Studium an französischen Hochschulen und Universitäten

Können deutsche Studenten an jeder französischen Universität oder Hochschule studieren?
In der Regel Ja, aber mit Einschränkungen für Schulen, die aus berufstechnischen Gründen Franzosen vorbehalten sind (z.B. Fachhochschulen für hohe französische Verwaltungsbeamte). In einigen „Grandes Ècoles“, die verschiedenen Ministerien unterstehen, müssen Vorbereitungskurse (Classes Préparatoires) absolviert werden. An den „Grandes Ècoles“ studieren weniger Ausländer als an den Universitäten. Absolventen der Grandes Ècoles steht allerdings in Frankreich beruflich fast jede Tür offen!

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Sind Hochschulen und Universitäten in Frankreich einheitlich gegliedert?
Nein! Im Gegenteil; es gibt staatliche Schulen, die verschiedenen Ministerien unterstehen und eigene Verwaltungs- und Zulassungsbestimmungen haben. Daneben existieren Privatschulen, zum Teil mit religiösem Charakter, sowie technische Institute, die den Universitäten angeschlossen sind. Einen besonderen Aufbau haben die Hochschulen für künstlerische Fächer ( Architekten, Musik, Theater, Bildente Künste...)

Können Prüfungen an jeder Hochschule abgelegt werden?
Nein! Nur vor den Gremien der staatlichen Schulen. In Frankreich hat der Staat das Monopol für die Verleihung von Hochschulgraden.

An welche Stellen wendet man sich zunächst?
Wichtigste Informationsquelle ist für meine Begriffe zuerst die o.g. Adresse der Französischen Botschaft in Berlin! Dann auch das Außenamt der heimatlichen Uni. Unter anderem auch an den DAAD, der allerdings nicht für die Vermittlung von Studienplätzen, sondern für die Informationsbeschaffung und Koordination zuständig ist. Auskünfte geben auch die Kulturabteilungen der französischen Botschaft in Berlin oder der Generalkonsulate  in ganz Deutschland. Mit dem Formular „Demande de Prèinscription“ wird – i.d.R. zwischen Oktober und Jahresende eine Prüfung der französischen Sprachkenntnisse abgelegt.

Wie sieht danach der Zeitplan aus? Wo muss man sich einschreiben, welche Unterlagen müssen vorgelegt werden?
Die französische Universität entscheidet vor dem 30. Juni über die Zulassung und unterrichtet die Antragsteller. Dies bedeutet noch nicht die endgültige Zulassung, da sie u.U. von weiteren Prüfungen abhängig gemacht werden kann. Die „Inscription Administrative“ erfolgt in der französischen Universität, die auch mitteilt, welche Unterlagen noch erforderlich sind (z.B. Zeugnisse, Sprachprüfungen, Stipendienzusagen, Abschluss einer Krankenversicherung...) die in der französischen Übersetzungen vorliegen müssen und vom französischen Konsulat in Deutschland beglaubigt werden. Danach folgen Zuweisungen von Tutorien sowie Auswahl und Zeitpunkt der zu belegenden Kurse. Im Allgemeinen erfolgt eine Einschreibung für 1 Jahr, also von Oktober bis zum nächsten Juni. Das französische Hochschulsystem kennt keine Trimester. Einschreibungen für kürzere Zeiten sind sehr beschränkt und nur mit Sondergenehmigung möglich. Zulassungen für Frankreich erfolgen sehr spät. Es ist deshalb ratsam, sich die Möglichkeit einer Einschreibung in Deutschland offen zu lassen. Das kann zeitlich zu einem Balanceakt werden, u.a. hängt daran ja schließlich auch die Wohnungsfrage...

Gibt es Stipendien?
Ja, einmal die Bafög-Möglichkeiten auch für deutsche Studenten im Ausland, sowie Beihilfen der französischen Regierung, die von der Kulturabteilung der Französischen Botschaft vergeben werden, aber auch Stipendien aus den Fördertöpfen verschiedener deutscher oder französischer Stiftungen. Da in Frankreich keine Stipendien gegeben werden, muss man sich etwa eineinhalb bis zwei Jahre vorher bei der Französischen Botschaft informieren. Stipendien der französischen Regierung bringen bei der Einschreibung einige Vorteile (Siehe DAAD-Broschüre „Auslandsstipendien für Deutsche“). Bafög-Rechtsanspruch besteht, wenn das Studium in Frankreich nach dem Ausbildungsstand förderlich ist, zumindest ein Teil des Auslandsstudiums auf das Gesamtstudium angerechnet werden kann, oder die Ausbildung im Inland nicht durchführbar ist.

Werden die Französisch-Kenntnisse bei einem Studium in Frankreich wirklich so ernst genommen?
Ja!!! Mit Sprachmogeleien und Wochenend-Französisch rutscht kein Ausländer auf eine französische Universität. Die Erfahrungen zeigen, dass mindestens ein intensives Sprachjahr in Frankreich notwendig ist, um den Anforderungen zu genügen. Im Grunde ist ein Frankreich-Studium eine Langzeitplanung; schon lange vor dem Abitur sollte man sich über spätere Ziele Gedanken machen und die Mosaiksteine koordinieren. Das heißt zum Beispiel auch, mit dem intensiven Französischkurs nicht erst beginnen, wenn der Umzug nach Frankreich kurz bevor steht. Den Vorlesungen an französischen Universitäten muss man folgen können, als handele es sich dabei um die Muttersprache!

Wie stehen die Chancen für Studienanfänger?
Absolute Studienanfänger ohne deutsches Grundstudium haben auch Chancen in Frankreich, sind aber nicht die Regel. Es gibt etliche Ausnahmen in der Zulassung für bestimmte Studien (z.B. können Studienanfänger und Studierende, die ihr Grundstudium noch nicht abgeschlossen haben, nur auf der Ebene des „Premier Cycle“ also zum ersten und zweiten Studienjahr zugelassen werden). Für Studienanfänger gibt es keine Möglichkeiten, an den Pariser Universitäten ( Paris I XIII) sowie in Créteil und Versailles einen Studienplatz zu bekommen. Wer in Deutschland – gleich aus welchen Gründen – keinen Studienplatz erhalten hat, kann nicht damit rechnen, das Studium in Frankreich zu beginnen. Ausnahmen: Studienanfänger, deren Eltern oder Ehepartner ihren festen Wohnsitz am gewünschten Universitätsort haben, oder deren Eltern oder Ehepartner an einer der drei pariser Akademien berufstätig sind, können dort auch als Studienanfänger einen Studienplatz erhalten. Diese Situation kann z.B. durch rechtzeitige administrative Maßnahmen – z.B. polizeiliche Ummeldung – herbnei geführt werden, betrifft aber in der Regel nur auslandsdeutsche Familien, die schon länger fest in Frankreich leben und arbeiten.

Welche finanziellen Aspekte sind bei einem Studium in Frankreich zu beachten?
Unabhängig davon, ob in Frankreich studierende Deutsche Bafög oder andere Stipendien erhalten, muss man von vorne herein wissen – und sogar nach oben mehr als großzügig in der Kalkulation sein – welche finanziellen Anforderungen bei einem Studium im Ausland bestehen oder auftauchen können. Selbst unter Berücksichtigung aller Vorteile (wie Mensa, Bibliotheken, ermäßigter Eintritt zu Kino- und Kulturveranstaltungen) sind die Lebenshaltungskosten Studenten fast ebenso hoch wie für Berufstätige. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts hat ein Student in Paris rund 7000 FF (jetzt etwa 1.100 Euro) pro Monat benötigt: in der Provinz dürften das nur 10 Prozent weniger sein. Vielleicht – bei großer Einschränkung und bei Verzicht auf einige Annehmlichkeiten – kommt man ab 2002 mit 1000 Euro monatlich über die Runden. Dieser Betrag liegt unter dem SMIC, also dem Mindestlohn für junge Berufstätige.

 
Die Studiengebühren (droits universitaires) werden für ein Jahr entrichtet, und zwar beim service des recettes. Die reinen Studiengebühren sind in Frankreich relativ gering und liegen bei etwa 200 Euro. Dies schließt ein Einschreibegebühren (Frais des traveaux publiques et de bibliothèque) Ärztliche Untersuchung (droit de contrôle médicale),Sozialversicherung (sécurité sociale).

 Nicht verpflichtend, aber empfehlenswert, ist der Abschluss einer Krankenzusatzversicherung (mutuelle complementaire) und eines Beitrags für den Universitätssport. Die „normale“ französische Krankenversicherung deckt nur etwa 70 Prozent der Kosten ab; die 30 Prozent „Eigenbeteiligung“ kann durch eine Zusatzversicherung ausgeglichen werden (was nicht nur für Studenten, sondern auch für Berufstätige gilt). Besonders hoch sind in Frankreich – auch für Studenten - die Wohnungsmieten, zumal man sich bei saftigen Mietpreisen auf Hasenställe und Dachkammern mit wenig Komfort einstellen sollte.

Kann während der Studienzeit gearbeitet werden?
Natürlich darf man arbeiten, soweit Arbeit vorhanden ist. Über den C.R.O.U.S. (regionaler oder lokaler Studenten-Service an den Unis) gibt es Möglichkeiten: Vom Babysitter über Gartenarbeiten, Hund ausführen, (nachts) Taxi fahren, kurzfristige Urlaubsvertretungen in vielen Bereichen, bis Weinleseprogramm für ausländische Studenten. Daneben werden Ferienarbeit und Praktikantenstellen vermittelt. Aber Eigeninitiative schadet nichts: Neben dem Studentenwerk gibt es noch Kleinanzeigen in Tageszeitungen, Zettel im Aushangkasten beim Bäcker und das französische Arbeitsamt ANPE.
Es gilt aber zu überlegen, ob man unter der Belastung eines Auslandsstudiums, und unter den besonderen Aspekten der fremden Sprache seine Ferien und die freie Zeit für Lohnarbeit oder zum Büffeln verwenden sollte. Sicher, hin und wieder zusätzliches Geld in der Tasche zu haben, ist auch ein gutes Gefühl. Diesen Balanceakt muss jeder eigenverantwortlich entscheiden, da kann man aus der Ferne keine Ratschläge erteilen.

Merke: Nicht nur Studierende an französischen Hochschulen, sondern jeder Student mit einem gültigen internationalen Studentenausweis kann sich – auch ohne Immatrikulation an einer französischen Hochschule oder Uni - an den S.L.E.E. ( Service de liaison etudiants-entreprises) wenden; eine Art Verbindungsstelle zwischen Studentenwerk und Unternehmern); zu erreichen über den C.R.O.U.S. an den Unis“.

 Wie steht es mit den französischen Studentenorganisationen?
Sie sind vielseitig und in jeder politischen Richtung vorhanden. Hinter den vielen Abkürzungen kann sich für Neulinge manche Überraschung verbergen. Einem Beitritt ist nicht abzuraten, aber man sollte sich doch vorher schon eingehender informieren, wem man seine Beiträge und Sympathien schenkt. Einige Organisationen sind genau wie die jeweilige Hochschule von Elitedenken bestimmt; durch diese Beziehungen wird bereits eine Vorauswahl für spätere hohe Posten getroffen. Vitamin-B – und die richtigen Leute zu kennen - spielt überall in Frankreich eine nahezu entscheidende Rolle im Berufs- und Geschäftsleben. Andere Gruppen sehen das lockerer und genießen den Studentenalltag und vor allem die Nächte. Die einzelnen Studentenorganisationen bieten Veranstaltungen, Sport, Geselligkeit, gemeinsame Aktionen, teilweise auch politischer oder religiöser Ausrichtung. Aber sie sind nicht zu verwechseln mit dem französischen Studentenwerk ( Centre national/regional/local de Oevres universitaires et scolaires), das sich mit den sozialen Fragen der Studenten befasst.

Studium in Frankreich:

Wichtige Info-Stelle für deutsche Studenten in Frankreich: http://www.cidu.de (Informations- und Dokumentationsstelle der Französischen Botschaft Berlin)

 Deutscher Akademischer Austauschdienst DAAD, mit Büros u.a. in Berlin und Paris)