Vergaberecht in Frankreich

Rechtsanwalt David Hartmann, Morabito, Brognier & Condamy
5 rue Alphonse de Neuville
75017 Paris
Tél: 0033.(0)1.45.01.70.01
Fax: 0033.(0)1.45.01.79.73

Frankreich ist weltweit das Touristenziel Nummer eins, aber auch die fünfte Wirtschaftsmacht. Ein Land der Innovationen und Technologien, leistungsfähiger Unternehmen und des Business... Doch der „French dream" beschränkt sich nicht nur auf einen romantischen Spaziergang. Frankreich ist nicht nur ein Museum. Frankreich ist auch ein aktives Land, in dem man Business betreiben kann.

weiter lesen ...

Der Außenhandel zwischen Frankreich und Deutschland boomt. Frankreich ist daher auch
Deutschlands wichtigster Vertriebspartner. Der Elysée-Vertrag von 1963 hat Deutschland und Frankreich nicht nur
politisch zusammengeführt. Die Zahlen sprechen für sich. Deutsche Autos sind in Frankreich sehr begehrt, aber ebenso führen französische Autos die deutsche Einfuhrstatistik dieser Branche an. Im vergangenen Jahr sind 328.000 deutsche Pkw’s an Kunden in Frankreich ausgeliefert worden, 254.000 französische Fahrzeuge an deutsche Kunden. Es
folgen Maschinen, Chemieerzeugnisse, Arzneimittel, Elektroartikel und Lebensmittel. Auf dem französischen Markt sind deutsche Möbel ebenso beliebt wie Waschmaschinen des oberen Preissegments. Französischer Wein hat in Deutschland ebenso wie Champagner viele Freunde. Über den florierenden Handel sagt, Giselher Schlebusch, der Sprecher der deutschfranzösischen Industrie- und Handelskammer in Paris, dass im deutschfranzösischen Handel wirklich alles hin und her geschoben werde - von Rohprodukten bis hin zu High-Tech-Produkten. Aufgrund dieses regen wirtschaftlichen Austausches ist es nur verständlich, dass beide Länder bestrebt sind, diese Positionen durch eine aktive Wirtschafts- und Industriepolitik aufrecht zu erhalten. Aus Deutschland stammen 16,8 Prozent der französischen Einfuhren, nach Deutschland gehen 14,6 Prozent der französischen Exporte. Gestützt und gefördert wird die gegenseitige Marktdurchdringung durch Investitionen. Rund 25 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen in Niederlassungen in
Frankreich investiert. Die beliebtesten Standorte für ausländische Direktinvestitionen in Frankreich sind die Regionen Ile-de-France und Rhônes-Alpes, die aufgrund ihres hohen Kunden- und Absatzpotentials rund 40 % der Auslandsinvestitionen vereinen. Die Palette dieser Niederlassungen reicht von Verkaufsbüros und Servicestellen bis hin zu großen Industrieanlagen. Nicht nur die großen Konzernnamen sind in Frankreich vertreten, sondern vor
allem auch viele mittelständische Firmen unterhalten im Nachbarland Vertriebsniederlassungen und Produktionsstätten. Pro Jahr begeben sich rund 100 deutsche Unternehmen mit Investitionen auf den französischen Markt. Der Markt für öffentliche Aufträge in Frankreich hat ein Handelsvolumen von ca. 120 Milliarden Euro erreicht. Dies entspricht ca. 10 % des Bruttoinlandsproduktes. Die Tendenz ist steigend. Durch die bisherige Zurückhaltung deutscher Unternehmer entgehen diesen dabei enorme Auftragschancen. Dies ist sehr bedauerlich, da in Frankreich –wie bereits
gezeigt- ein geradezu hoher Bedarf an deutschen Produkten und Dienstleistungen besteht. Dies gilt zunehmend auch in der Baubranche. So wuchs die Bauwirtschaft in Frankreich im Jahr 2004 mit +3,5% deutlich
schneller als im westeuropäische Durchschnitt (1,9%). Besonders deutlich nahm der Neubau von Gebäuden zu. Die Aussichten für 2006 und 2007 sind positiv; im Wohnungsbau wird im laufenden Jahr mit einem Wachstum von bis
zu 9% gerechnet. Da die französischen Baufirmen häufig Aufträge wegen Personalmangels ablehnen müssen, bieten sich deutschen Unternehmen in Frankreich zunehmend Geschäftschancen. Aufgrund dieser wirtschaftlichen Verflechtung beider Volkswirtschaften, die zudem zusammen mehr als 50 % der wirtschaftlichen Leistung der Euro-Zone
erbringen, gibt es starke Konvergenzen in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik. Der Schritt nach Frankreich wird aus einer Reihe von Gründen heraus noch viele Jahrzehnte echter Export bleiben, selbst wenn der EUBinnenmarkt
bis zu einem gewissen Grad Realität geworden ist und man sich einander weiter annähert.

Dieser Artikel ist als erster innerhalb einer Reihe von Artikeln zu sehen, die „peu à peu“ den französischen Markt für deutsche Kunden transparenter machen.

Wie kann ich Vertragspartner des französischenÖffentlichen Auftraggebers werden - Französisches Vergaberecht?

Ein für deutsche Unternehmen mit anfangs noch wenig Aufwand verbundener Akt, um in Frankreich unternehmerisch tätig zu werden, ist die Beteiligung an einer französischen Ausschreibung. Hier kann der deutsche Unternehmer vom Schreibtisch aus und ohne französische Geschäftskontakte via Internet die für ihn interessanten Projekte im Liefer,- Dienstleistungs,- und Baubereich beurteilen und sich ohne großen Aufwand für einschlägige Aufträge bewerben. Er profitiert auch von einer beachtlich hohen Kongruenz des französischen und des deutschen Vergabeverfahrens und dem „guten Renommé“ deutscher Unternehmen in Frankreich.

David Hartmann
-Maître-
-Rechtsanwalt-

Teil 2 Öffentliche Vergabe in Frankreich
Teil 3 Wer kann Angebote abgeben
Teil 4 Wettbewerbsrecht bei öffentlichen Ausschreibungen
Teil 5 Wer vergibt die Aufträge
Teil 6 Grundprinzipien des französischen Vergaberechts
Teil 7 Wertung von Angeboten
Teil 8 Unterschiedliche Verfahrensarten
Teil 9 Nebenangebote und Rechtsschutz

Achtung: bei dieser Fassung fehlen alle Fussnoten und Verweise auf diese. Die vollständige Fassung von Das französische Vergaberecht  als PDF Datei