Französischer Pressespiegel 27.03.2007

1.Überblick und Aufmacher

LE MONDE befasst sich sehr intensiv und überschwänglich positiv mit dem 50. Jahrestag der Römischen Verträge. Nach 2 Jahren wird eine neue Ankurbelung Europas und der europäischen Identität gesehen. Das Thema füllt auch sehr lobend die wichtige zweite Seite. Besonders Frau Merkel wird dafür gelobt, wieder an das Wesentliche von Europa erinnert zu haben.

Alle anderen Zeitungen beschäftigen sich im Aufmacher mit dem Wahlkampf, der eine große Diskussion um nationale Symbole und französische Identität ausgelöst hat. Vorwurf der Polemik wird laut. Sonst kleinere, optimistische Berichte auf manchen Titelseiten zur Einigung in Nordirland ("ohne Wärme, aber historisch", LE FIGARO).

2. Im Einzelnen

a) Innenpolitik

Zum Wahlkampf

Thema nationale Symbole und Identität: Große allgemeine Diskussion über das Thema, viel Kritik an Frau Royal von LE FIGARO (Marseillaise ohne Konzept: der Parti Social in Aufregung) und LE PARISIEN (Was heißt das, "französisch" sein? Wirft der Debatte Polemik vor). Auch breite Debatte bei LIBERATION: "Der Kampf um die Fahne" und L'HUMANITE:"Schluss mit der Ungewissheit um Werte der Republik". Das Blatt wirft ihr ebenfalls Polemik vor und fordert die Konzentration auf "echte" nationale Themen wie Arbeit, soziale Sicherheit, Bildung und Immigration/Integration. LE FIGARO verlangt von den Kandidaten im Editorial ein positiveres Weltbild, Frankreich könne die Globalisierung auf seine Art angehen.

Buchveröffentlichung von Ségolène Royal von mehreren beachtete: Mit ihrem Buch "Maintenant" würde sich Frau Royal etwas mehr öffnen und neben ihrem Programm auch von sich erzählen (LA CROIX). Keine Wertungen, nur Berichte.

Überall Berichte zum Rücktritt Sarkozys vom Posten des Innenministers und Porträts von den neuen Kabinettsmitgliedern.

Sonstige innenpolitische Themen: Innovationen vom Fließband - die internationale Woche des Transports und der Logistik, LES ECHOS u.a.

Streik im Hafen von Marseille: 13. Tag, wird als schwerwiegender als vorhergesehen eingeschätzt. Gesamtkosten werden bisher mit ca. 25 Mio. Euro beziffert. Ausführliche Berichte bzw. Wirtschaftsaufmacher in vielen Zeitungen.

Umweltschutz: LA CROIX berichtet anhaltend über die Demonstrationen am Strand von Morbihan gegen die Förderung von Salz aus dem Meer. Allerdings sieht sie die Aktion kritisch und zitiert Wissenschaftler, wonach die Klimaerwärmung und der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels die wirklichen Bedrohungen für die Küstengebiete sind.

Umweltschutz: Berichtendes Aufkommen des Themas Landwirtschaft anlässlich der "Woche ohne Pestizide" ab dem 31.03. (Manifestationen geplant).Einführende Artikel.

Bildung: LA CROIX widmet sich ausführlich der aktuellen "Bildungskrise" und stellt verschiedene Lösungsansätze vor. Momentan skeptische Haltung.

b) Außenpolitik

Iran: Überall kritische, analytische Berichte zur Entführung der 15 Briten im Irak.
Es werden vermehrt indirekte Fragen zum tatsächlichen Sachverhalt gestellt. So zitiert beispielsweise LA CROIX den iranischen Außenminister Mehdi Mostafavi, wonach der Iran genug Beweise dafür habe, dass die Briten in iranischen Gewässern aufgegriffen worden seien. LE MONDE empfiehlt, die Sanktionen zu unterstützen und zu verhärten, um eine amerikanische Intervention zu verhindern (Editorial). Es ist von iranischer "Eskalation" die Rede, der die Geschlossenheit der internationalen Gemeinschaft gegenüber stehe: " Amerikaner, Europäer, Russen und Chinesen sprechen, trotz ihrer Divergenzen, mit einer Stimme". Auch über die Bezahlung der ersten Rate des Atomkraftwerkes Buschehr wird berichtet.

Bolivien: Skandal um Unregelmäßigkeiten bei den Gasverträgen mit 44 Magnaten wird beobachtet, auch mit Blick auf den 3. Gipfel der indianischen Völker in Lateinamerika. Hierzu übt LE FIGARO unterschwellig Kritik an Rigoberta Menchu (Präsidentin Guatemala), die wegen eines Nobelpreistreffens nicht zu diesem Gipfel erscheinen wird.

Darfur: bleibt Thema, Focus auf humanitäre Lage. "Krise beginnt endlich, eine internationale Mobilisierung hervorzurufen" (LA CROIX). Gleichzeitig Aufruf zur Erhöhung der Entwicklungshilfe. Auch LE MONDE ruft Europa dazu auf, endlich zu handeln, ebenso LIBERATION: "Nicht mehr duldbar".

Kanada: Vermehrt Berichte über die Wahlen in Quebec, Umgang mit der Immigrationsfrage wird sehr interessiert beobachtet.

Israel: Überall Berichte über die Reisen von Condoleezza Rice und Ban Ki-moon vor dem Riadgipfel (28.-29.3.).Es wird diplomatischer Aufruhr rund um den israelisch-palästinensischen Konflikt gesehen. Insgesamt bleiben die Berichte analytisch, aber LE MONDE schließt beispielsweise mit einem Zitat des Saudischen Prinzen Al-Faycal (Außenminister), der Israel kritisiert, das "immer Bedingungen an alle stellt, ohne selber irgendetwas zu akzeptieren".

Nordirland: Abkommen wird von allen Zeitungen als historisch bezeichnet, breite Berichterstattung. Jetzt müsse unbedingt ein gemeinsames Programm folgen (LA CROIX, L'HUMANITE, LIBERATION). LE FIGARO: "Nie waren die Bedingungen in den letzten 15 Jahren so günstig wie jetzt, damit das Abkommen dauerhaft Erfolg haben könne."

Mauretanien: Optimistische Berichte über die Wahlen von Ould Abdallahi zum Präsidenten, auch gerade in Bezug auf die Aufrechterhaltung der diplomatischen Beziehungen zu Israel (LA CROIX, LE MONDE, L'HUMANITE, LIBERATION, LE FIGARO)

Kosovo: Berichte zum VN-Vorschlag zum Kosovo-Status, Ergebnisfindung nach 14 Monaten Verhandlungen wird allgemein begrüßt, wenn auch noch etwas verhalten optimistisch (LIBERATION, LE MONDE).

Spanien: Aufruf der Parti Populaire zum Boykott der Medien AG Prisa (da monopolistisch) wird von LE MONDE als Zeichen der Verkrampfung der Politik in Spanien gesehen.

Sri Lanka: Große besorgte Reportage zur Lage in Sri Lanka, insbesondere der Zivilbevölkerung und der Flüchtlinge (LA CROIX, LE MONDE, L'HUMANITE, LIBERATION). Akzentuierung der wachsenden Gewalt der Armee sowie Paramilitärs und der steigenden Zahl der Vermissten.

Hongkong: Porträt des wiedergewählten Donald Tsang. Kritik an den Wahlbedingungen, allerdings lasse Peking "die Zügel etwas lockerer" (LA CROIX). Tsangs Aufgabe wird so interpretiert, er müsse Peking beweisen, dass sie wirklich keine totale Demokratisierung Hongkongs riskieren (auch Erwähnung bei allen anderen Zeitungen).

USA: Erster Ausblick auf die amerikanischen Präsidentschaftswahlen im Januar 2009. Schwerpunkt auf Hillary Clinton und die enormen Kosten der amerikanischen Wahlkampfmaschinerie (geschätzte 4 Milliarden US-Dollar).

c) Europäische Union

Gemischte Reaktionen der Wahlkandidaten auf den 50. Jahrestag der Römischen Verträge, keine offene Begeisterung, Sarkozy noch am Positivsten. Le Pen gegen "ein Europa der Identität" im aktuellen Europa, auch halbherzige Kritik von Bayrou. Keine explizite Reaktion von Royal.

Das Klima zwischen Russland und Europa (Gazprom) wird als zunehmend misstrauisch beschrieben (LA CROIX). Abdruck von Interview mit Serguei Iastrjembski, Berater Putins, der Europa teils eine "unehrliche Einstellung" gegenüber Russland unterstellt, Russland selbst jedoch als "stabilen und in Energiefragen immer transparenten Partner" beschreibt. LE FIGARO sieht die Macht in Russland in antiamerikanische und nationalistische Richtung driften.

d) Wirtschaft

Aussicht auf Streik der staatlichen Arbeitsagentur ANPE gegen die Perspektive, private Vermittlungsagenturen aufkommen zu lassen. Allgemeine Diskussion um Arbeitsvermittlungsmarkt.

Interview-Debatte in LE MONDE zum Thema "Ist Deutschland, der "kranke Mann von Europa", geheilt?" mit M. Heise (ja; Groupe Allianz) und N. Walter (nein; Deutsche Bank).

LE MONDE beurteilt die Wiederbelebung der EU auch wirtschaftlich als "dringend". Meinungsartikel zum Euro: "Lasst uns aufhören, den Euro zum Sündenbock zu machen! Er schützt die Wirtschaft der 27".

LE FIGARO ist der Ansicht, der wirtschaftliche Aufschwung komme in Teilen der Ex-DDR in Gang.

Handelsvertrag zwischen dem letzten französischen Mobiltelefonhersteller Sagem und Sony Ericsson (Nr.4 weltweit) findet viel Beachtung. Betonung der weiterhin selbständigen Existenz von Sagem und des Erhalts der Arbeitsplätze.

e) Deutschland

Radio FRANCE INTER und Europe1 brachten am Morgen des 27.03. einen längeren Beitrag über die günstigen Zahlen beim Steueraufkommen in Deutschland. Er wurde vermutet, dass der deutsche Finanzminister "bald Pläne zu einer Ausgabenpolitik vorstellen würde, die Deutschland erstmals für 2010 eine 0-Defizit-Meldung im Sinne der Maastricht-Kriterien gestatten würde. Der Beitrag akzentuierte die damit sich verbreiternde Kluft zwischen Deutschland und Frankreich bei der Staatsverschuldung.

LA CROIX widmet sich im Editorial der Freilassung Brigitte Mohnhaupts im Kontext Europa und Gewalt (Nordirlandkonflikt, ETA, RAF). Der Rechtsstaat an sich wird gelobt, obwohl Brigitte Mohnhaupt nie öffentlich Reue gezeigt habe.

Porsche: Über die Erhöhung der Anteile an Volkswagen wird anhaltend berichtet (LE MONDE, LA CROIX). "Das Großunternehmen Volkswagen wird unter den schützenden Mantel der Dynastie Porsche gleiten" (LA CROIX).

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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Zeitungen aus Frankreich, 30.03.2007

Alle Zeitungen widmen sich dem nationalen Wahlkampf, Hauptthemen sind hierbei innere Sicherheit und Arbeitsmarkt. Auch im innenpolitischen Teil aller Zeitungen dominiert der Wahlkampf und verdrängt andere Themen. Es geht weiterhin vorwiegend um innere Sicherheit, alle Kandidaten bemühen sich um Schärfung ihres Profils.

Französische Zeitungen, 29.03.2007

Alle Zeitungen widmen sich reich bebildert den gewalttätigen Ausschreitungen am Bahnhof "Gare du Nord" am 27.03. Innenpolitik macht heute ohnehin ca.70-80% der Berichterstattung aus, meist Wahlkampfthemen, besonders prominent eben "Gare du Nord" und Diskussion über innere Sicherheit.

Französischer Pressespiegel 28.03.2007

Thmenen in Frankreichs Zeitungen LE MONDE, LE FIGARO, LIBERATION, L HUMANITE, LA CROIX, LE PARISIEN, LES ECHOS

Französischer Pressespiegel 27.03.2007

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