Französischer Pressespiegel 21.12.2006

I. Übersicht

Heute machen die Zeitungen mit völlig verschiedenen Themen aus dem nationalen und internationalen Bereich auf:

LE MONDE titelt zur Interview Bush vom 19.12..
LE FIGARO beginnt mit einem Artikel, der die Finanzierung des Bürgerkrieges im Irak durch Rohölschmuggel zum Gegenstand hat.
LA CROIX beschäftigt sich intensiv mit der Frage der Nachfolge Putins und titelt entsprechend.
LIBERATION widmet seine gesamte erste Seite dem Thema der Bonuszahlungen zum Jahresende, die Investmentbanken ihren Führungskräften zahlen und die dieses Jahr alle Rekorde brechen.
L'HUMANITE ruft alle jungen Franzosen auf, sich auf den Wählerlisten einzuschreiben.
LE PARISIEN titelt angesichts des Themas der Wohnungsknappheit " Leben auf dem Campingplatz".
LES ECHOS macht mit einem Artikel zu einem Gesetzesentwurf bez. eines neuen Ladenschlussgesetzes auf.

Internationale Themen:

Interview Bundesaußenminister Steinmeier
LE MONDE veröffentlicht das Interview mit Bundesaußenminister Steinmeier zu Fragen der EU-Ratspräsidentschaft und zu Polen-Beziehungen.

Libysches Gerichtsurteil
Das am Dienstag ergangene Urteil ist auch weiterhin Gegenstand der Berichterstattung.

Gazastreifen
LE MONDE, LE FIGARO und LIBERATION berichten weiterhin ausführlich über die Lage im Nahen Osten und beklagen dabei ausdrücklich die Brutalität und Rücksichtslosigkeit der Auseinandersetzungen.

Irak
Bezüglich des Irak sind heute zwei Themen Gegenstand der Berichterstattung: Die Pläne Präsident Bushs, weitere Truppen zu entsenden, und der blühende Schwarzmarkt mit Rohöl.

Iran
LIBERATION veröffentlicht einen Namensartikel des israelischen Botschafters in Frankreich. Dieser ruft die internationale Gemeinschaft auf, die Bedrohung durch den Iran endlich ernst zu nehmen und zu handeln - nicht auf militärischem Weg, sondern durch Ächtung des Landes, durch den Abbruch jeglicher Beziehungen.

Wirtschaft:

Gazprom
LE MONDE berichtet über die Verlängerung des bestehenden Vertrages bis 2030 über die Lieferung von Erdgas via Pipeline aus Russland. Der Verkauf von Gas sei für Russland mehr und mehr zu einer strategischen Waffe geworden, durch die es zu unentgeltlichen Gegenleistungen drängen könnte. Angesprochen wird vor diesem Hintergrund der neue eventuelle "Gaskrieg" mit Weißrussland.

Deutschland:

Klage der Preußischen Treuhand
LE FIGARO berichtet über die Klagen der Preußischen Treuhand und befürchtet, dass diese neue Unstimmigkeit der Unterstützung der Präsidentschaft Angela Merkels durch die östlichen Länder Abbruch tun könnte.
LE FIGARO thematisiert in seinem Wirtschaftsteil die Forderungen der deutschen Gewerkschaften nach einer Anhebung der Löhne.
LA TRIBUNE beschäftigt sich mit den Schwierigkeiten Deutscher Arbeitsloser, trotz staatlicher Maßnahmen wieder eine Anstellung zu finden, und zeigt dieses Thema als Aufgabe der Großen Koalition für 2007 auf.

II. Wichtige Themen im Einzelnen

Libysches Gerichtsurteil

LE MONDE setzt sich intensiv mit dem Todesurteil vom vergangenen Dienstag auseinander und berichtet, dass dessen Vollstreckung in diplomatischen Kreisen als unwahrscheinlich angesehen werde. Dies zeige sich schon an den Aussagen des libyschen Außen- und des Justizministers, wonach das Urteil noch nicht endgültig sei. Weiterhin werden die Konsequenzen für die Beziehungen Libyens zur EU dargestellt. Bisher habe Tripolis mit der EU, insbesondere mit Italien, zusammengearbeitet, um die illegale Einwanderung so genannter "boat people" zu bekämpfen. Diese Politik der Annährung und Normalisierung, die auch auf internationaler Ebene verfolgt wurde, könnte durch das Urteil zunichte gemacht werden. Mit dem Prozess gegen die Bulgarierinnen und den Palästinenser habe Tripolis nämlich mit einem Spiel begonnen, dass große Ähnlichkeit mit einer Erpressung habe. Es sei doch erstaunlich, dass das für die Kinder geforderte Schmerzensgeld genau der Summe entspreche, die als Schadensersatz wegen des Flugzeugattentats von Lockerbie an die 270 Opfer gezahlt worden sei. Die Zahlung eines solchen Schmerzensgeldes könnte auch die Abwicklung des Prozesses deutlich beschleunigen, denn die betroffenen Familien könnten nach einer solchen einer Begnadigung zustimmen. Alles in allem habe sich General Kadhafi jedoch bei seinem Spiel mit dem Feuer gehörig die Finger verbrannt und müsse zusehen, möglichst schnell einen glimpflichen Ausgang der Affäre herbeizuführen.

Gazastreifen

LE MONDE berichtet weiter über die Lage im Nahen Osten und kritisiert die Brutalität der Auseinandersetzungen, die selbst vor Schüssen auf Kinder keinen Halt mache. LE FIGARO und LIBERATION greifen dieses Thema ebenso auf. LE FIGARO berichtet über die schweigende Mehrheit im Gazastreifen, die weder Hamas noch Fatah unterstützt, sondern sich nur ihrem Familienclan zugehörig fühlt. Mangels einer organisierten Zivilgesellschaft könnten diese Bevölkerungsteile ihre Ablehnung der Auseinandersetzungen aber nicht öffentlich kundtun. Weiterhin thematisiert LE FIGARO das gestern erschienene Video des Al-Quaida Führers Ayman al-Zawahiri, der die palästinensische islamische Bewegung scharf kritisiert. Allerdings hätten sich Al-Quaida und die palästinensischen Islamisten nie besonders nahe gestanden, letztere hätten immer Abstand gehalten, um zum einen nicht noch die letzten verbleibenden internationalen Beziehungen völlig zu zerstören, und weil sie nicht wollen, dass Al-Quaida die Lorbeeren ihres Kampfes gegen Israel erntet.

Irak

Heute zwei Themen:
Zum einen die Pläne Präsident Bushs, weitere Truppen in den Irak zu schicken, und sein Eingeständnis, dass die Vereinigten Staaten diesen Krieg nicht gewinnen. LE MONDE thematisiert in diesem Zusammenhang eine mutmaßliche Kampfmüdigkeit der amerikanischen Truppen.
Zum anderen beleuchtet LE FIGARO ausführlich die gegenwärtige innere Lage im Irak in Hinblick auf den blühenden Schwarzmarkt mit Rohöl. Da sämtliche internen Strukturen des Landes weg gebrochen seien oder sich im Zerfall befänden, könnten täglich 350.000 Fässer über den Schwarzmarkt in die Nachbarländer geschmuggelt werden. Drahtzieher des Handels seien sowohl Rebellen, die auf diese Weise ihre Waffen finanzieren, als auch korrupte Staatsangestellte. Insgesamt sei der neue irakische "Nationalsport" auch Ausdruck eines Misstrauens der Iraker in die gegenwärtige staatliche Ordnung, so zitiert das Blatt einen Experten.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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