Frankreichs Zeitungen zusammengefasst 17.10.2006

I. Überblick

Aufmacher der Titelseiten beziehen sich meist auf innenpolitische Themen:
LE MONDE: Polizeibeamte werden immer öfter Opfer von Gewalt. Außerdem ein Interview mit dem zukünftigen UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, in dem er die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen als eine große Gefahr bezeichnet.
Weiteres Thema: Suspendierung einer muslimischen Lehrerin vom Schulunterricht heizt die Debatte über das Kopftuch in Großbritannien an.
LE FIGARO titelt mit zwei neuen Berichten zum französischen Bildungssystem, demzufolge sich die Kosten für die Collèges in den vergangenen 15 Jahren um 33%, bei den Gymnasien gar um 50% erhöht hätten.
LES ECHOS titelt damit, dass Betrug in Zusammenhang mit der Arbeitslosenhilfe ein ungeahntes Ausmaß annehme.
LIBERATION macht auf mit: "Sozialistische Partei: Kandidaten, erklärt euch!"
LE PARISIEN titelt mit: "Das ist der Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören".
L´HUMANITE: "Sozialistische Partei: Drei Stimmen für welchen Wegé"
LA CROIX widmet seinen Aufmacher ebenfalls den Auseinandersetzungen innerhalb der sozialistischen Partei: "Die sozialistische Partei sucht ihren Weg in der Wirtschaftspolitik".

Internationale Themen

Der Sicherheitsrat einigt sich auf Nordkorea-Sanktionen: Hieran anknüpfend (erscheinungsbedingt) in LE MONDE ein Interview mit dem zukünftigen UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, Überschrift "Vermittler im Dienste der Proliferationsbekämpfung".

Ebenfalls in LE MONDE ein Interview mit dem georgischen Staatspräsidenten Saakachvili, in dem dieser sich dafür ausspricht, dass Europa Georgien helfen müsse, die Krise mit Russland zu überwinden. Zudem schildert die Zeitung die Bemühungen Staatspräsident Chiracs, sein Bedauern gegenüber dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan zum Ausdruck zu bringen bezüglich des französischen Gesetzesvorhabens zur Anerkennung des armenischen Genozids (vgl. Pressebericht Paris vom 16.10.06).

LE FIGARO zitiert anlässlich des gescheiterten Bemühens Venezuelas, für zwei Jahre in den VN-Sicherheitsrat gewählt zu werden, einen hohen französischen Beamten, der betont, dass es "keine Freude bereite für Guatemala zu votieren, da dies ein Geschenk für die USA" sei. Chavez gehe jedoch zu weit und angesichts der nordkoreanischen Atomtests sei die internationale Gemeinschaft nicht mehr bereit, sich provozieren zu lassen.

Im FIGARO außerdem eine längere Analyse über den Antisemitismus in Russland anlässlich des heute beginnenden dreitägigen Besuchs des israelischen Ministerpräsidenten Olmert. Außerdem fast einheitlich in allen Zeitungen Berichte über Vorwürfe an die Adresse des israelischen Staatspräsidenten Moshe Katsav wegen Sexualdelikten und Korruption.

In LIBERATION fordert der ehemalige britische Minister für Europaangelegenheiten, Denis Macshane, in einem Gastkommentar dazu auf, "schießt nicht auf die Türkei". Sich die Türkei zum Feind zu machen, "wie es Frankreich, Frau Merkel, der Papst und zahlreiche andere konservative katholische und orthodoxe Politiker zu tun pflegten", habe zur Folge, die Verwirklichung der europäischen Hoffnungen auf Frieden im Mittleren Osten zu erschweren.

Wirtschaft

LE MONDE schildert in mehreren Artikeln ausführlich die schwierige Lage der französischen Luftfahrt- und Automobil-Zuliefererindustrie. So hätten die Lieferverzögerungen bei Airbus (A380) auch unmittelbare Folgen für die Zulieferer, die sich immer härteren Wettbewerbsbedingungen und einer immer größer werdenden Abhängigkeit von Airbus ausgesetzt sehen würden. LE FIGARO berichtet diesbezüglich über das gestrige Treffen Verkehrsministers Perbens mit einer Delegation der Vereinigung der französischen Luft- und Raumfahrtindustrie (Gifas), bei der er betonte, dass der Staat alle Mittel mobilisieren würde um den Firmen mit Liquiditätsproblemen (infolge der Airbuskrise) zu helfen.

Außerdem thematisiert FIGARO, dass die Allianz AG seit gestern das erste Großunternehmen mit europäischem Status (Societas europaea oder SE) im DJ Euro Stoxx 50 sei, wodurch es dem Unternehmen leichter fallen dürfe als bisher, eine Fusion mit dem französischen Versicherungsunternehmen AGF voranzutreiben.

LE MONDE berichtet über anstehende Gespräche zwischen Euronext sowie der New-Yorker Börse bezüglich einer möglichen Fusion mit der Deutsche Börse AG sowie der Borsa Italiana.

II. Wichtiges im Einzelnen

Nordkorea - Der neue UNO-Generalsekretär sucht den Dialog mit Pjöngjang

In einem Interview in LE MONDE spricht sich der zukünftige UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon für den Dialog mit Pjöngjang aus. Er sei auch bereit, sich nach Nordkorea zu begeben um sich mit Kim Jong-II zu treffen. Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen sei eine der großen Bedrohungen, der sich die internationale Gemeinschaft und die VN ausgesetzt fühlten. Angesichts des iranischen Atomprogrammes sei er beunruhigt. Die iranische Regierung habe die internationale Gemeinschaft diesbezüglich von friedlichen Absichten nicht hinreichend überzeugen können.

LE MONDE berichtet zudem über die Befürchtungen vieler Nichtregierungsorganisationen hinsichtlich möglicher Hungersnöte in Folge der Sanktionen gegenüber Nordkorea.

Türkei - Ankara weiterhin erzürnt über frz. Gesetzesvorhaben zu armen. Genozid

FIGARO zitiert den türkischen Ministerpräsident Erdogan, demzufolge die Abstimmung des französischen Parlaments, welche auf innenpolitische Gründe zurückzuführen sei, eine negative Auswirkung auf das Prestige Frankreichs in der Türkei habe. Frankreich als Gründerstaat der Europäischen Union habe damit eine Haltung eingenommen, die mit den Kopenhagener Kriterien nicht vereinbar sei. LE MONDE zitiert Staatspräsident Chirac, der im Gespräch mit Ministerpräsident Erdogan betont habe, dass das Gesetzesvorhaben über den Genozid an den Armeniern mehr Polemik beinhalte als dass es juristischer Realität entspräche. Ministerpräsident Erdogan bezeichnete das Gesetzesvorhaben hingegen als "große Schande und schwarzer Fleck für die freie Meinungsäußerung". Erdogan zeige sich entschlossen, "geeignete Maßnahmen" zu ergreifen, die gegen die "wirtschaftlichen Interessen Frankreichs in der Türkei" gerichtet seien. Dennoch werde er mit Gelassenheit agieren. LE MONDE berichtet des Weiteren, dass in Istanbul am Sonntag etwa 100 Demonstranten Eier auf die Fassade des französischen Konsulats geworfen hätten.

Georgien - Staatspräsident Saakachvili bittet EU um Unterstützung angesichts des russischen Wirtschaftsembargos

Staatspräsident Saakachvili zeigt sich in dem von LE MONDE veröffentlichten Interview "tief schockiert" von der bilateralen Krise zwischen Russland und Georgien. Wenn die georgische Diaspora in Russland als eine Armee im Dienste eines feindlichen Staates bezeichnet werde sowie Wörter wie ethnische Säuberung verwendet würden, dann sehe er darin eine Gefahr großen Ausmaßes in erster Linie für Russland. Ihm zufolge habe man es (dort) mit Menschen zu tun, die auf sehr gefährliche Art und Weise nationalistische Töne anschlagen würden. Ganz Europa sei jedoch betroffen. Daher erhoffe er sich von dem EU-Außenministertreffen, dass bei diesem eine starke und entschlossene Position verabschiedet werden würde, da man gegenüber den Menschenrechtsverletzungen nicht zögern dürfe. Russland solle dazu ermutigt werden, zu seiner Zugehörigkeit zur freien Welt zu stehen und deren Grundprinzipien zu akzeptieren. Er erhoffe sich zudem konkrete Maßnahmen von Europa (wie beispielsweise eine Erleichterung der Reisebedingungen für georgische Geschäftsleute), um die Krise zu überwinden.

Deutschland

LA TRIBUNE widmet "Aktienbeteiligungen von Angestellten an ihrem Unternehmen" in Deutschland einen Artikel. Dies setze sich in Deutschland nur sehr langsam durch.

In einem Gastkommentar in LIBERATION berichtet Hélène Bourgois, ehemalige Vize-Präsidentin der transeuropäischen Vereinigung, über die Ausstellung zu Vertreibung und Flucht in Europa, die momentan in Berlin zu sehen sei. Sie kritisiert insbesondere die aus ihrer Sicht einseitige Darstellung der Geschichte, was wohl auch mit dem mächtigen Bund der Vertriebenen zu tun habe, der die Ausstellung organisiere. Außerdem bemerkte sie negativ, dass keinerlei Übersetzungshilfe für ausländische Besucher zur Verfügung stehe. Die Ausstellung richte sich mit einem unangemessenen Akzent an Deutsche und stelle den Zusammenhang mit dem Holocaust nur unvollkommen dar.

In einem Gastbeitrag in LA CROIX betont der stellvertretende Direktor des deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg, Prof. Henrik Uterwedde, dass die deutsche, übersättigte und pluralistische Gesellschaft, die sich demographischen Problemen ausgesetzt sehe, immer weniger regierbar sei.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris 18.10.2006

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Umgruppierung französischer Streitkräfte 16.10.2006

Umgruppierung französischer Streitkräfte - Reduzierung in Afghanistan, EADS - Beteiligung des deutschen Staatesé, Nordkoreas Atomtest bestätigt, Türkei - Strafbarkeit der Leugnung des Armeniergenozids

Französischer Pressespiegel 13.10.2006

Deutsch-Französischer Gemeinsamer Ministerrat bei EADS, US-Kongresswahlkampf Fusion Suez - Gaz de France, Nordkorea, schlechte Lage der Studenten in Frankreich
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