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Nachrichten Überblick Frankreich 11.08.2006

1. Überblick

Die in London vereitelten Anschläge auf Transatlantikflüge und das weltweit plötzlich gestiegene Bedrohungsgefühl beherrschen alle Titelseiten. Überall umfassende Berichte, Fotos, atmosphärische Beschreibungen von den Störungen im Luftverkehr, den verschiedenen Stellungnahmen der Londoner Polizei, der britischen Regierung sowie von US-Stellen. Es bleibt im Wesentlichen bei Berichterstattung, die von der in den deutschen Medien nicht wesentlich abweichen dürfte; vereinzelte Kommentare bringen keine neuen Erkenntnisse.
Nahost-Konflikt heute zweites Thema. Tenor im Wesentlichen: Nach gestriger Nachrichtenlage wieder bessere Aussichten auf Einigung in New York (so LIBÉRATION: "Die VN kurz vor einer Einigung", nach einer entsprechenden Äußerung des französischen Außenministers Douste-Blazy von gestern, und LES ECHOS), zentrale Berichtsthemen aus diesem Bereich allerdings in allen Zeitungen: Skeptische Betrachtungen zu den Erfolgsaussichten der israelischen Streitkräfte im Südlibanon.

Weitere Themen: Schwere Anschläge in Nadjaf, weiterer Anstieg des französischen Außenhandelsdefizits (trotz Anziehens der Exporte) in den jüngsten Statistiken, LES ECHOS berichtet darüber hinaus über den weiteren Anstieg des US-Außenhandelsdefizits. In LE MONDE und LE PARISIEN: Kuba angesichts der Erkrankung Castros, ohne Neuigkeiten.

Wichtiges im Einzelnen:

Libanon

LIBÉRATION ausführlich zum Stand der Beratungen in New York. Das Blatt berichtet, dass Außenminister Douste-Blazy einen Schritt der USA in Richtung Frankreich-Vorschlag gemacht habe, indem es sich bereit erklärt habe, eine Klausel zum Beginn eines israelischen Rückzuges schon vor einer politischen Vereinbarung einzubauen. Das Blatt berichtet auch, dass der Libanon in jede Phase der Gespräche einbezogen werde. (Rundfunk meldet am 11.08. morgens, dass dieser das US-Angebot für nicht ausreichend erklärt habe; es gebe weiterhin keine Einigung). Ganz ähnlich berichtet LES ECHOS, die anderen eher skeptisch.

LE MONDE als einzige sehr positiv zu dem libanesischen Entschluss, den Süden durch libanesische Streitkräfte zu besetzen. Aus Sicht des Blattes ist dies ein "Wendepunkt" in dem Konflikt, dessen Bedeutung von vielen, besonders von Washington, nicht genügend gesehen worden sei.

LA CROIX fragt in seiner "Question du jour" den französischen General Francart nach den Gründen für das so langsame Vordringen der israelischen Armee gegen die Hizbullah. Der General führt dies auf die mehr an Guerilla ausgerichteten Struktur und Taktik der Hizbullah zurück (keine klassische Armee, Mitglieder in der Bevölkerung verstreut, Waffenarsenale verteilt und mobil, Nadelstichoperationen, die selbst erfolgreiche raumgreifende Operationen der Israelis verschmerzen könnten).

Welthandel

Auf den Wirtschaftsseiten und in den Wirtschaftszeitungen recht umfangreiche Berichterstattung zu den Außenhandelszahlen im ersten Halbjahr 2006. Im Zentrum stehe die Werte für Frankreich, aber auch (LES ECHOS) die der USA und Chinas werden beachtet. Zu Frankreich: Außenhandelsbeauftragte Lagarde habe, so z. B. der FIGARO, die deutlich steigenden französischen Ausfuhren in den Vordergrund gestellt, besonders gegenüber wachstumsstarken Staaten. Das ändere jedoch wegen noch kräftiger gestiegener Importe nichts daran, dass das französische Außenhandelsdefizit ebenfalls weiter gestiegen sei. Angesichts der unsicheren Konjunkturentwicklung in den USA und auch bei Frankreichs größtem Außenhandelspartner, Deutschland, sowie bei einer unverändert laufend weiter steigenden Ölrechnung seien diese Zahlen nicht ermutigend.
LES ECHOS berichtet auch über die Entwicklung des US-Außenhandels und sieht - trotz eines erneut sehr hohen Defizits vor Allem gegenüber China - einige positive Zeichen: US-Exporte in die EU zögen wegen des hier einsetzenden Wirtschaftswachstums allmählich an und milderten das Missverhältnis. Ölrechnung und die ungebremsten Importe aus China seien allerdings nicht unter Kontrolle. Neue Auseinandersetzungen hierüber wie über den Yuan-Kurs mit Washington seien vorauszusehen.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)


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