Alles anzeigen: Juli 2006

Innenpolitik, Internationales, Wirtschaft, Deutschland 10.07.2006

1. Aufmacher und Überblick

Das Finale der Weltmeisterschaft steht erwartungsgemäß im Mittelpunkt der Berichterstattung und ist Aufmacher bei FIGARO, LIBERATION, PARISIEN und HUMANITE. Nebentitel bei LE MONDE und LES ECHOS sind erneut die Regelungen zur Legalisierung illegaler Einwanderer, aufgrund der Abschiebung eines 19jährigen Marokkaners. LES ECHOS bringt das Thema im Zusammenhang mit dem Euro-Afrikanischen Gipfel zur Einwanderung in Rabat. LES ECHOS: "General Motors hat die Tür für Renault-Nissan einen Spalt breit geöffnet". LA CROIX macht mit dem Besuch des Papstes in Valencia aus Anlass des fünften Weltfamilientages auf.

2. Im Einzelnen

a) Internationales

LE MONDE berichtet über die Gespaltenheit der israelischen Öffentlichkeit gegenüber der Operation "Sommerregen" im Norden des Gazastreifens. Mehr als die Hälfte der israelischen Bevölkerung würde eine diplomatische Lösung und den Austausch von Gefangenen einer militärischen Lösung vorziehen. LE MONDE kritisiert das Vorgehen Israels aus zwei Gründen. Erstens wird der nächtliche Einsatz von Jagdbombern in sehr geringer Höhe über den Wohngebieten verurteilt, da dies einer Kollektivstrafe der Bevölkerung gleichkomme und somit das Kriegsrecht verletze. Zweitens wird die Effektivität des Einsatzes bezweifelt, der immer noch von dem Glauben geleitet werde, dass die palästinensische Bevölkerung sich von der Hamas abwenden würde sobald diese geschlagen sei.
LE FIGARO und LIBERATION berichten, dass die Popularität des Premierministers der Hamas Ismael Haniyeh durch die Offensive Israels noch angestiegen sei, da er sich trotz der israelischen Drohungen gegen seine Person öffentlich die Zerstörungen ansieht und der Bevölkerung im Gaza-Streifen beisteht.

Breite Berichterstattung über die "Monopolisierung" der Macht in Polen durch die Zwillingsbrüder Kaczynski. Nach dem Rücktritt von Kazimierz Marcinkiewicz hat der Präsident nun seinen Bruder Jaroslaw Kaczynski zum Premierminister ernannt. Die Gründe für den Rücktritt von Marcinkiewicz sind unklar. LA CROIX zitiert polnische Analysen, nach denen der Premierminister ein Opfer seiner zu großen öffentlichen Popularität gegenüber den Zwillingsbrüdern geworden sei. Andere Stimmen behaupten er wäre aufgrund der vielen Zugeständnisse an die PiS in letzter Zeit zurückgetreten. Es wird befürchtet, dass Polen durch die Machtkonzentration in den Händen einer Familie destabilisiert werde (LE MONDE und FIGARO).

Zum heute beginnenden Euro-afrikanischen Immigrationsgipfel in Rabat berichten FIGARO und LES ECHOS. Frankreich werde laut FIGARO eine Reihe von Maßnahmen vorschlagen, darunter eine Stelle zur Überwachung der Migrationsströme, gemeinsame Entwicklungsprojekte sowie die Steuerbefreiung der von Einwanderern an ihre Familien in den Heimatländern übersandten Ersparnisse. Die Zeitung vermerkt ferner die Abwesenheit Algeriens, deren Hintergrund das angespannte Verhältnis zu Marokko wegen der Westsaharafrage sei.

b) Wirtschaft

Bei den Verhandlungen um eine Allianz zwischen General Motors und Renault-Nissan, bleibt General Motors zurückhaltend, so LE MONDE. Die Skepsis von Wirtschaftsexperten gegenüber einer Allianz wird in LE MONDE und LES ECHOS einhellig wiedergegeben. Als Begründung werden die wirtschaftlichen Probleme von General Motors, die Konkurrenz der Unternehmen auf den Märkten in Europa und Asien und das schlechte Image von Renault in den USA genannt.

c) Innenpolitik

LE MONDE, LA CROIX und L'HUMANITÉ berichten über die Abschiebung eines 19jährigen Marokkaners, gegen die Vereinigungen und Abgeordnete der Linken zum Widerstand aufgerufen haben. LES ECHOS stellt die schwierige Situation für Innenminister Sarkozy heraus, da die Abschiebungen bei einem Teil der Wählerschaft als unmenschlich gelten. Andererseits müsse Sarkozy damit rechnen, dass ihm die Parteibasis den Rücken zukehre, falls er sich - über die bereits getroffene Ausnahmeregelung in Einzelfällen hinaus - für weitere Legalisierungen entscheide. Premierminister de Villepin zeigte sich durch die Situation beunruhigt und rief dazu auf, Polemik zu vermeiden, so LES ECHOS.

d) Deutschland

LE MONDE interviewt den ehemaligen Außenminister Joschka Fischer zur Lage in Deutschland während der Weltmeisterschaft und dem französischen "Nein" zur Europäischen Verfassung. Fischer lobt den nicht-aggressiven Patriotismus einer neuen Generation der 17 bis 20jährigen, der Ausdruck einer neuen "europäischen Normalität" sei. Zu künftigen Machtkonstellationen in Deutschland stellt er fest, dass in einem System mit fünf Parteien als Alternative zur großen Koalition nur Drei-Parteien-Koalitionen in Frage kommen. Zu Europa müssten sich die Franzosen entscheiden, welche Rolle Frankreich unter den Bedingungen der Globalisierung spielen wolle.
In LA CROIX findet sich ein Kommentar über die Begeisterung von Kanzlerin Angela Merkel bei der Weltmeisterschaft. Das Blatt zitiert einen deutschen Bericht, wonach die kalte und distanzierte Kanzlerin bei der Weltmeisterschaft zu einem echten Fan wurde.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft Paris)


Alles anzeigen: Juli 2006