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Französischer Presse 24.04.2007

Präsidentschaftswahlen dominieren, insbesondere die Frage der Mobilisierung von Wählerstimmen für den zweiten Durchgang am 6. Mai.
LE MONDE: "Die Linke ist herausgefordert durch Sarkozys Erfolg";
LE FIGARO: " Sarkozy zur Linken: Weshalb soviel Hass?";
LIBERATION: "Zweite Runde: Die Jagd nach Bayrou";
L'HUMANITE: "Die Rechte hat einen schlechten Start gemacht";
LA CROIX: "Wie jenseits des eigenen Lagers verführen?";
LE PARISIEN: "Operation Verführung. Sarkozy und Royal buhlen um UDF-Wähler".
LES ECHOS macht als Einzige nicht mit Wahl auf, sondern: "Die Hitparade der Gehälter der CAC 40-Unternehmensvorstände".

II. Themen im Einzelnen

a) Innenpolitik

Alle Zeitungen berichten ausführlich über die Präsidentschaftswahl. Mehrseitige Analysen, z.T. Extra-Einlagen.

Drei große Themen- und Analysebereiche:

1. Was passiert mit dem Wählerpotential von Bayrou?

LE FIGARO: Sarkozy sei durch Persönlichkeitswahl, Royal durch die strategische Stimmabgabe und aus Ablehnung Sarkozys gewählt worden. Jedoch lebten beide nicht in der Welt ihrer Partei. Was sie aber beherrschten, sei, ihre Schwächen in Stärken, ihre Begrenztheit in Originalität umzuwandeln.
Sarkozy wie Royal bräuchten nach LA CROIX beide Seiten ihres natürlichen Wählerspektrums, weshalb sie ihre ideologischen Wurzeln stärken und gleichzeitig ihre Grenzen überwinden müssten.
LIBERATION bezeichnet das Wahlergebnis als "Weder-Noch-Dynamik". Aus Ablehnung von Sarkozy sowie von Royal hätten viele Wähler Bayrou gewählt. Jedoch werde die Weder-Noch-Dynamik nicht zur Auflösung der bipolaren Verhältnisse in der französischen Politik führen.
LE MONDE: "Der Kampf ums Zentrum hat begonnen". Einheitlich wird Sarkozy als Favorit betrachtet, müsse aber sowohl bei der FN sowie bei der UDF um Wähler buhlen.
LE FIGARO benennt "drei Wahrheiten" des Wahlausgangs: Erstens, die Linke sei so schwach wie noch nie; zweitens, Bayrou sei - genau wie die anderen Kandidaten - nicht Herr seiner Wähler und könne diese nicht einfach anderen Parteien zuschlagen; drittens, einige UDF-Abgeordnete würden zur UMP überlaufen. Daher würde die Wahl nicht in der Mitte, sondern beim ganzen Volk gewonnen. Auch versuche die UMP durch Abwerbung von UDF-Abgeordneten, die Abwehrhaltung Bayrous zu brechen.
LE FIGARO: Sarko wolle eine "neue, multipolare Mehrheit" und die "Anti-Sarkozy-Front überzeugen". François Fillon verspricht im Interview mit LE FIGARO eine Regierung "jenseits der Mitte". Michel Guénaire kommentiert im FIGARO, UDF und UMP seien eine gespaltene Rechte, müssten daher kooperieren.
L'HUMANITE skeptischer: "Sarkozy ist stark, aber noch nicht gewählt". Royal könne zwar auf die Wähler der extremen Linken rechnen, müsse aber ebenfalls Wähler von Bayrou holen. Mehrheitlich wird getitelt "Royal reicht Bayrou die Hand". Außerdem habe sie Bayrou zu seiner Verantwortung ermahnt, die er wegen seiner Schiedsposition innehabe (LE FIGARO). Chevènement ( PS) lässt in LE FIGARO verlauten, im Falle eines Sieges werde Royal "eine Dosis Verhältniswahl" bei den Parlamentswahlen einführen. Spekulationen über das Verhalten Bayrous und über die Bedeutung seiner Schiedsposition. LE FIGARO zitiert Bayrou: "Wir sind nicht käuflich". Mehrheitlich wird vermutet, er gründe eine neue Partei und konzentriere sich auf die Parlamentswahlen. Einen Anschluss an Sarkozy schließe er aus, gebe vermutlich keine Wahlempfehlung.
Bayrou sei laut LIBERATION in denselben Regionen erstarkt wie Royal, habe jedoch mehr die katholischen Wähler angesprochen (LA CROIX). LIBÉRATION kommentiert, die "Klassenwahl" sei aufgrund des erstarkten Zentrums verblasst.

2. Was bedeutet der historische Tiefstand der linken Kandidaten?

Viele beschäftigen sich mit dem im historischen Vergleich schwächsten Abschneiden der Linken (bei Zusammenrechnung aller linken Kandidaten). Laut LA CROIX sei die Mitte und damit die "Effizienz" gewählt worden, weshalb die Parteien beider Extreme enorme Verluste zu verzeichnen hatten. Der Verlust der extremen Linke wird auf ihre ideologische "Nichtigkeit" zurückgeführt. Einzig aus Besancenot könne der "Embryo einer neuen FN von links" werden.
Wahlaufruf der antiliberalen Linken für Royal und gegen Sarkozy in LIBERATION. Außerdem "10 feministische Gründe, für Royal zu stimmen".

3. Extreme Rechte

LIBERATION: "Sarkozy nimmt die Stimmen, wo immer sie her kommen".
Hervé le Bras im Interview mit LES ECHOS dagegen meint, Sarkozy habe sein Potential auf der extremen Rechten fast komplett ausgeschöpft. Einheitlich zufriedene Kommentare zu Le Pens Niederlage.

Internationale Reaktionen

Einheitlich werde im Ausland das "Wiedererstarken der französischen Demokratie" (LA CROIX) begrüßt, herrsche "erleichtertes Aufatmen" vor (LES ECHOS) über Schwächung der extremen Rechten. Die deutsche Presse habe einheitlich die wichtige Rolle von Bayrou betont (LIBERATION).

c) Wirtschaft

LE MONDE (Wirtschaftsteil) stellt die Frage: "Warum haben die Franzosen Probleme mit dem starken Euro, die Deutschen jedoch nicht?" LE FIGARO: "Dank der Globalisierung hat sich die französische Wirtschaft fast komplett von der Politik befreit".

d) International

Von Wahlanalysen und -berichten an den Rand gedrängt. Berichte aber über Chaos bei den Wahlen in Nigeria. LE FIGARO berichtet, die Unstimmigkeiten zwischen der EU und Russland hätten sich vermehrt (Einfuhrverbot polnischen Fleisches, Unterdrückung oppositioneller Demonstrationen, Status des Kosovo, Raketenschirm). Gates werbe in Moskau für Raketenschirm. EU-Defizit herabgesetzt. EU-27 hat Sanktionen gegen Birma erneuert. In allen Zeitungen Berichte zum Tod Boris Jelzins, verschiedentlich Würdigungen.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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