Lavendel, die Seele der Provence

Mit Lavendel bringt man fast automatisch die blühenden Landschaften Südfrankreichs mit ihrem einzigartigen Farbspielen und dem unverwechselbaren Duft in Verbindung. Der französische Schriftsteller Jean Giono bezeichnete den Lavendel als Essence de Provence, als Seele der Provence. Die Felder mit ihren Schattierungen von Hellblau bis Violett und ihr Duft, etwa auf dem Plateau von Valensole, schaffen wahrhaftig eine einzigartige Atmosphäre. Bei uns sieht mal Lavendel hauptsächlich als Duft- und Zierpflanze. In Südfrankreich aber, vor allem in der Provence, wird Lavendel aber auch heute noch in grossem Stil zur Gewinnung von ätherischem Lavendelöl angebaut.

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Lavendelgebiete in Südfrankreich

Wilder Lavendel wuchs schon immer in den südlichen Bergregionen Frankreichs, den westlichen Hochflächen und Vorgebirge der Meeralpen in einer Höhe zwischen 600 und 1600 Meter. Ausgehend von der Ostflanke des Mont Ventoux , erstrecken sich heute die Lavendelfelder Richtung Nordwesten bis nach Valence und Richtung Osten und Süden bis an das Umland der alten Parfümstadt Grasse. Heute werden etwa zwanzig verschiedene Lavendelsorten angebaut. Man unterscheidet generell zwischen echtem Lavendel (Lavendula officinalis), der Höhenlagen zwischen 600 - 800 m angebaut wird, und Lavandin, eine Kreuzung aus echtem Lavendel und Speik-Lavendel, den man weniger aufwendig in Höhen zwischen 400 und 600 m kultivieren kann. Lavendin ist einfacher anzubauen, aber echter Lavendel hat eine wesentlich höhere Qualität.

Lavendelblüten und ätherisches Lavendelöl für Parfum und handgefertigte Seifen

Lavendel wird vorwiegend zur Gewinnung von Lavendelöl angebaut. Zu dessen Gewinnung werden riesige Mengen Lavendelblüten benötigt. Um einen Liter reines ätherisches Lavendelöl herzustellen, benötigt man zwischen 140 und160 kg Lavendel. Bei der Herstellung von ätherischem Lavendelöl fällt ausserdem Lavendelwasser an. Früher benutzte man Florentiner Flaschen um die eigentliche, leichtere Lavendelessenz vom Lavendelwasser, der wässrigen Phase des Destillates zu scheiden. Die modernen Methoden sind ausgefeilter, funktionieren aber immer noch nach dem gleichen Grundprinzip. Auch wenn das Lavendelöl das eigentliche Ziel der Bemühungen ist, enthält das weniger wertvolle Lavendelwasser immer noch genügend Duftstoffe, um in der Parfüm- und Kosmetikindustrie weiterverwendet zu werden. In geringerem Umfang wird Lavendel auch zur Gewinnung von Lavendelblüten angebaut, die getrocknet für Duftmischungen und Potpourris sowie als Gewürz, zum Beispiel für die bekannten Herbes de Provence in den Handel kommen. Beliebt sind auch, früher wie heute, handgefertigte Seifen mit Lavendel.

Die Geschichte des Lavendelanbaus - Der Anfang

Der Anbau und die Verarbeitung von Lavendel blicken in Südfrankreich auf eine lange Tradition zurück. Als sich in Frankreich die europäischen Zentren der Parfümherstellung bildeten, entwickelte sich eine grosse Nachfrage nach Duftstoffen. Zu diesen Zentren gehörten Grasse, in dem die Handlung von Romans Patrick Süskinds Roman Das Parfum spielt. Die Parfumeurs in Grasse hatten sich seit dem 17ten Jahrhundert vor allem auf die Extraktion von Blütendüften spezialisiert. Verarbeitet wurden in grossem Stil Orangenblüten, Jasmin und Lavendel. In den Domaine de Manon, den Blumenfeldern, die man heute noch besichtigen kann, wurden die Blumen für die örtliche Parfümherstellung angebaut. Ausser Parfums wurden in Grasse auch andere exquisite Luxusprodukte wie Seifen, Puder und Duftleder hergestellt.

Lavendelanbau früher und heute

Einer der wichtigsten Duftstoffe für die Parfümherstellung war der Lavendel. Ursprünglich wurde der im Süden Frankreichs wild wachsende Lavendel verwendet. Die steigende Nachfrage machte den gezielten Anbau für die Bauern in der Provence attraktiv. Aus dem Nebenerwerb der Bauern entwickelten sich nach und nach die grossen Lavendelfelder, die heute als Markenzeichen der Provence gelten. Die Blütenstängel der Lavendelpflanzen wurden ursprünglich in mühsamer Arbeit mit Handsicheln geschnitten. Für den Schnitt von 10 Hektar Lavendelfeldern benötigte eine vierköpfige Bauernfamilie 30 Tage. Der geschnittene Lavendel wurde in der Sonne getrocknet und gleich auf den Feldern weiterverarbeitet. Im Alembic, einem kupfernen Kessel mit helmartigem Aufsatz, wurde aus dem Lavendel durch Wasserdampfdestillation das begehrte Lavendelöl gewonnen. Heute ist diese Methoden der Ernte und Verarbeitung von Lavendel nicht mehr rentabel. Zur Ernte kommen heute moderne Landmaschinen mit ausgeklügelten Schneidewerkzeugen zum Einsatz. Einige mögen den traditionellen Anbau von Lavendel, der in Wirklichkeit Knochenarbeit war, romantisieren. Letztendlich war es aber die Mechanisierung, welche die Kultur des Lavendelanbaus in Südfrankreich erhalten hat.

Bedeutung von Lavendel für die Region

Neben der Bedeutung als Duftstoff für die Parfumherstellung und die Kosmetikindustrie, ist hat Lavendel heute auch noch eine touristische Bedeutung. Lavendelprodukte wie handgefertigte Seifen, Duftkissen, Trockensträusse und Lavendelhonig findet man in den Lavendelregionen auf allen Wochenmärkten. Viele Orte feiern auch ein Lavendelfest, das wahrscheinlich bekannteste findet in Digne statt. Das Corso de la lavande ist ein fünf Tage dauerendes Fest, das jedes Jahr am ersten Augustwochenende stattfindet. Ebenfalls in Digne findet jährliche die Foire de la lavande statt, eine für Parfumeurs  international bedeutende Messe. Seit 1997 gibt es ausserdem die Routes de la lavande, drei Reiserouten die ganz dem Lavendelanbau gewidmet sind. An den Stationen finden man Ausstellungen, Gärten, Kunsthandwerker und Destillerien.

Tips und Sehenswertes