Französischer Pressespiegel 22.12.2006

I. Übersicht

Das Aufmacherbild ist erneut uneinheitlich; allerdings entstammen alle Artikel mit Ausnahme von LA CROIX, die zum zweiten Jahrestag der Tsunami-Katastrophe vom 26.12.04  titelt, dem innerfranzösischen Bereich. LE MONDE et L'HUMANITE wählen Themen aus dem französischen Wahlkampf ("Ségolène Royal führt ihren Wahlkampf mit Distanz zur PS" und "Marie-George Buffet - Grünes Licht für ihren Eintritt in den Wahlkampf"). LE FIGARO öffnet mit einem Bericht zur gestrigen Zeugenaussage Premierminister Villepins. LIBERATION wählt die vermehrte Abschiebung illegaler Einwanderer zum Jahresende als Titelthema. LES ECHOS berichtet über das im Vergleich zum Vorjahr leicht verringerte Weihnachtsbudget der Franzosen, LE PARISIEN macht mit einer Reportage anlässlich eines Totschlags unter Schülern an einem Collège auf.

Die Einzelthemen sind weiterhin breit gestreut.

Irak
LE MONDE und LE FIGARO berichten ausführlich zu den Plänen Präsident Bushs, weitere Truppen in den Irak zu entsenden.

IRAN
LE MONDE berichtet von den Plänen des UN-Sicherheitsrates, Sanktionen gegen den Iran einzuleiten. Ein wichtiger Gesichtspunkt bleibe dabei das Vetorecht Russlands. FIGARO ist der Ansicht, dass Moskau den roten Faden der Verhandlungen vorgebe. Dieser sehe Sanktionen vor, die keine Bestrafung seien. Frankreich, Großbritannien und Deutschland hätten in diesem Kontext bereits auf ihr Vorhaben eines Ausreiseverbotes verzichtet, um Moskau zu gefallen. Es dürfe nicht weiter Zeit vergeudet werden.

LIBERATION veröffentlicht vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses der iranischen Kommunalwahlen ein Porträt des Präsidenten Ahmadinejad, der sich von jeher volksnah gebe.

Naher Osten
Die Lage im Gazasteifen wird weiterhin beobachtet. LE MONDE fokussiert die Auseinandersetzungen auf familiärer Ebene. Ein Bürgerkrieg werde von vielen Palästinensern als unwahrscheinlich angesehen, da die Anhänger von Hamas und Fatah oft aus der gleichen Familie stammten und die Familienbande Vorrang vor politischen Überzeugungen genössen. LES ECHOS berichtet von den friedensstiftenden Erklärungen Abbas und Haniyehs der letzten Tage.

Tod Niazows
Der Tod des Turkmenischen Präsidenten Niazow wird von allen Blättern behandelt. Neben der Darlegung des exzentrischen Lebens- und Regierungsstils des Diktators wird die desolate soziale Lage des Landes beleuchtet und das verbleibende Machtvakuum thematisiert. LIBERATION vermutet, dass Russland auf die Vorherrschaft im Land spekuliere, da Turkmenistan eine strategisch günstige geografische Lage habe und Russland der Hauptabnehmer des turkmenischen Erdgases sei.

Wirtschaft

LE MONDE widmet einen einseitigen Bericht den großen deutschen Korruptionsfällen der vergangen Monate. Die Aufklärungsrate von Korruptionsfällen in Deutschland liege bei 5%. Auch die öffentliche Meinung in Deutschland tendiere dazu, von einem hohen Niveau der Korruption auszugehen (46% der Befragten), die als verbreitet angesehen werde als in Frankreich. Das Thema finde sich auch verstärkt in der deutschen Presse, in der das Bild Deutschlands als "Bananenrepublik" auftauche. Und obwohl große Unternehmen vermehrt Mechanismen zur Bekämpfung der Korruption einsetzten, schienen viele Verantwortliche das Problem noch auf die leichte Schulter zu nehmen.

LE FIGARO beschäftigt sich in einem Dossier mit dem internationalen Kunstmarkt, der seit jeher ein Barometer für die Weltwirtschaft sei, und der zurzeit blühe.

LIBERATION berichtet über die Internet-Suchmaschine "Quaero", deren Entwicklung die führende Stellung der Amerikaner auf diesem Gebiet brechen solle. Von der Politik als deutsch-französisches Projekt propagiert, sei Quaero jedoch tatsächlich rein französisch. Deutschland arbeite hingegen an dem Projekt "Theseus".

EU

LE MONDE und LES ECHOS berichten über die Festsetzung der Fischereiquoten für das Jahr 2007.

Frankreich intern:

Alle Blätter widmen sich der gestrigen Vernehmung Villepins als Zeuge in der Clearstream-Affäre.

II Wichtige Themen im Einzelnen

a) Irak

LE MONDE und LE FIGARO berichten weiterhin ausführlich zu den Plänen Präsident Bushs, weitere Truppen in den Irak zu entsenden, obwohl dieses Vorhaben in Kontrast zur öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten stehe. Der Präsident scheine dem allgemein mit Zustimmung aufgenommenen Bericht der Baker-Kommission nicht im Geringsten zu berücksichtigen und genauso wenig von einer Diskussion mit Iran und Syrien zu halten. LE MONDE berichtet, dass Bush die Vorschläge Bakers als veraltet, d.h. der gegenwärtigen Lage im Mittleren Osten und der Mission der Vereinigten Staaten nicht angemessen ansehe. Es sei also Stand der Dinge, dass Bush seinen politischen Kurs seit dem 11. September 2001 und dem Sturz Saddam Husseins trotz der Rückschläge in Kabul und Bagdad, trotz Libanonkrieg und trotz israelisch-palästinensischer Sackgasse, unverändert fortsetzen wolle.

b) EU-Präsidentschaft

LE MONDE setzt sich mit der deutschen Ratspräsidentschaft auseinander und bewertet Angela Merkels Vorgehen als vorsichtig, aber ehrgeizig. Obwohl das gesellschaftliche Klima in Europa und insbesondere in Deutschland für ein Vorantreiben der Entwicklung der EU ungünstig sei, halte sie am Projekt einer europäischen Verfassung fest. Das Blatt hält Bundeskanzlerin Merkel aufgrund ihrer Entschlossenheit durchaus für fähig, dieses voranzutreiben. Auch LA CROIX veröffentlicht einen Artikel zur Debatte über die Europäische Verfassung. Dabei wird der Vorschlag Sarkozys, einen Mini-Vertrag zu verabschieden, aufgegriffen, und der Forderung der CDU nach einem Grundrecht-Katalog gegenübergestellt. Das Blatt zitiert abschließend vom Oktober 2006 datierende Umfrageergebnisse, wonach derzeit 56% der Franzosen einer europäischen Verfassung positiv gegenüberstehen. L'HUMANITE interviewt den Politiker der PS Benoît Hamon, der die Idee einer europäischen Verfassung als tot ansieht. Deutschland müsse eine Lösung zur Reform der europäischen Institutionen vorbereiten, Frankreich sie während seiner Präsidentschaft in 2008 zu Ende bringen.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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Französischer Pressespiegel 22.12.2006

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Die Mehrheit der Aufmacher thematisiert den französischen Wahlkampf: LE MONDE ("Nicolas Sarkozy parle à 'la France qui souffre'") und L'HUMANITE greifen das Wahlversprechen Sarkozys auf, gegen ...

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