Zur Startseite: Frankreich

News aus Frankreich, Aussen und Innenpolitik, Wirtschaft, 26.04.2007

I. Aufmacher

Fast alle Zeitungen machen mit der Rolle Bayrous auf: LE MONDE (vor Bayrous Pressekonferenz): " Sarkozy: Die Entscheidung liegt bei Bayrou"; LE FIGARO: "Bayrou entscheidet sich, sich nicht zu entscheiden"; LIBÉRATION: "Bayrou - Royal. Ein viel versprechender Flirt"; LA CROIX: "Bayrou lädt sich zur zweiten Runde ein"; LE PARISIEN: "Bayrou wird nicht Sarkozy wählen. Die Anspannung steigt"; L'HUMANITÉ: "François Bayrou treibt die Gebote in die Höhe";

LES ECHOS: "Neue Rekorde auf den großen Börsen der Welt".

II. Themen im Einzelnen

a) Innenpolitik

1. Bayrou legt vor

Prominent in allen Zeitungen: Bayrou habe sich zwar für keinen der Finalisten entschieden, greife aber Sarkozy an. Er deute an, dass Ségolène Royal ein besseres Demokratieverständnis habe. Beide Finalisten, so LES ECHOS, verstünden die Äußerungen Bayrous als Stärkung ihrer Positionen.

Wenig Überraschung darüber, dass Bayrou die UDF in eine neue "Demokratie Partei" umwandeln will und keine Wahlempfehlung gegeben hat. Einstimmig wird die Meinung vertreten, Wahlempfehlungen seien heute nutzlos. Laut LE PARISIEN schließt Bayrou allerdings nicht aus, bekannt zu geben, für wen er stimmen wird. Einheitlich wird berichtet, Bayrou zeige sich kritischer gegenüber Sarkozy, offener gegenüber Royal (L'HUMANITÉ).

L'HUMANITÉ bezeichnet Bayrous Engagement zwischen den beiden Wahlgängen als "Fallgrube für die Linke".

Laut Alexis Brézet im FIGARO hat Bayrou kaum die Wahl gehabt. Hätte er Sarkozy unterstützt, hätte er die Philosophie seiner Kampagne verleugnet; hätte er Royal offen unterstützt, müsse er befürchten, die UDF-Abgeordneten zu verlieren. Sein Projekt der Gründung einer neuen "Partie Démocrate", die er auf dem "Schutt der PS" aufbauen wolle, wäre dann ruiniert.

2. Wie reagieren die Finalisten?

- Ségolène Royal

Von allen wird berichtet (LE MONDE im Internet) Ségolène Royal habe ihr Dialogangebot an Bayrou bekräftigt. Sie wolle Bayrous Angebot annehmen, und ihn am Freitag vor der Presse treffen. Laut LE MONDE bietet Royal der UDF Regierungsbeteiligung an. "Royal öffnet die Tür für UDF-Minister, wenn Bayrou sie unterstützt".

Royal versuche, so L'HUMANITÉ die "Quadratur des Kreises". Royal habe inzwischen die "Linken der Linken" und die "Sozialisten alter Garde" mit ihrem Spiel mit der Mitte verunsichert. Dazu auch LA CROIX: "In Montpellier hat Ségolène Royal Stimmen der Mitte gewonnen, aber Stimmen der linken Linken verloren". LIBÉRATION beschwört eine Kooperation PS-UDF herauf: "Eine solche Ehe würde zum Zusammenbruch der traditionellen Zweispaltung führen. PS, UDF und UMP würden sich gezwungenermaßen transformieren." Aufruf von Cohn-Bendit in LIBÉRATION ("Lauft, Kameraden…") an Bayrou, sich "dem Lager anzuschließen, das seine Werte verkörpert..."

- Sarkozy

LIBÉRATION: "Sarkozy versucht auf die sanfte Art, UDF-Abgeordnete zu ködern". UDF-Abgeordnete seien erleichtert, dass sie sich für Sarkozy entscheiden könnten, ohne die UDF verlassen zu müssen. Nicolas Sarkozy lehnt eine öffentliche Auseinandersetzung mit Bayrou ab. Er reagierte in dem Fernsehinterview ( TF1, gestern Abend) vielmehr etwas wütend über Bayrous andauerndes Engagement. "Das ist wie beim Fußball. Das Finale wird zwischen der Nummer 1 und der Nummer 2 ausgetragen. Die Nummer drei macht da nicht mit". Dennoch sei Sarkozy bereit, Bayrou "zuzuhören".

LE FIGARO schreibt, Sarkozy öffne sich der UDF aber verschließe sich vor Bayrou. In seiner Präsidentschaftsmehrheit werde es neben einem UMP-Pol Platz für einen weiteren Pol geben. Die Entscheidung liege bei Bayrou. UDF-Abgeordneten, die seine Kandidatur vor dem 6. Mai unterstützen, biete er Plätze in seiner Präsidentschaftsmehrheit an. Gleiches gelte - im Rahmen eines Regierungsvertrages - für linke Abgeordnete. Im Interview mit LE MONDE spricht Sarkozy die Links-Wähler an, "die an die Ordnung glauben", und die Zentrums-Wähler, "die an Europa glauben".

- Kommentare

Gérard Courtois in LE MONDE: "die gute alte rechts-links Spaltung scheint wieder da zu sein, sie wirkt sehr strukturierend und gibt vielen Sicherheit, weil sie sich so gut in die historischen Befangenheiten der Politik des Landes einpasst". Zwei Aspekte führten dennoch zu Unsicherheit: Erstens, die "extreme Mitte", die Bayrou entfacht habe, erneuere ein hartnäckiges Misstrauen gegenüber den zwei großen Regierungsparteien. Zweitens, beide Finalisten hätten erkannt, dass die alte rechts-links Spaltung  nicht dazu in der Lage sei, die vielfältigen und komplexen Erwartungen der Franzosen zu befriedigen. Es sei notwendig, dass beide Seiten über ihre bruchstückhaften, vieldeutigen oder metaphorischen Antworten des althergebrachten links-rechts Schemas hinaustreten. Jean-Pierre Rioux (Historiker) dankt Bayrou in LE MONDE für die Hilfe, "uns zu befreien (von dem Zwei-Pole-System UMP-SP), ohne uns zu vereinnahmen".

b) Internationales

Türkei

LE MONDE zur Aufgabe Erdogans Präsidentschaftsanspruchs in der Türkei. Entweder er habe dem Druck der Militärs, den Verteidigern der Laizität, nachgegeben, oder seine Entscheidung sei ein Beweis für sein Machtbewusstsein, denn so könne er im politisch wichtigsten Amt der Türkei seine Reformpolitik fortsetzen. Die Wahrheit liege vermutlich dazwischen. Sogar moderate Türken seien laut LE MONDE Europa gegenüber immer skeptischer, aber das Ziel des Beitritts bleibe ein kräftiger Motor für Reformen. Die islamische Partei AKP habe, so berichtet LE MONDE, Geschick bewiesen, die Einflussmöglichkeiten des Militärs auf die Politik im Namen von Forderungen der EU zu begrenzen.

Kosovo

LE MONDE zum Kosovo-Dossier: "Moskau schlägt härtere Tonart gegen den VN-Plan", LE FIGARO: Serbien habe vor, den Westen umzustimmen (Außenminister plädiere in Paris gegen die Unabhängigkeit des Kosovo). VN-Delegation zur Sichtung der Lage vor Ort.

Russland

Berichte über das Begräbnis von Boris Jelzin. Würdigungen und kritische Blicke. Dabei sind prominent: kritische Stimmen und Kommentare zu Vladimir Putin und "dem neuen russischen Despotismus" (Laurent Mandeville im LE FIGARO)

Somalia

Prominent mehrfach Berichte. Laut LE FIGARO droht der Konflikt, sich auf Äthiopien auszuweiten. LE MONDE: Selbstmordattentate als neue Kriegswaffe islamistischer Rebellen in Somalia. LIBÉRATION: "Somalia, das Pulverfass am Horn von Afrika".

Deutschland

Hafterleicherung für Christian Klar. Prominent: Anheben der Wachstumsprognose in Deutschland. LE FIGARO: Deutschland werde wieder zur "Wirtschaftslokomotive".

Berichte über Kleinfelds Entlassung.

LA CROIX über die nationale Armutskonferenz: Das Wirtschaftswachstum habe keinen positiven Effekt auf die Armutsreduktion.

c) Wirtschaft

Prominent: LE FIGARO: "Kampf der Titanen in der europäischen Bankenlandschaft" ( Angebote für ABN Amro) Europa zögere, Wolfowitz' Rücktritt zu verlangen. Die Postenverteilung zwischen Weltbank und Währungsfond zwinge zur Zurückhaltung.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5

Pressespiegel 30.04.2007

Die Aufmacher werden von der Präsidentschaftswahl dominiert, jedoch mit unterschiedlichen Akzenten. LE MONDE: "Nicolas Sarkozy geht über zur Gegenoffensive"; LE FIGARO: "Sarkozy: 'Ich ...

Französischer Pressespiegel 27.04.2007

I. Aufmacher Das Pressebild wird in ihren Aufmachern weiterhin von der Präsidentschaftswahl bestimmt. LE MONDE: "Royal sucht das Zentrum"; LE FIGARO: "Sozialisten-Zentristen: die Unmöglichkeit eines ...

News aus Frankreich, Aussen und Innenpolitik, Wirtschaft, 26.04.2007

I. Aufmacher Fast alle Zeitungen machen mit der Rolle Bayrous auf: LE MONDE (vor Bayrous Pressekonferenz): "Sarkozy: Die Entscheidung liegt bei Bayrou"; LE FIGARO: "Bayrou entscheidet sich, sich nicht ...

Wahlkamp Frankreich: Kommentare, Reaktionen, 25.04.2007

Erneut dominieren die Präsidentschaftswahlen, insbesondere die Frage der Mobilisierung von Wählerstimmen für den zweiten Wahlgang. LE MONDE: "Kampf um die Stimmen der Mitte"; LE FIGARO: ...
Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5