Französischer Pressespiegel 22.03.2007

I. Überblick: Aufmacher

LE MONDE, LE FIGARO und LE PARISIEN beschäftigen sich auf der Titelseite mit Sorkozys Austritt aus der Regierung und Chiracs Unterstützung des UMP-Kandidaten. LES ECHOS titelt: Galileo, Glaubwürdigkeitstest für das industrielle Europa, und LIBERATION macht mit der heutigen Eröffnung des "Salon du Livre" auf.

II. Im Einzelnen

a) Innenpolitik

Besonders starker Niederschlag über die Bekanntgabe des Austritts von Sarkozy aus dem Amt des Innenministers und über seine Unterstützung durch Chirac. LE FIGARO sagt "Beschleunigung" der Wahlkampagne voraus. In mehreren Berichten wird in den verschiedenen Zeitungen über die "selbstverständliche" und "endlich bekannt gegebene" Unterstützung geschrieben.

LES ECHOS bringt im Rahmen der Sonderseiten "50 Jahre Römische Verträge" eine Umfrage zu den Auswirkungen der Verträge auf die Wirtschaft Frankreichs. Die "enormen" Veränderungen der damals noch sehr "landwirtschaftlichen und teils zentral gesteuerten Wirtschaft" werden aus verschiedenen Sichtweisen behandelt.

b) Internationales

In einem Meinungsartikel in LES ECHOS beschäftigt sich WTO-Chef Pascal Lamy mit der Zukunft Europas und fordert die Europäer auf, mehr Optimismus zu zeigen. Auch in diesem Beitrag, wird wie im gestern gebrachten Interview mit Mario Monti (vgl. Pressebericht vom 21.03.2007) von der "Schläfrigkeit" und der "Lethargie" Europas gesprochen, die allerdings überwindbar sei.

Fortsetzung der Sonderseite "50 Jahre Römische Verträge" in LES ECHOS. Heute werden die Umweltschutzmaßnahmen Europas zur Wasser-, Trinkwasser- und Luftsauberkeit gelobt. Die Kritik der NGOs (Non-Government-Organisations), Europa lasse sich zu sehr durch Lobbies beeinflussen, wird der Tatsache entgegengestellt, dass es sich bei den Standards Europas immer noch um die strengsten handelt. Im zweiten Bericht wird die Herabsetzung der Bankgebühren grenzüberschreitender Geschäfte gelobt. Im Interview lobt Jean-Claude Junker die Rolle Kohls und Mitterands für Europa. Er sagt, Europa fehlen zwar nicht die zwei Persönlichkeiten, aber doch deren europäisches Engagement und ihre Einsicht, dass nationaler Verzicht auf Egoismus für die Entwicklung Europas eine wichtige Rolle spiele.

Die Festnahme und anschließende Freilassung Otegis, Kopf der Batasuna, der politischen Hand der ETA, wird in einzelnen Berichten behandelt. Das "Katz und Mausspiel" Otegis und die anderen Vorfälle mit dem spanischen Gerichtswesen werden als Grund für die "sehr schwachen" Chancen einer Rückkehr Batasunas in das politische Leben gesehen. (LE FIGARO)

LIBERATION berichtet über den Abschied Blairs diesen Sommer und schreibt: "Tony Blair ist jemand, der den Mut hat, seine Überzeugungen zu vertreten, auch wenn sie ihn letztendlich ruinieren".

LE MONDE bringt eine kritische Analyse der VN-Blauhelm-Einsätze.

LES ECHOS und LE MONDE berichten über "die schwierige Rettung" des europäischen Satellitensystems Galileo. Die Probleme beim Voranschreiten des Projekts werden von LE MONDE vor allem beim Nationalismus der verschiedenen Beteiligten und bei der Vorherrschaft der Politik gegenüber der Wirtschaft gesehen. LES ECHOS hofft auf eine Verbesserung der Situation, auch bedingt durch die Feierlichkeiten "50 Jahre Römische Verträge" und kritisiert die sich "verschlimmernden" Verspätungen des Projekts. Jedes zusätzliche Problem gebe den Amerikanern und den Chinesen einen weiteren Vorsprung bei der Entwicklung ihrer eigenen Produkte. LE MONDE befürchtet bei weiteren Problemen von Galileo ein erneutes Bespiel für die europäischen Pannen.

c) Deutschland

Die teils sehr kritischen Reaktionen der Regierungen auf die Geheimhaltung des Textes der Berliner Erklärung wird von LE FIGARO beleuchtet. Das Gewicht und die Bedeutung des Textes verlange eine breitere Diskussion, Frankreich sei jedoch zufrieden mit dem Resultat. LES ECHOS meint, dass aufgrund der Unstimmigkeiten und der bereits erfolgten Textänderung bis zur letzten Minute über den Inhalt der Berliner Erklärung diskutiert werde. In einem Interview mit LES ECHOS sagt Jean-Claude Junker "unsere Bevölkerung erwartet nicht viel von der Erklärung" und hofft auf einen für alle verständlichen Text.

Mit der Frage: Ist der Koran in Deutschland wichtiger als das Bürgerliche Gesetzbuch? die verneint wird, beschäftigt sich LE FIGARO mit der Entwicklung eines Scheidungsfalles aus Frankfurt. Die verstrichene Zeit zwischen Antrag auf Scheidung und dem Richterwechsel (bisherige hatte mit Hinweis auf Koran Scheidung abgelehnt) wird als zu lange kritisiert, da nunmehr die 1-Jahres Frist fast verstrichen ist. Dieser Fall wird vom Korrespondenten als Beispiel für Integrationsprobleme dargestellt.

Mehrseitiger Bericht in LIBERATION über die Neuerscheinung von Norman Mailer "Adolf in kurzen Hosen", die vom Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee kommentiert wird.

d)Wirtschaft

LES ECHOS berichtet über die Anhörung des Total-Chefs Christophe de Margerie, dem Schmiergeldgeschäfte vorgeworfen werden, die zu einem wichtigen Gas-Vertrag mit dem Iran geführt haben sollen. Total stellte sich in der Vergangenheit häufig den Ermittlungen des Richters entgegen. LES ECHOS deutet ihre Position wie folgt: "Wenn Frankreich will, dass sein industrieller ‚Champion' in Afrikas oder dem Nahen Osten vertreten ist, so muss es akzeptieren, vor manchen Praktiken die Augen zu schließen."

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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