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Vorwahlkampf Ségolène Royals und Nicolas Sarkozys 17.06.2006

I. Überblick

Die Krise im Libanon dominiert heute die Aufmacher aller Blätter. So titelt LE FIGARO mit der Evakuierung westlicher Ausländer und LES ECHOS befasst sich mit den Auswirkungen der Krise auf den Weltmarkt.
Weitere Themen sind die Ergebnisse des G-8- Gipfel in St. Petersburg, die Präsentation des Buches von Nicolas Sarkozy und die Vorstellung des A 350

II. Wichtiges im Einzelnen

a.) Internationales

Naher Osten/ Libanon

In allen Blättern wird ausführlich auf die Situation im Libanon nach dem Einmarsch der israelischen Truppen eingegangen.
LE FIGARO bringt mehrere ganzseitige Berichte, u.a. ein Kurzporträt des Chefs der Hizbullah, Hassan Nasrallah, und befasst sich in seinem Editorial mit der Reaktion der G-8-Staaten auf die Krise: Diese, so LE FIGARO, bemühten sich z. Zt. vorrangig darum, ihren Landsleuten die Ausreise zu ermöglichen, um der Hizbullah potentielle Geiseln zu entziehen. Zwar sei diese Maßnahme zum Schutz der Betroffenen erforderlich, man riskiere aber, gegenüber dem Libanon den  Eindruck zu erwecken, diesen sich selbst überlassen zu wollen, wenn nicht bald eine diplomatische Initiative folge. Bisher habe sich der Gipfel jedoch damit begnügt, Israels Selbstverteidigungsrecht anzuerkennen.
Weiter kritisiert LE FIGARO die USA, ohne die im Nahen Osten nichts erreicht werden könne: Sie zeigten keinerlei Bereitschaft zum Engagement, so wie man dies schon bei der Eskalation der Gewalt nach der Entführung des israelischen Soldaten Shalit vermisst habe.
Heftige Kritik am Verhalten der G8-Staaten findet sich auch im Leitartikel von LIBÉRATION, die titelt "G-8 im Abseits": Die G-8-Staaten hätten eine Krisensitzung nur zu dem Zweck einberufen, ein weiteres Mal ihrer totale Unfähigkeit zu einem wirkungsvollen Handeln in der Region unter Beweis zu stellen. Ihr Unvermögen spiele den iranischen Mentoren der Hisbollah geradezu in die Hand. Deren Zielscheibe sei nicht nur Israel, sondern auch die westlichen Staaten, die man zu destabilisieren versuche. Die Hizbullah führe einen Krieg, dessen Ende erst bei Errichtung einer weltweiten islamischen Diktatur absehbar sei. Die zahlreichen Opfer israelischer Raketenangriffe fungierten für sie als weitere Märtyrer. Alle Macht der Erde vereinigt auf dem G-8-Gipfel könne diesen Todesmarsch nicht verhindern.
LES ECHOS stellt die uneinheitlichen Positionen der Weltgemeinschaft dar und thematisiert die Auswirkungen der Krise auf den Weltmarkt, insbesondere auf den Rohölpreis.

Weitere Ergebnisse des G-8-Gipfels:

LIBÉRATION sieht Russland als Ausrichter des EU-Gipfels gescheitert. Nicht nur in der Frage des Nahostkonfliktes seien Divergenzen aufgetreten, auch habe man keine Einigung über Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation erreichen können.
In Anspielung auf die Demokratiedefizite in Russland schreibt LIBÉRATION, Putin habe sich bemüßigt gefühlt, seine Gäste davon zu überzeugen, dass ein solches Defizit gerade nicht bestünde und im Gespräch mit einem britischen Journalisten - gefragt zum Zustand der Demokratie in Russland - gesagt, es sei interessant mehr über die britischen Erfahrungen im Kampf gegen Korruption zu erfahren (Anspielung auf Levy-Affäre).
LE FIGARO thematisiert ferner die energiepolitischen Aspekte des Gipfels. Die Tatsache, dass Russland die Schaffung und Koordination von Energievorräten akzeptiert habe, biete den Staaten der Europäischen Union eine gewisse Sicherheit angesichts der energiewirtschaftlichen Abhängigkeit von Russland.
Kritisiert wird, dass hinsichtlich der Auswirkungen des CO2-Ausstoßes auf die Atmosphäre weiterhin Uneinigkeit bestehe, obwohl dringender Handlungsbedarf angezeigt sei

Nordkorea

Die am vergangenen Samstag einstimmig verabschiedete Resolution des UN-Sicherheitsrates bewertet LIBÉRATION als nicht weit reichend genug, dagegen schreibt LE FIGARO, der Sicherheitsrat habe eine "deutliche und unerwartete Nachricht" an die Adresse Nordkoreas gesandt.

b) Innenpolitik

- In den meisten Blättern Beiträge zum sommerlichen "Vorwahlkampf" Ségolène Royals und Nicolas Sarkozys

Anlässlich der Präsentation seines Buches wird zunächst auf die Strategie Nicolas Sarkozy eingegangen. LE FIGARO hebt die deutliche Kritik Sarkozys an Premierminister de Villepin und den Versuch einer Annäherung an Staatspräsident Chirac hervor, dem Sarkozy "große Bewunderung" entgegenbringe. Er habe sich jedoch insofern von Chirac abgegrenzt, als er gesagt habe "lui, c'est lui, moi c'est moi" (Anspielung auf Verhältnis von Laurent Fabius und Mitterand). Ähnlich berichtet auch LES ECHOS, das ebenfalls den Versuch Sarkozys, einen Schnitt herbeiführen zu wollen

In LE FIGARO findet sich ferner eine Analyse des Umfeldes von Sarkozy

- Thema auch das Interview des Staatspräsidenten anlässlich des 14. Juli

Chirac habe erklärt, es sei "noch nicht Zeit für eine Bilanz" sondern "Zeit zum Handeln" und als Beleg dafür zahlreiche, von der Regierung bereits in Angriff genommene Reformen benannt. Ganz gegen alle Erwartung habe er sich selbst im politischen Geschäft fest positionieren wollen und nicht - wie z.B. Mitterand - in der letzten Rede seiner Amtzeit zum Nationalfeiertag seinen Abschied vorbereiten wollen.

Ähnlich auch die Analyse in LES ECHOS, das titelt: " Jacques Chiraques veut garder ses commandes ".

c) Wirtschaft

Vorstellung des überarbeiteten Langstreckenjets A 350 auf der Flugzeugschau von Farnborough in Großbritannien

LE FIGARO weist kurz auf die Probleme von Airbus im Zusammenhang mit dem A 380 und die Personalquerelen hin, präsentiert dann aber die Vorstellung des A 350 wohlwollend und als Zeichen für eine Stabilisierung des Unternehmens.
LES ECHOS hingegen eher skeptisch, schon auf der Titelseite Verweis auf die Verdoppelung der zu erwartenden Kosten auf 8 Milliarden Euro.

d) Deutschland

In LIBÉRATION findet sich ein Bericht zur Loveparade, die nach dreijähriger Pause am Samstag wieder in Berlin stattfinden konnte.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)


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