Pressespiegel aus Frankreich 03.05.2007

I. Die Aufmacher

Die innenpolitische Berichterstattung steht anlässlich des gestrigen Fernsehduells der beiden Finalisten ganz im Zeichen der Präsidentschaftswahlen. LE FIGARO: "Der Schock der Debatte"; LE MONDE: " Royal setzt alle Hebel in Bewegung, um die Tendenz umzukehren"; LES ECHOS: "Der finale Schock bei hoher Anspannung"; LIBERATION: "Die Kämpferin"; L'HUMANITE: "Royal bringt Sarkozy durcheinander"; LE PARISIEN: "Muskulös!"; nur LA CROIX macht mit einem abweichenden Thema auf: "Die Laizität teilt die Türkei".

II. Die Themen im Einzelnen

1. Innenpolitik

Alle Blätter widmen sich schwerpunktmäßig der Analyse der Fernsehdebatte und bilanzieren die Folgen hinsichtlich des Auftritts des einzelnen Kandidaten. Dabei werden zwei Aspekte besonders beleuchtet.


a) Persönlichkeit

FIGARO erkennt die Gelassenheit und Beherrschung von Sarkozy an. Die Debatte sei lebhaft gewesen aufgrund der Attacken Royals, die bisweilen aggressiv gewirkt hätten. Das Blatt stellt besonders die Diskussion über Behinderungen heraus und folgt der Ansicht Sarkozys, Royal hätte die Nerven verloren. Dem UMP-Kandidaten sei es gelungen, sich nicht zu seiner bekannten aufbrausenden Art hinreißen zu lassen. Royal wechselte von einem zum nächsten Thema ohne sich für irgendeine Meinung zu interessieren, so dass Sarkozy Schwierigkeiten gehabt hätte, ihr zu folgen. LIBERATION meint, Sarkozy habe nicht verloren, aber Royal gewonnen. Sie habe gezeigt, dass sie zum Präsidentenamt fähig sei. Nach LES ECHOS habe Sarkozy den überwiegenden Teil der Debatte geführt. In einem angespannten Klima seien die bittersüßen Bemerkungen ineinander übergelaufen. LE PARISIEN stellt als Schwachpunkt Royals ihre langen Ausschweifungen heraus und kritisiert gegenüber Sarkozy, er habe sich bei Angriffen zu oft den Moderatoren zugewandt. Gleichzeitig würdigt das Blatt die Offensive Royals und die Präzision Sarkozys. LE MONDE titelt damit, dass es wenige Tage vor dem zweiten Wahlgang um eine "Schlacht der Persönlichkeiten" ginge. Sarkozy lege in letzter Zeit eine "beschützende" Rhetorik an den Tag, indem er von den "Verletzten" und "Schwachen" rede, denen er einen "neuen Traum" und "Hoffung" geben wolle. Diese Tonart würde allerdings das Zerstörerische seines Programms gerade für die Bedürftigen verstecken. In einem Namensartikel von André Glucksmann in LE MONDE bemerkt dieser, dass die Franzosen zwischen der Madonna und dem Brutalen zu entscheiden hätten. Sarkozy, von dem Autor als "teuflischer Doktor" bezeichnet, teile die Nation. Es stünden zwei Methoden zur Auswahl: zum einem die Sarkozys, der vor einer Spaltung nicht zurückweichen werde, der den Wählern kompromisslos Alternativen unterbreiten wolle und zum anderem die Vorgehensweise Royals, die eine Harmonie um jeden Preis anstrebe und eine "Unbeweglichkeit" verspreche.

b) Programm

Die Blätter geben umfassend die einzelnen im Gespräch dargelegten und bekannten Programmvorstellungen der Kandidaten wieder, wobei sich keine neuen Aspekte ergeben. Die Finalisten hätten nach LIBERATION ihre Versionen im Sinne ihrer Parteizugehörigkeit klar dargestellt ohne Überraschungen. LIBERATION druckt das komplette Streitgespräch ab.

L'HUMANITE setzt sich mit dem Airbusdossier auseinander mit Blick auf den Power-8-Plan und der Streichung einer Gewinnausschüttung an die Mitarbeiter.

2. Internationales

a) allgemein

Naher Osten:

In allen Tagezeitungen wird über den unter Druck geratenen Premierminister Olmert und die Ambitionen der Außenministerin Livni, dessen Amt zu übernehmen, berichtet. FIGARO bezeichnet dabei die Politikerin als "Frau Sauber" und räumt ihr gute Chancen ein, Regierungschefin zu werden. LE MONDE (Editorial), die sich auf den vernichtenden Untersuchungsbericht über die Kriegsführung gegen die libanesische Hezbollah 2006 bezieht, wertet die politische Gesamtlage Israels als ein Feld der Ruinen. Das Land sei von zahlreichen Skandalen und Fehlentscheidungen der Regierungsmitglieder gebeutelt. Trotz fehlenden Rückhalts Olmerts in der Bevölkerung, laut einer Umfrage ergeben sich nur 2% der Wählerstimmen zu seinen Gunsten, wolle dieser nicht die Konsequenzen ziehen. Die Verweigerung des Premierministers gegenüber seinen geforderten Rücktritt würde Israel auf das Niveau eines Dritte-Welt-Landes zurückwerfen. Darüber hinaus bringt LE MONDE einen Bericht über die Rivalitäten der radikalislamischen Hamas und Fatah im Gazastreifen. 147 Palästinenser seien aufgrund der internen Konfrontation ums Leben gekommen, wobei die Polizei den Attentaten hilflos gegenüber stünde.

Irak:

LE FIGARO und L'HUMANITE gehen auf die internationale Irakkonferenz im ägyptischen Scharm el Scheich ein unter Darlegung der amerikanischen und irakischen Erwartungen.

Türkei:

LA CROIX, LIBERATION, LE MONDE, LE FIGARO und L'HUMANITE thematisiert die Entwicklung um die Präsidentschaftswahlen des islamistisch-konservaten Außenminister Gül. Die Ankündigung vorgezogener Parlamentswahlen seien laut FIGARO von der türkischen Bevölkerung mit Erleichterung aufgenommen worden. Nach LE MONDE würde die Vorgehensweise Erdogans, einen Abänderungsantrag der Verfassung, durch den die Direktwahl des Premierminister durch das Volk ermöglicht werden soll, den Gegnern aus dem laizistischen Lagern eine Riegel vorschieben und der Armee die Berechtigung zur Intervention entziehen. LA CROIX sieht die Türkei in einer institutionellen Krise.

Großbritannien:

LES ECHOS und LE MONDE greifen die sich nach Umfragen ergebende historisch desaströse Wahlniederlage für die Arbeiterpartei von Blair auf. Die Wähler würden die anstehenden Regional- und Kommunalwahlen dazu nutzen, um ein letztes Verdikt zu stellen. Es sei mit besonderen Aufspaltungen zwischen Nord- und Südengland zu rechnen.

USA:

LA CROIX und LE MONDE bringen jeweils einen Leitartikel über den ehemaligen CIA-Chef Tenet und seine Abrechnung mit dem Weißen Haus unter Bezugnahme auf den Irakkrieg. L'HUMANITE und LE MONDE richten ferne ihre Aufmerksamkeit auf die ablehnende Haltung Bush in Form eines Vetos gegenüber einem Zeitplan zum Abzug der Soldaten aus dem Irak und die sich dadurch für die republikanischen Kongressabgeordenten ergebenden Schwierigkeiten, sich dieser unpopulären Entscheidung anschließen zu müssen.

b) EU/Deutschlandbezug

EU:

LES ECHOS berichtet über das Haushaltsbudget der EU 2008 und dem großen Anteil, der für das Wirtschaftswachstum und Arbeit vorgesehen ist.

Deutschland:

LIBERATION hebt anlässlich des Klimagipfels in Bangkok die Bemühungen Deutschlands hervor, die CO²-Abgase zu reduzieren. LES ECHOS und LE MONDE beschäftigen sich mit der in Deutschland unter die symbolische Marke gesunkene Arbeitslosenzahl von unter 4 Mio. Erwerbslosen und führen als Gründe dafür das Wirtschaftswachstum und eine stabile Konjunktur an.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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