kambodschanischer König Norodom Sihamoni auf Staatsbesuch in Paris.

Besuch Blairs in Pakistan (LE MONDE, die einen Appell für einen "Marshall-Plan für Afghanistan" als Hauptergebnis sieht).

Verschiedentlich Vorberichte vor den Wahlen in den Niederlanden (Wirtschaftslage, FIGARO auch zum Thema Beschäftigungslage der älteren Generation in den Niederlanden).
In LE MONDE erscheinungsbedingt noch die Auseinandersetzung um die Resolution der VN-Generalversammlung vom 17.11., mit Zitat von Ehud Olmert über die "Besserwisser in den VN, ... die diejenigen aussparen, die seit Langem und systematisch die Zivilbevölkerung beschießen" (allerdings maßvoller als die in der gestrigen Presse wiedergegebenen Zitate des israelischen VN-Botschafters Gillermann (vergleiche Pressebericht Paris vom 20.11.).

In LE MONDE ein Bericht über die Veränderung der Medienlandschaft im Bereich internationales Fernsehangebot durch den Markteintritt von " France 24", dem neuen Auslandsinformationssender aus Paris, Medisat aus Marokko und Al-Jazirah Englisch: "Drei neue Sender betreten einen bereits eng besetzten Markt."

Deutschland

: Mehrere Beiträge zum Jahrestag der Bildung der Großen Koalition in Berlin und der Wahl von Frau Merkel zur Bundeskanzlerin. Tenor eher kritisch (Überschriften z. B.: "Frau Merkel hat ... die Deutschen nicht überzeugt" - FIGARO -, "Die Deutschen sehen die Fortschritte der Großen Koalition mit Geringschätzung" - LA TRIBUNE).
Verschiedentlich Berichte über den Amoklauf in Emsdetten. LE MONDE berichtet über das Lebenslänglich-Urteil im Krankenpfleger-Prozess in Kempten.

II. Wichtige Themen im Einzelnen

Fusionen im Bereich Börsenbetreiber

Die Übernahmeabsicht der NASDAQ gegenüber der Londoner Börse beschäftigt die Wirtschaftsblätter (FIGARO macht damit auch auf: " Amerikanische Börsen greifen Europa an"), aber auch den politischen Teil des FIGARO. Das Blatt zieht das Thema nicht nur auf die Titelseite, sondern kommentiert im Editorial auch politisch: "Das sind zufällig die beiden großen New Yorker Börsen, die ihre europäischen Counterparts aufkaufen wollen, ein Symbol, wird man sagen, des absoluten Triumphes der 'Wall Street' über das Finanzgeschehen des 'Alten Europa'. ... Euronext ist heute der Übernahme ausgesetzt, weil sie selbst an die Börse gegangen ist, obwohl sie es von ihrer Aufgabenstellung her nicht hätte tun müssen, und weil ihr Kapital heute von Pensionsfonds - aber das ist eben das Spiel der Börse - und nicht von den Großen des Pariser Börsenplatzes gehalten wird. Wer ist daran wohl schuld?" Umfangreich werden in diesen Zeitungen auch die möglichen weiteren Auswirkungen auf das Übernahmegeschäft Deutsche Börse - Euronext sowie NYSE - Euronext behandelt.

Ein Jahr Bundeskanzlerin Angela Merkel und Große Koalition

Einige längere Beiträge, Tenor eher kritisch. Im FIGARO berichtet der Deutschlandkorrespondent insgesamt ausgewogen und nicht unfair, bleibt aber immer wieder an den schlechten Umfragewerten hängen ("Bei Amtsantritt 53 Prozent Zustimmung, heute 16 Prozent"), will Erfolge eher dort sehen, wo Ansätze der früheren Schröder-Regierung weiterverfolgt wurden, und ist bei manchen Themen recht streng: "Dem [z. B. Erfolgen wie Elterngeld, erste Islam-Gipfelbegegnung] steht gegenüber das offensichtliche Scheitern der Gesundheitsreform, obwohl als der 'Stein der Weisen' der ganzen Koalition verkauft." Weiter heißt es, 2007 werde durch die Doppelpräsidentschaft G8/EU eine "weniger drückende" Phase der Kanzlerschaft beginnen.
Außenpolitisches Terrain für die Kanzlerin, rote Teppiche, ein Gebiet, "auf dem sie im Kickstart in Brüssel, Washington, Paris und Moskau angefangen hatte. Und das ihr endlich die Chance bietet, die öffentliche Meinung von ihrer Sache zu überzeugen, die, wie die Financial Times meint, 'an allem Zweifel äußert, obwohl dazu auch nicht mehr Anlass besteht als vor fünf oder zehn Jahren'."
LA TRIBUNE ähnlich: "Der deutsche Wirtschaftsaufschwung im Galopp, Arbeitslosigkeit auf dem Rückzug, Steuereinnahmen im Überfluss - und dennoch leiden die Parteien der Großen Koalition ... unter einem Mangel an Kredit, den Umfragen immer wieder belegen." Dieses Blatt befasst sich auch mit den kritischen Äußerungen aus dem Unternehmerlager, die auf die Bildung einer am Marktkapitalismus orientierten ("libéral") Regierung gehofft hätten und immer wieder Reformen zu ihren Gunsten anmahnten. Die anziehende Konjunktur und günstigere Zahlen im Jahre 2007 dürfte ihnen zusätzliche Argumente an die Hand geben, die von ihnen geforderten Reformen spätestens 2007 zu realisieren.
Anders LES ECHOS, die freundlicher titeln: "Angela Merkel beginnt ihr zweites Jahr mit gestärkter Autorität".

Irak

LE MONDE berichtet heute besonders umfangreich und sieht die Zentralregierung in der schwierigsten Situation seit ihrer Bildung, und zwar wegen der Entscheidungsschwäche bei der Verhaftung und Wiederfreilassung des hohen sunnitischen Repräsentanten Hareth Al-Dhari ("In Bagdad steht die Regierung Maliki vor dem Chaos"). Zusammen mit weiteren Beiträgen zum Thema ("Henry Kissinger hält einen 'Sieg' der USA im Irak für ausgeschlossen") erzeugt das Blatt erneut vollständigen Pessimismus hinsichtlich aller Ziele der Bush-Administration im Irak und der Region.

Airbus

LA TRIBUNE und LES ECHOS analysieren noch einmal die Lage bei Airbus. Es gebe ("deutsch-französischen") Streit darum, ob die Auflegung des A 350 finanzierbar wäre (Frankreich-Seite dafür, Deutschland dagegen, so LA TRIBUNE), und LES ECHOS meint, in Sachen A 380 dürften nicht dieselben Fehler gemacht werden wie bei Boeing, also nicht wegen Finanzklemmen auf Großprojekte verzichtet werden. Auch Kapitalerhöhungen müssten überlegt werden, die die gegenwärtigen Aktionäre aufzubringen hätten. Außerdem müsse der A 350 realisiert werden.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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Französischer Pressespiegel 22.11.2006

Aufmacher: FIGARO mit der Ermordung Pierre Gemayels, LE MONDE mit dem Ergebnis der Ermittlungen des Richters Bruguière im Ruanda-Verfahren; LIBÉRATION mit (gleichrangigen Aufmachern) ...

Französischer Pressespiegel 21.11.2006

Aufmacher verstreut, einziges mehrfach auf Titelseiten (LE FIGARO, LES ECHOS, LA TRIBUNE) auftauchendes Thema ist die Absicht der NASDAQ, nun die Londoner Börse zu übernehmen (für FIGARO auch Thema ...

Französischer Pressespiegel 20.11.2006

Vermischte Aufmacher, nur FIGARO außenpolitisch: "Frankreich - Israel: Kälteschock: Israel beschuldigt Paris, in den VN eine israelfeindliche Rolle gespielt zu haben". Sonst Innenpolitik: Vorstoß ...

Französische Presseübersicht 17.11.2007

Aufmacherbild heute uneinheitlich: "Le Figaro" titelt mit der Nominierung von Ségolène Royal zur Kandidatin des PS für die Präsidentschaftswahlen 2007: "Royal setzt sich im PS ...
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