Französischer Pressespiegel 11.12.2006

I. Aufmacher und Überblick

Das Aufmacherbild ist heterogen, Aufmacher sowohl zu innen- aus auch zu außenpolitischen Themen.

LE MONDE ("Libanesische Hisbollah beschuldigt, einen Staatsstreich zu schüren") und LA CROIX ("Libanon auf der Straße gespalten") beschäftigen sich mit der Massendemonstrationen der libanesischen Opposition, die den Rücktritt des Ministerpräsidenten Fouad Siniora fordert. LE FIGARO titelt im Zusammenhang mit einer Umfrage über die Kandidatenaussichten bei den Präsidentschaftswahlen "2007: Sarkozy und Royal sind weit vorn". LIBERATION titelt im Zusammenhang mit dem Tod des chilenischen Ex-Diktators Pinochet "Pinochet flüchtet". LES ECHOS beschäftigen sich nach dem Tod des Generaldirektors Francis Meyer mit der Nachfolge bei der Bank und staatlichen Anlagenverwaltung CDC ("La Caisse des Dépots et Consignations"). LE PARISIEN beschäftigt sich im Rückblick auf den Tsunami vor zwei Jahren mit den Spendengeldern und fragt "Wo ist unser Geld gebliebené". L'HUMANITE macht die Präsidentschaftswahl zum Thema und titelt in Bezug auf die Kandidatenaufstellung der äußeren Linken.

International:

Auf den internationalen Seiten der heutigen Zeitungen ein leichtes Übergewicht in der Berichterstattung über die Massendemonstrationen der Opposition im Libanon. Ausführlich thematisiert wird der Tod des Ex-Diktators Pinochets, der gestern im Alter von 91 Jahren in Santiago verstarb. Rückblickend wird über das Leben von Pinochet berichtet. Einstimmig wird bedauert, dass Pinochet verstarb, ohne für seine Verbrechen gerichtlich zur Verantwortung gezogen worden zu sein. Weiteres Thema in fast allen Blättern ist der Streit in EU um die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, nach deren Angebot, einen Flug- und Seehafen für Zypern zu öffnen. LE MONDE und LE FIGARO berichten über die heute in Teheran beginnende zweitägige Konferenz über den Holocaust. Litwineko bleibt weiterhin Thema. LE FIGARO berichtet in einer Kurzmeldung über die Polonium-Funde in Hamburg und LE MONDE in seiner Wochenendausgabe über den in Frankreich lebenden russischen Ex-Agenten Limarev, der sich ebenfalls in Lebensgefahr glaubt. Als einziges Blatt berichtet LA CROIX über die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Bankier Muhammad Yunus, der für die seine Idee der Mikrokredite geehrt wird und sich den Preis mit der Grameen Bank teilt.

Deutschland

LES ECHOS berichtet über die anhaltende Wirtschaftskraft Deutschlands, die durch die Stärke des Euro nicht erschüttert werde. Noch vor ein bis zwei Jahren habe man geglaubt, dass die Exportkraft Deutschlands aus der erschlafften inneren Kaufkraft resultiere, die die Unternehmen dazu bringe, sich Ersatzmärkte zu suchen. Allerdings steige nunmehr auch der Inlandsverbrauch, der aber gleichwohl nicht zu einem Rückgang im Export führe. Der Export außerhalb der EU sei im Vergleich zum Vorjahr um 31,2% gestiegen, während der Export innerhalb der EU lediglich um 17,7% gestiegen sei. Dies bestätige, dass Deutschland einen starken Akzent insbesondere auf die Märkte in China und Indien gelegt habe. Gleichzeitig sei ein schwacher Rückgang um 0,2% bei den Importen zu vermerken. Mit Sorge konstatiert das Blatt, dass die europäischen Nachbarländer anscheinend noch nicht von der genesenen Wirtschaft Deutschlands profitieren können. Trotz der anhaltenden Arbeitslosigkeit fehle es aber in der deutschen Wirtschaft an Fachkräften, so z.B. an Ingenieuren. Auch LA TRIBUNE schließt sich der Wertung an, dass Deutschland nicht unter der Stärke des Euros leide, weist aber darauf hin, dass die Zahlen im Energie- und Bausektor rückläufig seien. LA TRIBUNE berichtet über die schlechte Situation bei TUI. Die Aktionäre würden den Druck erhöhen und Donnerstag werde in der Vorstandssitzung die Präsentation eines umfangreichen Maßnahmenpakets zur Restrukturierung erwartet. Dies bezeichnet das Blatt als die letzte Chance für den Geschäftsführer Michael Frenzel, dem geraten wird, angesichts der Überschuldung Flugzeuge, Immobilien und Hotels zu veräußern.

II. Wichtige Themen im Einzelnen

Libanon

Alle wichtigen Blätter berichten ausführlich über die von der schiitischen Hisbollah angeführte Massendemonstration mit fast einer Million Teilnehmer gestern in Beirut. Laut LE MONDE hat Naim Kassem, Nummer zwei in der Hisbollah, die Masse zu "Tod Amerika, Tod Israel"-Rufen aufgefordert. Deutlich wird bei der Berichterstattung die Beunruhigung über eine Verschärfung der innenpolitischen Lage durch Ausbruch von Gewalttätigkeiten, die in einen Bürgerkrieg münden könnten. Ziel der Demonstration sei es gewesen, die nach Ansicht der Demonstranten zu anti-syrische Regierung von Fouad Siniora zu stürzen. Die Hisbollah habe sich mit der Demonstration zum Ziel gesetzt, ihre Machtstellung in der Regierung zu vergrößern und Neuwahlen zu erreichen, nachdem Mitte November sechs schiitische und pro-syrische Minister das Kabinett verlassen hätten. Nach Einschätzung von LE MONDE hatte die Demonstration jedoch, nicht wie von der Opposition gewünscht, einen "entscheidenden Charakter", da sich die bestehende Regierung von Frankreich, A und einigen arabischen Staaten unterstützt werde und die Regierung parlamentarisch legitimiert sei. Sie verfüge über einen ebenso großen Rückhalt in der Bevölkerung, um sich an der Macht zu halten. LA CROIX und L'HUMANITE berichten in diesem Zusammenhang auch über Demonstration zugunsten der Regierung in Tripolis.

EU-Türkei

In allen wichtigen Blättern wird über die Spaltung der EU in der Frage der T berichtet, die heute das Gipfel-Treffen der EU-Außenminister in Brüssel beherrschen wird. Uneinig sind sich die Mitgliedstaaten in der Frage, ob der Empfehlung der Kommission, die Beitrittsverhandlungen partiell auszusetzen, gefolgt werden sollte, oder ob die kurzfristig unterbreiteten Konzessionen der Türkei in der Zypern-Frage eine Wiederaufnahme der Gespräche zur Folge haben sollten. Nach Ansicht von LE MONDE (Wochenendausgabe) steht der EU eine Woche "Psychodrama" in zwei Akten und eine neue Krise zwischen der Türkei und der EU bevor. Gespalten wie nie zuvor, habe eine einstimmige Entscheidung der Außenminister nur minimale Chancen, so dass sich die Diskussion auf die Ebene der Regierungschefs am Donnerstag und Freitag beim Treffen des Europäischen Rates verlagern werde. Nach allgemeinem Tenor hat das türkische Angebot viel an Glaubwürdigkeit eingebüßt, weil es nicht schriftlich abgegeben wurde und insgesamt unklar blieb, ob die Türkei Gegenleistungen erwarte. LES ECHOS geht daher davon aus, dass die Empfehlung der Kommission Arbeitsgrundlage der Außenminister sein wird. Nach L'HUMANITE seien sich die Mitgliedstaaten sehr wohl bewusst, dass die Zypern-Frage nur ein Alibi für die türkische Opposition sei, ihre tiefere Abneigung gegen einen Eintritt der Türkei in die EU zu verbergen.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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Französischer Pressespiegel 12.12.2006

Aufmacher verstreut, sowohl innen- als auch außenpolitische Themen.
LE MONDE ("Chile: Pinochet gestorben, ohne verurteilt zu sein") und LA CROIX ("Tod Pinochets ...

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