Alles anzeigen: August 2006

Französische Zeitungen 14.08.2006

Dominierendes Thema: Der Waffenstillstand im Nahen Osten auf der Basis der VN-Sicherheitsrat-Resolution 1701. In den Zeitungen überall gespannte Erwartung, ob er eingehalten werden wird, entsprechend, mit ständiger Aktualisierung, die audiovisuellen Medien am Morgen des 14.08.

Kein auch nur ansatzweise ähnlich prominentes Thema (Wirtschaftsblatt LES ECHOS macht allerdings mit den positiven Ankündigungen zum französischen Wirtschaftswachstum auf, die das französische Finanzministerium am Samstag gemacht hatte und die durch heute erschienene Statistiken für den Euro-Raum bestätigt würden). LIBÉRATION widmet sich aus aktuellem Anlass breit der Aids-Seuche weltweit. Ferner weitere Berichte zu der Entschärfung der Terroranschläge in Großbritannien. Aus Deutschland berichten FIGARO und LIBÉRATION, Günter Grass habe in einem Interview gesagt, er sei gegen Ende des Krieges in die Waffen-SS eingezogen worden.

Wichtiges im Einzelnen

Libanon

Neben Berichterstattung über die Lage vor Ort sind die behandelten Gegenstände in diesem Zusammenhang: a) Kann die Resolution 1701 Erfolg haben? b) Sofort entbrannte Diskussion in Israel über Sinn und Unsinn der Operation und über die Regierungsqualitäten Ehud Olmerts und c) Situation der Hisbollah. Etwas nachrangig wird auch über den Bericht des NEW YORKER spekuliert, der sich mit der engen Zusammenarbeit US-amerikanischen Militärs mit den israelischen während der Auseinandersetzungen und mit der politischen Spekulation befasst, dies sei nur der Auftakt zum amerikanischen bewaffneten Vorgehen gegen die Nuklearaktivitäten des Iran. FIGARO kommentiert auch breit, wie wichtig die französische Rolle beim Zustandekommen der Resolution 1701 gewesen sei, besonders die Äußerungen des Staatspräsidenten am 9. August.
LIBÉRATION kritisch zu 1701: "Die Glaubwürdigkeit der Resolution 1701 ist besonders dünn an ihrer wichtigsten Stelle, an der es um die Entwaffnung der Hisbollah geht. Während sich die französischen Streitkräfte schon darauf vorbereiten, sich an etwas zu beteiligen, bei dem alles darauf hindeutet, dass zu einem Morast wird, muss man feststellen: Die Internationale Gemeinschaft hat kein Recht, hier Fehler zu machen."
FIGARO zur Lage der Hisbollah (nach der Feststellung, die relative Behauptung ihrer Position gegenüber Israel habe an dem Ruf der Unbesiegbarkeit der israelische n Streitkräfte genagt): "Trotz des Achtungserfolges auf der 'arabischen Straße', die der Hisbollah ihre Hartnäckigkeit gegenüber den israelischen Streitkräften eingebracht hat, sieht sie sich auf der libanesischen Szene vor einer deutlich komplizierteren Lage als vor einem Monat. Die Bemühungen Nasrallahs, seine Bewegung als Teil des nationalen Widerstandes hinzustellen - trotz des israelischen Rückzuges von libanesischem Territorium -, die so weit gingen, die Frage der Chebaa-Farmen für lebenswichtig für den Libanon zu erklären, so dass die bewaffnete Stationierung seiner Bewegung unerlässlich sei, sind total gescheitert. Die Frage nach der bewaffneten Präsenz der Hisbollah, schon nach dem syrischen Abzug aus dem Libanon im vorigen Jahr gestellt, wird wieder, und zwar in verschärfter Form, gestellt." (Allerdings konträre Einschätzung im Editorial, gezeichnet von einem Mitglied der Pariser Zentralredaktion, der die Popularität der Hisbollah unter der libanesischen Bevölkerung gestärkt sieht).
LA CROIX hebt im Leitartikel hervor, dass es ein Erfolg sei, die USA so engagiert an der Willensbildung der VN beteiligt zu sehen, "als eine Macht, die doch so häufig alleine handelt". Allerdings auch in diesem Blatt: "Das Schwierigste kommt erst noch, zuerst damit, dass die Resolution auch verwirklicht werden muss (die Geschichte der VN ist voller Texte, die Makulatur geblieben sind!)."

Günter Grass in seiner Jugend Rekrut der Waffen-SS 

FIGARO zeichnet die Mediendiskussion in Deutschland nach. Die belastenden Stimmen, die dazu aus Deutschland zitiert werden, überwiegen dabei. Die Waffen-SS wird als (vom FIGARO selbst) "Furcht einflößende Elite-Einheit des Nazi-Regimes" bezeichnet. Allerdings sei weniger seine Zugehörigkeit zu dieser Einheit, bei der er nach eigenem Bekunden keinen einzigen Schuss abgegeben habe, als vielmehr das späte Eingeständnis Gegenstand der Diskussion. Die Glaubwürdigkeit früherer Stellungnahmen von Grass zugunsten von Literaturwissenschaftlern, die der NSDAP angehört hatten, werde nunmehr in Deutschland hinterfragt. es werde gefragt, wieso er so viele Gelegenheiten zu sprechen habe verstreichen lassen, z. B. den Besuch von Ronald Reagan 1984 auf dem Kriegsgräberfeld in Bitburg, wo auch Waffen-SS bestattet sei. Seine Stellung als "Gewissen der Nation" sei beschädigt. Auch LIBÉRATION berichtet und analysiert, mit mehr Details aus dem Interview und insgesamt nüchterner.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)


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