Französische Zeitungen 13.11.2006

I. Aufmacher und Überblick

Die meisten heutigen Aufmacher und Leitartikel widmen sich dem Thema Präsidentschaftswahlen, und dabei hauptsächlich der diese Woche stattfindenden Kandidatenkür der Sozialistischen Partei (LE FIGARO: "Entscheidende Woche für den PS", LIBERATION: "Die Vorwahlen des PS machen Schule"). LE MONDE beschäftigt sich mit dem Vorhaben eines der drei Bewerber, Fabius, eine "Charta des Laizismus" einzuführen. L'HUMANITE berichtet dagegen zur Präsidentschaftskandidatur Marie-George Buffets für die Kommunistische Partei und LE PARISIEN stellt sich die Frage, wer bei den Präsidentschaftswahlen wohl für Le Pen stimmen wird. Ansonsten sehr unterschiedliche Titelthemen: LA CROIX: "Kabul, 5 Jahre nach den Taliban", LES ECHOS: "Microsoft greift mit seinem neuen MP3-Player den Ipod an". Der Leitartikel in LE MONDE beschäftigt sich mit der Frage nach dem Rückzug der USA aus Irak.

International:

Heute relativ unterschiedliche internationale Schwerpunkte in den Zeitungen. Einheitliches Thema ist lediglich die drohende Regierungskrise im Libanon, nach dem Rücktritt aller schiitischen Minister. Ansonsten mehrere Berichte zum Veto der USA im Sicherheitsrat, das eine Resolution zur Verurteilung Israels für seinen Angriff auf Beit Hanoun im Gazastreifen verhindert (LE FIGARO, LIBERATION, L'HUMANITE). LE FIGARO widmet sich ausführlich der weltweiten nuklearen Aufrüstung ( Karte mit Atommächten und Ländern, die es relativ schnell werden könnten, darunter Deutschland). Die Wochenendausgabe von LE MONDE berichtet nochmals ausführlich über die Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen in den USA und mögliche Konsequenzen für die US-Außenpolitik, u.a. ein baldiger Rückzug aus Irak. Zusätzlich einige Artikel zur Situation in Darfour und zur sich verschlechternden Situation im Tschad (LIBERATION, LE PARISIEN, LA CROIX).

Deutschland:

Einige Berichte anlässlich eines Frankreich-Aufenthalts von Bundeskanzler Schröder (LE PARISIEN, Interview im FIGARO). LIBERATION bringt einen ausführlichen Bericht zur Auseinandersetzung zwischen jüdischen Vereinigungen aus Deutschland und Frankreich und der Deutschen Bahn AG um ein Ausstellungsprojekt zur Rolle der Reichsbahn bei der Deportation. Die Deutsche Bahn weigere sich trotz politischen Drucks die Ausstellung in deutschen Bahnhöfen zu zeigen (Thema auch kurz in LE FIGARO). Zahlreiche kurze Berichte zum Rücktritt Ricks von der Spitze der Deutschen Telekom (LA TRIBUNE, LE FIGARO, LES ECHOS, LIBERATION). Ausführlicher Artikel in LA CROIX zur aufkommenden Kritik am Afghanistaneinsatz im Bundestag. LES ECHOS bringt einen Artikel zur Prognose eines Staatsdefizits unter 1,5% für 2007 in Deutschland.

Wirtschaft:

Berichte zur Einigung zwischen Bombardier und Alstom (LE FIGARO, LIBERATION) im Kontext des an Bombardier erteilten Auftrages für Regionalbahnzüge in der Ile-de-France; einige Artikel zu den Fortschritten innerhalb der EU zur Liberalisierung der Dienstleistungen (LE FIGARO, LES ECHOS). Ansonsten widmet sich LE FIGARO kritisch dem "Preis, den die wirtschaftlichen Programme der sozialistischen Kandidaten den Staat kosten würden".

II. Wichtige Themen im Einzelnen:

Regierungskrise im Libanon

Relativ unterschiedlicher Wortlaut in den Zeitungen. Während LE FIGARO titelt "Die Hisbollah tritt aus der Regierung aus", spricht LIBERATION von einem Austritt der "schiitischen Minister" und unterstreicht die latente Gefahr einer erneuten konfessionellen Spaltung des Landes. LE FIGARO zufolge gehe es den schiitischen Ministern darum, die Untersuchung des Mordes am ehemaligen Premierministers Hariri zu verhindern. "Der Schatten von Damaskus" sei eindeutig erkennbar, genauso wie der steigende Druck auf die Führung, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden, da auch der maronitische General Aoun Ansprüche auf eine Beteiligung geltend mache. Aufgrund der in der libanesischen Verfassung festgeschriebenen konfessionellen Repräsentativität würden immer mehr Stimmen laut, dass die Regierung ohne schiitische Beteiligung keine Legitimität mehr besitze. LIBERATION spricht von einer "schlimmen politischen Krise" und zitiert einen Führer der Hisbollah, der nichts von einer Neubildung der Regierung hören wolle und Neuwahlen fordere.

Vorwahlen des PS

Alle Zeitungen läuten die "entscheidende Phase" der Vorwahlen des PS ein. Während LE FIGARO sich auf Meinungsumfragen konzentriert, welcher PS-Kandidat gegenüber Sarkozy am meisten Chancen hätte und die Auseinandersetzung um das im Internet aufgetauchte Video über Äußerungen Ségolène Royals zur Arbeitszeit der Lehrer wiedergibt, betont LIBERATION die positive Wirkung der Vorwahlen für die Partei. Zahlreiche Franzosen fänden eine solche Vorwahl mittlerweile sinnvoll, und der PS ginge unabhängig vom Ergebnis gestärkt aus Ihnen hervor. LE MONDE bringt ein Interview mit Laurent Fabius, der eine sozialistische Modernisierung einer sozial-liberalen gegenüberstellt, und geht ebenfalls auf Royals Reaktionen auf die Veröffentlichung des Videos ein, die sie als "bewusste Maßnahme um ihr zu schaden" bezeichnet.

Bundeswehreinsatz in Afghanistan

LE MONDE berichtet im Zusammenhang der Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan über den, so das Blatt, "von mehreren Stellen kritisierten Mangel an Transparenz" bezüglich des genauen Einsatzbereiches der Bundeswehrsoldaten. Besonders der Fall Kurnaz habe zur Frage nach der Rolle des KSK geführt. LA CROIX betont die Uneinigkeit zwischen den Parteien und die Tatsache, dass Grüne und Teile der SPD sich offen gegen die Verlängerung des Einsatzes in seiner jetzigen Form richteten und diesen als "kontraproduktiv" bezeichneten. Auch die Frage nach einem künftigen Einsatz im Süden Afghanistans sei ein Grund für die steigende Ablehnung des Bundeswehreinsatzes durch die Bevölkerung und einen Teil der Parlamentarier.

Schröder-Interview im FIGARO

Alt-Bundeskanzler Schröder bekennt im Interview, zunächst eine Erweiterung der deutsch-französischen Achse um Großbritannien angestrebt zu haben. Er habe jedoch erkennen müssen, dass dies ein Fehler gewesen sei und bleibe. Es gebe keine Alternative zur deutsch-französischen Zusammenarbeit, um die europäische Integration voranzubringen. Zur Großen Koalition in Deutschland geht er davon aus, dass diese die Legislaturperiode durchhalte, da keine Seite Interesse an einem vorzeitigen Bruch habe und als Verlierer dastehen wolle. Die Koalition führe im Wesentlichen die von ihm begonnene Reformpolitik fort.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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