Alles anzeigen: Juli 2006

Französischer Pressespiegel 11.07.2006

1. Aufmacher und Überblick

Die Titelseiten heute sehr heterogen: LE MONDE und L'HUMANITÉ machen mit Irak auf: "Der Bürgerkrieg verschärft das Chaos im Irak" und "Massaker gegen Massaker". LE FIGARO titelt mit dem Tod des Tschetschenen-Chefs Schamil Bassajew im Vorfeld des G8-Gipfels in St. Petersburg. Bei LA CROIX steht der euro-afrikanische Gipfel in Rabat im Mittelpunkt der Berichterstattung. LE PARISIEN titelt mit "Zizou, wir lieben Dich", LIBERATION mit " Zidane: Kopf und Legende", da Umfragen zufolge 78 Prozent der Franzosen Zinedine Zidane für den besten Spieler der WM halten und mehr als die Hälfte der Franzosen seine Reaktion auf die Provokationen im Endspiel verstehe.

2. Im Einzelnen

a) Internationales

Die asiatische Welt zeigt sich über das Vorgehen im VN-Sicherheitsrat gegen Nordkorea gespalten, so LE FIGARO. Japan setzt sich, laut LE MONDE, für Sanktionen gegen Nordkorea ein, rief die UNO dazu auf, nicht zu kapitulieren, und kündigte an, seine Lebensmittelhilfen an Pyöngyang auszusetzen. LE FIGARO interpretiert das Handeln Chinas als eine Fortsetzung der traditionellen Linie gegenüber seinem Verbündeten Nordkorea und sieht den Einsatz Russlands für eine diplomatische Lösung vor dem Hintergrund des G8-Gipfels in St. Petersburg, den Moskau nicht in Gefahr bringen wolle.

LE FIGARO berichtet über den Tod des Staatsfeindes Nummer eins der Russen, des Tschetschenenführers Schamil Bassajew, durch die Explosion eines Lastwagens. Putin hätte es sich nicht schöner träumen können, so LE FIGARO. Nach dem Bericht des FIGARO beansprucht die Regierung, den Tschetschenenführer in einer Spezialaktion eliminiert zu haben, während die Unabhängigkeitsbewegung behauptet, die Explosion sei ein Unfall gewesen. Das Blatt sieht in den Ereignissen die "Entstehung eines neuen Russlands", das sich nicht nur in der Bekämpfung des Terrorismus mit seinen internationalen Partnern messen kann, sondern auch durch den Anstieg der Ölpreise eine Supermacht im Energiesektor darstelle und somit zu einer internationalen Macht werde, mit der man sich zukünftig einigen müsse.

Breite Berichterstattung über den ersten Euro-afrikanischen Immigrationsgipfel in Rabat. LES ECHOS berichtet, dass sich die 57 beteiligten Länder zumindest bei der Diagnose einig seien: die globale Strategie müsse auf den zwei Säulen Wirtschaft und Sicherheit beruhen. Die afrikanischen Länder fordern von Europa umfangreiche Programme zur wirtschaftlichen Entwicklung und die Organisation der legalen Einwanderung im gegenseitigen Einverständnis, so LES ECHOS. Für Europa sei das Hauptziel, dass die afrikanischen Länder eine schnelle Rückführung ihrer illegal eingereisten Landsleute akzeptieren. LE MONDE erläutert aber zugleich, dass die Kooperation zwar angestrebt werde, jedoch von europäischer Seite keine zusätzlichen finanziellen Mittel vorgesehen seien. LE MONDE geht noch weiter auf die Gründe Algeriens ein, nicht an der Konferenz teilzunehmen. Für Algerien sei dabei nicht nur die Westsaharafrage entscheidend, sondern auch die Anschuldigung Marokkos vom Oktober letzten Jahres, Algerien würde die Einwanderung instrumentalisiere. Dies sei sehr übel aufgenommen worden. Außerdem sei Algerien der Meinung, dass die Europäer zu sehr auf ihre Sicherheit schauen und zu wenig für die finanzielle Unterstützung der afrikanischen Länder tun, so LE MONDE.

LE MONDE, LA CROIX und L'HUMANITÉ berichten über die willkürliche Ermordung von sunnitischen Zivilisten durch schiitische Milizen im Irak. Die politische Klasse im Irak stehe diesem neuen Sicherheitsrisiko machtlos gegenüber. Allein die Koalitionstruppen, so ein Korrespondent der Agentur Reuters, könnten die Lage noch in den Griff bekommen. LE MONDE berichtet, dass in einem internen Bericht des US-Militärs erstmals höhere Offiziere für die Vertuschung der Tötung irakischer Zivilisten durch eine US-Einheit im November 2005 in Haditha verantwortlich gemacht werden.

LE FIGARO, LE MONDE und L'HUMANITE berichten über die Anstrengungen der Linken in Mexiko, eine Nachzählung der Stimmen bei den Präsidentschaftswahlen zu erreichen. Lopez Obrador versuche, so LE MONDE, mit allen legalen Mitteln, auf der Straße wie im Gericht, den Sieg seines Gegners Felipe Calderon anzufechten. Für Mittwoch habe Obrador einen nationalen Protestmarsch angekündigt.

b) Innenpolitik

LE FIGARO berichtet, dass Sarkozy von der Immigrationskonferenz in Rabat eine Botschaft an die Organisationen gerichtet habe, die sich gegen die Abschiebung illegaler Einwanderer einsetzen. Europa dürfe sich zwar nicht auf sich selbst zurückziehen. Er verurteile aber die extremistische Haltung derer, die einer unbegrenzten Einwanderung das Wort reden. Sarkozy jongliere zwischen harter Haltung und Öffnungsbereitschaft, so LE FIGARO.

c) Deutschland

LE MONDE bringt eine Analyse über die Feier der Weltmeisterschaft in Deutschland und vor diesem Hintergrund die Gespaltenheit der großen Koalition über die Gesundheitsreform. Die von Kanzlerin Merkel angekündigten großen Reformen, seien aufgrund der Diskussionen in der Koalition zu "Reförmchen" verkommen, wobei die Regierungsparteien beide nicht die Verantwortung für die Reformen übernehmen möchten, da sich diese schlecht verkaufen lassen, so LE MONDE. Merkel müsse dabei Kritik von beiden Regierungsparteien zu ihrem Führungsstil einstecken. Umfragen zeigten, dass 74 Prozent der Deutschen mit der Arbeit der großen Koalition unzufrieden seien, da sie die Probleme genauso wenig löse wie die Regierung Schröder.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)


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