Alles anzeigen: August 2006

Französischer Pressespiegel 26.08.2006

1. Überblick

Am Wochenende spielt die Berichterstattung über den UNIFIL-Beitrag der Mitgliedsstaaten der EU eine große Rolle. Insgesamt sehr positiver Niederschlag zum Komplex Blaesheim-UNIFIL: Deutsch-französisches-Paar am Puls der Zeit und in Aktion, engagierte EU.
Übereinstimmender Kommentartenor: Begrüßenswerte Zurückmeldung der EU als wichtiger Akteur zur Bewältigung der Krise.
Die Berichterstattung zum Blaesheim-Treffen von Bundeskanzlerin und Staatspräsident Chirac am 25.08. fehlt ebenfalls nicht, verbreitet mit Bildern; sie wird jedoch von allen in den Kontext der damit maßgeblich mit vorbereiteten UNIFIL-Entscheidungen gestellt. Eigenständiges Element der Berichterstattung zum deutsch-französischen Treffen ist die Kranzniederlegung am de-Gaulle-Denkmal (meist mit Bild). Nur das Editorial von LE MONDE in der Ausgabe vom 27.08. beschäftigt sich in diesem Zusammenhang allein mit den deutsch-französischen Beziehungen, die es auf gutem Wege sieht. Es betont die Bedeutung von Symbolen - in diesem Falle der gemeinsamen Kranzniederlegung am de Gaulle-Denkmal am 62. Jahrestag der Befreiung von Paris von der deutschen Besatzung - im deutsch-französischen Verhältnis, weil nur so auch jüngere Generationen erkennten, wie wichtig die anhaltende Pflege dieser Pflanze sei und ihr Gedeihen keine Selbstverständlichkeit. Die Kranzniederlegung vom 25.08.2006 wird von der Zeitung in eine Linie gestellt mit den Symbolen Kohl-Mitterrand 1984 in Verdun, dem Défilé deutscher Eurokorps-Einheiten auf den Champs-Élysées 1994 und der Anwesenheit Bundeskanzler Schröders 60 Jahre nach der alliierten Landung in der Normandie 2004.

Am 28.08. dagegen wird alles Andere von den Ereignissen bei der Sommerkonferenz der Sozialistischen Partei ( PS) in La Rochelle in den Schatten gestellt. Praktisch überall außer in den Wirtschaftsblättern ist das Aufmacherthema, auch schon im "Journal du Dimanche" vom 27. August. Es geht natürlich um die Positionierung der möglichen Präsidentschaftskandidaten; was Titelfotos angeht, hat Lionel Jospin den Vogel abgeschossen - sein Auftritt mit der offenbar bewegten und auch die anwesenden Jungen Sozialisten bewegenden Schilderung des 21.04.2002 bringt ihm höchste Aufmerksamkeit. Unabhängig vom Auftreten und der Wirkung Jospins ist das durchgehende Thema das Übergewicht oder doch der massive "Angriff der Elefanten" (damit werden die Konkurrenten Jospin, Fabius, Lang, Strauss-Kahn, mitunter auch Francois Hollande zusammengefasst) auf Ségolène Royal. Die politische Konservative hat diese für sie günstige Konstellation bereits aufgegriffen (Vorwurf, im PS gingen persönliche Ambitionen und Eitelkeiten dem sachlich Erforderlichen vor), überall Berichte.

International bleibt das Thema Libanon-UNIFIL an zahlreichen Berichten (am 28.08. aber nicht mehr in allen Zeitungen) zu folgenden Aspekten präsent: Erste Verlegungen schon in dieser Woche; "Was muss nun geschehené"; Auflistung der zu lösenden Probleme bzw. Aufgaben, vor denen die libanesischen Streitkräfte und die UNIFIL stehen werden, dabei starke Beachtung der syrischen Stellungnahmen, in denen eine Stationierung internationaler Elemente an der syrisch-libanesischen Grenze unter der Drohung abgelehnt worden sei, man werde sonst u. A. die Stromlieferungen aus Syrien in den Libanon beenden.

Wichtigstes Thema danach wieder der Iran: In dieser Woche bevorstehender Zwischenbericht an den Sicherheitsrat über die Einstellung der Anreicherungsaktivitäten. Ein Auftritt Ahmadinejads am Wochenende, bei dem er die iranische Schwerwasserproduktion feierlich eingeweiht habe, wird unterschiedlich analysiert, überwiegend aber als "Herausforderung".

Ferner: Kriegerische Auseinandersetzungen in Gaza gehen weiter.

Auf den Wirtschaftsseiten und in den Wirtschaftszeitungen sehr stark beachtet: Ankündigung einer Fusion zwischen den italienischen Banken Banca Intesa und Sanpaolo IMP.

Deutschland: Verbreitet Aufmerksamkeit für die Serie von Festnahmen im Zugbomben-Fall, auch Hintergrundanalysen. Alfred Grosser mit einem Gastbeitrag zum Waffen-SS-Eingeständnis von Günter Grass in LIBÉRATION. In LA CROIX eine Betrachtung von Henrik Uterwedde über "Die Krise der christlichen Presse in Deutschland".

2. Wichtiges im Einzelnen

Libanon - UNIFIL plus

Nach der praktisch einhellig positiven Reaktion auf die Entscheidungen in Paris und Brüssel vom 24. und 25.08. am Wochenende (durchaus repräsentativ der Aufmacher von LE MONDE: " Europa ganz vorne im Libanon"; die Berichterstattung über dieses Thema umfasst in allen Blättern die über das Blaesheim-Treffen am 25.08., das weitgehend in diesen Kontext gestellt wird) mischen sich am Montag doch auch wieder nachdenkliche Stimmen über die Erfolgschancen von UNIFIL plus in die Kommentare. Verbreitet finden die Bemerkungen des französischen Staatspräsidenten bei der Blaesheim-Pressekonferenz Beachtung, die Zahl von 15.000 Soldaten bei UNIFIL plus zusätzlich zu 15.000 der libanesischen Streitkräfte habe er von Anfang an für übertrieben gehalten. ("Das könnte ein Gedränge geben.") Stark beachtet auch der von beiden lancierte Appell zur Aufhebung der israelischen Seeblockade vor der südlibanesischen Küste.

FIGARO weist am Montag darauf hin, dass selbst bei einer einvernehmlichen Festlegung klarer "Rules of Engagement" der zugrunde liegende Konflikt ungelöst bleibt, ja nicht einmal erkennbar sei, welches das Ergebnis des jüngsten Waffengangs gewesen ist, folglich alle Seiten ein fortbestehendes Interesse an der "Definition" dieses Ergebnisses behielten. In dieser Lage könne die UNIFIL, verstärkt oder nicht, wie die bisherige nur Vorkommnisse auflisten und dabei sehr leicht zwischen die Linien geraten. "Wenn die Mission gelingen soll, braucht die Friedenstruppe mindestens das stillschweigende Einverständnis aus Teheran und Damaskus." Ob dies diplomatisch überhaupt angestrebt werde, sei angesichts u. A des französisch-syrischen Verhältnisses mehr als ungewiss.

Iran

FIGARO mit einer unentschiedenen Analyse der iranischen Politik. Zwar sei der Auftritt Ahmadinejads bei der Schwerwasserproduktionsanlage herausfordernd gehalten gewesen. Andererseits habe er erstmals versöhnlichere Töne gegenüber Israel angeschlagen. Der Korrespondent wirft die Frage auf, ob Iran von der Überschätzung seiner Möglichkeiten nicht über Gebühr profitiere. Seine Anreicherungskapazitäten könnten bestenfalls in zehn Jahren ausreichen, um Nuklearwaffen herzustellen, und auch die erste friedliche Nutzung der Kernenergie sei ihm vor 2009 nicht möglich.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)


Alles anzeigen: August 2006