Ohne festen Wohnsitz in Frankreich

„Wohnsitzlos“ oder „obdachlos“ (SDF= sans domicil fixe) werden in Frankreich jene Menschen genannt UND behandelt, die keine feste Unterkunft nachweisen können und i.d.R. auf der Straße oder im Freien oder mal da oder dort bei Bekannten leben. Obwohl man nach dem Gesetz immer noch wegen Obdachlosigkeit bzw. Herumtreiberei (Vagabondage) aufgegriffen und mit Haftstrafe belegt werden kann, wird dies nur noch in Ausnahmefällen praktiziert, denn wo sollen schließlich bei einer halben Million Obdachlosen in Frankreich (und einer erheblichen Dunkelziffer) alle diese Gefängniszellen herkommen?

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SDF (wohnsitzlos) zu sein, bedeutet auch in Frankreich fast ausschließlich soziale, kulturelle und humane Nachteile. Ohne festen Wohnsitz beißt sich die Katze in den Schwanz: Keinen Wohnsitz = keine Arbeit! Keine Arbeit = kein Geld, kein Arbeitslosengeld, Sozialhilfe nur in Ausnahmefällen, kein Recht auf ein Bankkonto, kein Telefon - dem zu Folge auch keine Telefonrechnung und ohne Telefonrechnung kein Nachweis über eine Wohnung. Und vor allem die Tatsache, auf allen Ämtern ein Nichts zu sein, ohne Papiere und ohne Wohnung so gut wie nicht zu existieren und abgewiesen zu werden oder sich im Kreis zu drehen.

Um dieser Situation zu entgehen, kann man folgende Mindestanforderungen erfüllen:

Da es in Frankreich keine mit Deutschland vergleichbare polizeiliche Anmeldung gibt, genügen zum Nachweis einer Wohnung u.a.

  • ein Mietvertrag oder eine Mietbestätigung über eine Unterkunft, Untervermietung, oder die Bestätigung von Bekannten oder Verwandten über eine „freundschaftliche“ Beherbergung.
  • Eine auf Ihren Namen lautende Rechnung neueren Datums über einen Telefonanschluss oder/und einen Elektrizitätsanschluss für die betreffende Wohnung.
  • Andere auf diese Wohnung oder Wohnadresse und Ihren Namen lautende Papiere, z.B. Schreiben von Behörden, Arbeitsämtern, Versicherungen...

Wer als Resident in die Gefahr gerät, seine Wohnung (z.B. wegen Arbeitslosigkeit oder Mietrückstand und Kündigung) in Frankreich zu verlieren, wende sich rechtzeitig an die Sozialbehörde seiner Wohngemeinde ( Service Social de la Mairie). Dort wird man zwar nicht erfreut sein und eine Menge Nachweise über Ihre Notlage verlangen; letztlich wird sich aber eine Hilfsmöglichkeit finden (Einweisung in eine Notwohnung oder in Übernachtungsheime, Übernahme der Miete durch die Sozialbehörde, Übernahme der Krankenkosten, Hilfsmaßnahmen durch kirchliche oder andere karikative Einrichtungen, Ausstellung von Essensgutscheinen, Benutzung von Suppenküchen, Kleiderausgabe, etc.). Dabei müssen Sie sich allerdings auf einen entwürdigenden und bürokratischen Sozial-Striptease und Durchforsten Ihres Privat- und Berufslebens gefasst machen, dem sich einige Betroffene aus Scham oder Stolz nicht aussetzen.