Französischer Pressespiegel 04.05.2007

I. Aufmacher

Die Präsidentschaftswahl kurz vor ihrem Finale wird in allen Tageszeitungen als Aufmacher thematisiert. LE FIGARO: "Debatte: Die Franzosen beurteilen Sarkozy als überzeugender"; LE MONDE: "Die Debatte Royal-Sarkozy als Duell"; LES ECHOS: "Sarkozy-Royal: die Wahl für das Frankreich von morgen"; LIBERATION: "Bayrou, der maskierte Royalist"; LA CROIX: "Wählen"; L'HUMANITE: "Warum man Sarkozy schlagen muss"; LE PARISIEN macht mit einem Interview mit Royal auf: "Mit mir gibt es kein Risiko…".

II. Im Einzelnen

1. Innenpolitik

a) zum Fernsehduell

LES ECHOS, LE PARISIEN und FIGARO, denen Umfragewerte von TNS und CSA vorliegen, richten ihre Aufmerksamkeit auf die Folgen des Streitgesprächs auf die Wählerschaft. Sarkozy habe seinen Vorsprung auf 54,5% (nach LE PARISIEN 53%) ausgebaut. FIGARO unterstreicht, dass Royal es lediglich geschafft habe, 35% der Bayrou-Wähler für sich zu gewinnen. Der öffentliche Dialog mit Bayrou hätte für sie fatale Konsequenzen gehabt. Sie sei dabei, alles zu verlieren. Die drei Blätter sind sich dabei einig, dass die Interpretation der Zahlen die Schlussfolgerung zuließe, Sarkozy habe das Duell für sich entschieden. Nach LA CROIX hingegen bestimmte zwar Sarkozy den Wahlgang der ersten Runde, Royal habe indes den Ton für die zweite Tour angegeben. Sie habe die Themen vorgegeben und besetzt. Insgesamt räumen alle Tageszeitungen ein, dass Sarkozy nach Umfragen über eine nicht nur knappe Mehrheit der Stimmen zu seinen Gunsten verfügen würde. Le MONDE beschreibt das Fernsehduell als lebhaft. Die Protagonisten hätten zwei Frankreichs, zwei Visionen einer Gesellschaft vorgestellt. Die Hauptunterschiede zeigten sich in drei Bereich: der 35-Stunden-Woche, der Rente und dem öffentlichen Dienst. Die PS-Kandidaten habe dabei keine Chance ungenutzt gelassen, die von den Journalisten vorgegebene Reihenfolge der Themen durcheinander zu bringen. Ihr sei es nicht gelungen, das Bild von Sarkozy als verängstigender, ungeduldiger, unkontrollierter Kandidat, als "teuflische Person" zu bestätigen. Sarkozy hingegen habe so oft wie möglich eine künstliche Heiterkeit zur Schau gestellt. Er habe bewusst ruhig und diszipliniert an der Konversation teilgenommen: kurze Sätze, präzise Antworten, sicherer Ton. Er habe einen fast übertrieben respektvollen Umgang mit seiner Widersacherin an den Tag gelegt, bis hin zur "Glattheit". Das Blatt bedauert, dass die Konfrontation oft zu konfus und zu technokratisch gewesen sei und sie sich ausschließlich wirtschaftlichen und sozialen Problemen gewidmet hätte. LA CROIX stellt die im Hintergrund arbeitenden Mannschaften der beiden Finalisten vor.

b) Reaktionen Bayrous

Der dritte Kandidat hat laut LIBERATION, FIGARO, LES ECHOS, LE PARISIEN und LE MONDE seine Unabhängigkeit erneut bestätigt. Alle berichten, dass er sich jetzt eindeutig dahin erklärt habe, Sarkozy nicht wählen zu wollen. Seine Stimmenentscheidung sei persönlich und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. In diesem Zusammenhang wird auf die Überlaufe der UDF-Abgeordneten in das UMP-Lager eingegangen. FIGARO titelt: "Der Bruch mit seinen Freunden der UDF ist vollzogen". LIBERATION befürchtet, Bayrou werde durch seine ablehnende Haltung gegenüber dem UMP-Kandidaten sein eigenes Lager teilen.

2. Internationales

a) allgemein

Naher Osten: Dem israelische Premierminister Olmert wird nach Ansicht FIGAROS eine Bewährungsfrist eingeräumt aufgrund der von seiner Kadima-Partei zugesicherten Unterstützung. Nach LE MONDE wolle Olmert das Gewitter durchstehen und auf das Abklingen der politischen Anspannungen hoffen. Seine Kontrahenten, allen voran die israelische Außenministerin Livni, sähen die Möglichkeit einer demokratischen Erneuerung des Landes. Der Hezbollah-Chef Nasrallah würdigte die Wahrheiten des Winogradberichts.

Irak: LES ECHOS, LA CROIX, L'HUMANITE und LE PARISIEN bringen einen Bericht über die internationale Irakkonferenz in Ägypten. Nach LE PARISIEN habe die amerikanische Außenministerin Rice für ihre Zielerreichung, der Stabilisierung des Iraks, Tabus gebrochen, indem sie sich gestern mit ihrem iranischen Amtskollegen Mottaki traf (verschiedentlich taucht in Rundfunkkommentaren das Epitheton "historisch" auf).

Die Blätter heben in ihrer Berichterstattung die irakische Staatsverschuldung von 50 Milliarden Dollar hervor und weisen auf die Notwendigkeit gemeinschaftlichen Handelns hin.

Afghanistan: LE MONDE beklagt den Tod von 50 zivilen Opfern in den drei Tagen in Afghanistan durch Einsätze der NATO. Die Zeitung nimmt die Äußerung Karzais auf, dass die Koordination und die Zusammenarbeit noch nicht die gewünschten Resultate hervorgebracht haben. In der Bevölkerung gelte der afghanische Präsident als "Marionnette" der USA.

Moskau: Die FIGARO und LIBERATION greifen in ihrer internationalen Berichterstattung den Konflikt zwischen Estland und Russland auf.

b) EU/Deutschlandbezug

EU: FIGARO titelt an prominenter Stelle über Chiracs Besuch in Deutschland mit: "Europäischer Verfassung, die zwölf Arbeitsprogramme von Angela Merkel" (Bericht der Brüsseler Korrespondenten!). Der deutschen Bundeskanzlerin seien in freundschaftlicher Atmosphäre alle Fragen bezüglich einer europäischen Verfassung aus "republikanischer" Sicht (d. h. aus dem Staatsinteresse Frankreichs, nicht aus der Sicht politischer Parteiungen) beantwortet worden. LES ECHOS veröffentlicht Fotos von Merkel und Chirac ohne begleitenden Text. LE PARISIEN geht am Rande auf dieses Thema ein.

Deutschland: LES ECHOS zitiert die Ankündigung des deutschen Außenministers Steinmeier, die Unterstützung der 117 deutschen Schulen im Ausland um 25% aufzustocken, so dass sich der Gesamtbetrag 2008 auf 222,5 Mio. erhöhen werde. LES ECHOS und FIGARO widmen sich im Wirtschaftteil der Deutschen Telekom anlässlich des Verzichts des Vorstandsvorsitzenden Obermann auf zwei Monatsgehälter.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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