Französischer Pressespiegel 26.02.2007

I. Aufmacher und Überblick
Aufmacher

LE MONDE titelt " Sarkozy macht Ordnung und Autorität zu seinen obersten Prioritäten". LE FIGARO titelt "Le Pen verhärtet den Ton". LIBERATION titelt "Moslems - Sarkozy auf Stimmenfang". L'HUMANITE titelt zu Airbus: "Die Beschäftigten wollen nicht verschleudert werden". LA CROIX titelt "Der ruhige Kurs von Bayrou". LE PARISIEN titelt "Die neue terroristische Bedrohung".

Überblick:

Frankreich:

Wahlkampfberichterstattung heute mit 4 Schwerpunkten: a) Sarkozy bemühe sich um Stimmen der ihm gegenüber kritischen Einwanderer- und Vorstadtbevölkerung
b) Frau Royal gelinge es, Fabius (als Repräsentanten der fundamentalen Sozialisten und Gegner der EU-Verfassung) einzubeziehen
c) Bayrou als weiterhin im Aufwind befindlicher Dritter (17% nach letzter Umfrage)
d) Le Pen stellt isolationistisches Wahlprogramm vor und wirbt um Wähler, die traditionell links gewählt haben.

Deutschland/Polen:

LE FIGARO berichtet in seiner Europarubrik darüber, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen im Moment belastet seien.

Iran:

Auch heute berichten die Blätter über das iranische Nuklearprogramm Verhältnis LE MONDE befasst sich erneut mit der militärischen Option der USA, aber auch mit der Möglichkeit, dass eine diplomatische Lösung gefunden wird. Die Stimmung auf den Straßen in Teheran sei trotz der Möglichkeit eines Krieges ruhig.

II. Im Einzelnen

Sarkozy und sein Wahlkampf im Banlieu und mit den Moslems

Innenpolitisch beschäftigen sich die Zeitungen heute mit den vier wichtigsten Präsidentschaftskandidaten. LE MONDE berichtet über den Wahlkampf Sarkozys in Perpignan. Es sei für Sarkozy noch ein weiter Weg, bis er wieder zu den Menschen in den Banlieu Kontakt finden werde. Auch LIBERATION greift die auf. Das Blatt nennt den Besuch Sarkozys in Perpignan eine "kurze Eskapade". Sarkozy mangle es an echtem Verständnis für die Menschen in den Banlieu. Er gehe dort nur auf Stimmenfang. Er sei außerdem mindestens ebenso undurchsichtig wie Royal, da er einerseits dieselben Thesen wie Le Pen vertrete, andererseits aber auch positive Diskriminierung befürworte. Er widerspräche sich ständig (Kritik der Moslems auf TF1 wegen Schächten von Lämmern in ihren Wohnungen, andererseits der Besuch in Perpignan. Er sei einfach nur pragmatisch. Der Besuch wird gleichfalls von L'HUMANITE aufgegriffen und ebenso bewertet.

Le Pen

LE MONDE berichtet über Proteste gegen die FN Versammlung in Lille. Deutschland sei im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die in dem Zusammenhang veranstaltet wurde, dafür gelobt worden, energischer gegen die NPD vorzugehen als Frankreich gegen die FN. LE FIGARO berichtet über das Programm Le Pens. Er habe sich nicht verändert, sei noch genauso politisch unkorrekt und nicht achtbarer als zuvor. Man könne auch nicht einschätzen, wie das Wahlergebnis für Le Pen aussehen werde. Es gäbe nicht viel Unterschied zu der Wahl im Jahr 2002. Damals habe man mit dem Ergebnis auch nicht gerechnet. Auch LA CROIX schenkt dem Programm Le Pens viel Beachtung und meint, dass er noch keines seiner Programme derartig sorgfältig gewesen sei. Sie heben dabei insbesondere hervor, dass Le Pen "den Finanzkapitalismus" gewaltig kritisiert habe.

Royal

LE FIGARO berichtet, dass es zwischen Royal und Fabius eine Annäherung zu geben scheint. Dies ist auch Thema bei LIBERATION. LA CROIX berichtet über die neuen Nominierungen im Wahlkampfteam Royals und meint, dass dies zeige, dass die Kandidatin sich bewusst geworden sei, wie schlecht organisiert ihr Vorgehen sei.

Bayrou

LA CROIX berichtet ausführlich über Bayrou. Es könne vielleicht tatsächlich zu einem Wahlsieg von Bayrou kommen. Er könne jetzt 17% der Stimmen auf sich vereinigen, dies sei sein bestes Ergebnis in diesem Wahlkampf.

L'HUMANITE sind alle drei Männer gleich suspekt. Zwischen Bayrou, Le Pen und Sarkozy gäbe es keinen Unterschied.

Airbus

LE MONDE fasst das Treffen zwischen Merkel und Chirac in Meseburg zusammen, wobei das Blatt detailliert wiedergibt, wie die Bundeskanzlerin sich geäußert hat. Insbesondere, dass es Recht der EADS sei, ihre Entscheidungen selbst zu treffen und das sich die Politik dabei raushalten werde. Auch Glos und Müntefering werden zitiert. LE FIGARO berichtet im Wirtschaftsteil. Die Erklärungen von Merkel und Chirac seien in Frankreich und Deutschland jeweils anders aufgefasst worden. Frankreich sei enttäuscht, Deutschland zufrieden. Die Gewerkschaften der beiden Länder hätten die Aussagen der Staatschefs jeweils anders analysiert. Das Blatt zitiert auch den Satz des Bundeswirtschaftsministers Glos im Interview mit dem Spiegel, dass Airbus ohne die Deutschen nicht existieren würde. Auch von der Drohung des Bundeswirtschaftsministers, Aufträge zurückzuziehen, wird berichtet und dass Deutschland erwarte, ebensoviel zu bekommen wie Frankreich und nicht die Rolle eines Juniorpartners übernehmen werde. LA CROIX analysiert die Gründe für Differenzen zwischen Deutschland und Frankreich und identifiziert die deutsche Sorge, dass sich Frankreich allein auf die Produktion der neuen leichteren Materialien stürzen wird und deshalb die Fabriken in Deutschland geschlossen werden müssen. Der Ton wird in den Blättern insgesamt jedoch sachlicher. Keine Polemik mehr wie noch in der letzten Woche.

Deutschland/Polen

Langer Bericht in LE FIGARO über die deutsch-polnischen Beziehungen. Die Kaczynkis würden die Versöhnung in Frage stellen. LE FIGARO hält die Spannungen für tief und meint, dies sei insbesondere deshalb unverständlich, weil sich Deutschland in den achtziger Jahren sehr für die Reformen in Polen eingesetzt und später auch den Eintritt Polens in die EU unterstützt habe.

Einwanderung

LE FIGARO berichtet ausführlich über die Einwanderung aus mitteleuropäischen EU-Staaten nach Frankreich. Im FIGARO eine ganze Seite Berichterstattung über die Einwanderung aus den neu beigetretenen EU-Staaten nach Frankreich. Die Berichte bleiben um Nüchternheit bemüht, beschreiben die rechtliche Lage und resümieren, der Effekt sei in Frankreich sehr begrenzt. (1.000 dauerhafte Arbeitserlaubnisse, 9.000 saisonale, im 2. Halbjahr 2006 während in Italien und Großbritannien die Zahlen in den hundersttausenden lägen. (FIGARO: …man könnte fast glauben, dass Frankreich weniger attraktiv sei…) Zur Schwarzarbeit schätze der Pfarrer der polnisch katholischen Gemeinde St. Honoré, dass von den 12.000 in Frankreich lebenden Polen ca. 40-50% unter anderem von Schwarzarbeit leben.

Iran

Berichte in LE FIGARO über den Fortgang im Iran Nuklear Dossier: Aus Teheran dringen nach allen Angaben unterschiedliche Signale. Es gäbe gemäßigte (Rafsandschani/Velayati) und prinzipienfeste (Ahmadinedschad) Stimmen. Zusätzlich lasse die Freilassung des französischen Bootsskippers Lherbier aufmerken, der mit einem Deutschen in Haft gewesen sei. Der Deutsche sei nicht freigelassen worden. Die Blätter berichten, dass die USA die militärische Option ausdrücklich auf dem Tisch ließen. Die Blätter vermitteln insgesamt jedoch den Eindruck, dass eine diplomatische Lösung noch möglich sei. LA CROIX berichtet über das Treffen in London und stellt die Position des Iran heraus, dass sie nicht davon abrücken werden, sich der friedlichen Nutzung der Kernkraft zu bedienen.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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