VIII.) Wertung von Angeboten

Fünf Tage vor Sitzungstermin wird die Vergabekommission einberufen. Die Beschlussfähigkeit ist gegeben, wenn mehr als die Hälfte der Mitglieder mit Stimmrecht anwesend sind. Der Eröffnungstermin erfolgt unter Ausschluss der
Öffentlichkeit. 

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Bei Bauleistungen unterhalb eines Schwellenwertes von 230.000,- EURO ist es grundsätzlich dem Öffentlichen Auftraggeber freigestellt, welches Vergabeverfahren er wählt, soweit er nur die drei fundamentalen Grundprinzipien (freien Zugang, Gleichberechtigung und Transparenz) beachtet. Er kann somit auch das angepasste Verfahren, bei welchem nur er den Vergabeprozess bestimmt, auswählen (dazu siehe später). Bei einem Überschreiten des Schwellenwertes von 230.000,- EURO (bzw. 150.000,- Euro bei Staatsaufträgen im Liefer- und Dienstleistungssektor) hat der Öffentliche Auftraggeber nur ein Wahlrecht hinsichtlich der vier europäischen Verfahrensarten (Offenes Vergabeverfahren, das Nichtoffene Vergabeverfahren, das Verhandlungsverfahren und den Wettbewerblichen Dialog).
Das gesamte Verfahren wird protokolliert. Der Öffentliche Auftraggeber legt grundsätzlich bereits in der Vergabebekanntmachung die Auswahlkriterien fest, die, wenn sie nicht durch den Code des Marchés Publics vorgesehen sind, durch den Vertragsgegenstand gerechtfertigt sein müssen. Mit der Veröffentlichung der Auswahlkriterien ist der Öffentliche Auftraggeber an seine Vorgaben gebunden. Die anschließende Eignungsprüfung wird strikt anhand dieser Kriterien beurteilt und der Zuschlag anhand der bekannt gegebenen Kriterien erteilt. Das Angebot geht bei dem Öffentlichen Auftraggeber grundsätzlich in zwei separaten und verschlossenen Umschlägen ein. Der erste Umschlag dient zur Eignungsprüfung, aufgrund dessen Bestehens der Öffentliche Auftraggeber über eine weitere Beteiligung entscheidet (Fachkunde, technische und finanzielle Leistungsfähigkeit). Der zweite Umschlag beinhaltet das eigentliche Angebot.

1.) Formelle Prüfung

Bei der Wertung der Angebote sind verspätet eingegangene Angebote und nicht unterschriebene Angebote zwingend auszuschließen.30 Angebote mit fehlenden Angaben können ausgeschlossen werden. Wenn fehlende Angaben nachgefordert werden, muss diese Möglichkeit allen Bietern eingeräumt werden. Das Angebot ist hierbei in französischer Sprache abzufassen, zu unterschreiben und sämtliche Seiten sind zu nummerieren. Das Angebot ist in der Form einer Verpflichtungserklärung abzufassen.

2.) Eignungsprüfung (capacités professionnelles, techniques et financières du candidat) - 1. Umschlag:
Bei der Auswahl des Unternehmens, welches den Öffentlichen Auftrag erhält, entscheidet die berufliche, technische und finanzielle Fachkunde (capacité professionnelle, technique, financière). Unter die berufliche Fachkunde fallen die Beschäftigungszahl, die Referenzen und die Fachkunde der Person, die hauptsächlich für die Vertragsausführung zuständig sein wird. Unter Technische Leistungsfähigkeit fallen die technische Ausstattung, der Kundendienst und die Qualitätskontrolle. Bei der Finanziellen Leistungsfähigkeit muss der Bewerber sein Einhalten der Steuerpflichten beweisen. Ferner muss nachgewiesen werden, dass der Bieter nicht wegen der Beschäftigung illegaler Arbeitskräfte bereits verurteilt worden ist.31 Nach Feststellung der Eignung ist der Öffentliche Auftraggeber an diese Entscheidung gebunden.

3.) Wirtschaftlichkeitsprüfung (offre économiquement la plus avantageuse) - 2. Umschlag:
Sind nach der Eignungsprüfung noch mehrere Unternehmen „im Rennen“, entscheidet das wirtschaftlich günstigste Angebot. Auswahlkriterien zur Bestimmung des wirtschaftlichsten Angebotes sind die Gebrauchskosten (coût
d’utilisation), der technische Wert der Leistung (valeur technique), der innovative Charakter (caractère innovant), die Umweltverträglichkeit (protection de l’environement), die Ausführungsfristen (délai d’exécution), der Kundenservice (service après vente), Ästhetik und Funktionalität (qualités esthétiques et fonctionnelles), Lieferfristen (délai de livraison) und der Preis (prix). Zusätzliche Kriterien sind, wenn sie durch den Vertragsgegenstand gerechtfertigt sind,
in der Vergabebekanntmachung bekannt zu geben. Wenn der Öffentliche Auftraggeber nur ein Wertungsmerkmal bestimmt, muss dies zwingend der Preis sein. Das Wertungsmerkmal „bekannt und bewährt“ ist kein zulässiges Zuschlagskriterium. Die anzuwenden Wertungsmerkmale müssen alle in der Vergabebekanntmachung oder in den Verdingungsunterlagen aufgeführt werden. Sie sind bereits bei Ausschreibung in ihrer Anwendung zu gewichten. Ein Angebot, welches ungewöhnlich niedrig liegt, ist auszuschließen. Vor dessen Ausschluss muss der Öffentliche Auftraggeber das Unternehmen dazu auffordern, die Höhe seines Angebotes zu belegen. Das Unternehmen, das das wirtschaftlichste Angebot abgegeben hat, erhält den ersten Rangplatz. Das an erster Stelle stehende Unternehmen wird nun aufgefordert, den Nachweis über die Erfüllung seiner steuerlichen und sozialen Pflichten zu erbringen. Hierunter fallen der Nachweis über das Abführen der Sozialabgaben, die Steuerbescheide der letzten drei Jahre und andere geforderte Nachweise. Erbringt der erstplatzierte Unternehmer diesen Nachweis nicht fristgerecht innerhalb der ihm gesetzten Frist, wird das Angebot abgelehnt und das weitplatzierte Unternehmen erhält die Möglichkeit, den Auftrag zu bekommen.

Zum Anfang des Artikels: französisches Vergaberecht