Mit der Au-Pair Gastfamilie im Gespräch

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Der Autor wollte auch die „andere Seite“, nämlich die Meinung einer Gastfamilie hören; er führte mit einer französischen Geschäftsfrau, die seit vielen Jahren regelmäßig ein oder zwei junge Au-Pair-Frauen zu Gast und zwei schulpflichtige Kinder hat, folgendes Gespräch:

Madame, wie stufen Sie Ihre Erfahrungen mit deutschen Au-Pais ein?

Ich habe meistens gute Erfahrungen in jenen Fällen gemacht, wenn ich die Mädchen von offiziellen Stellen oder Jugendverbänden vermittelt bekommen habe. Die Mädchen bleiben in der Regel sechs Monate hier; einmal hatte sich zwischen meinem damals siebenjährigen Sohn und dem Au-Pair – Karin war damals 22 und bereits zum zweitenmal in Paris – eine so herzliche Beziehung ergeben, da hätten wir am liebsten den Vertrag verlängert, aber Karin musste nach Deutschland zurück, weil sie endlich einen Studienplatz bekommen hatte. Aber bereits in ihren ersten Semesterferien kam Karin zurück und verbrachte als Sommer-Au-Pair zwei Monate mit uns in unserem Ferienhaus in der Bretangne. Wir schreiben uns noch heute...

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Ihre negativen Erfahrungen...?

Einmal benötigten wir kurzfristig ein Au-Pair für den Urlaub am Mittelmeer, weil zwischen der Ankunft des neuen und der Rückfahrt des alten Au-Pairs ein Loch von vier Wochen entstanden war. Die Zeit zur Vermittlung über ein offizielles Büro war zu knapp, und wir haben deshalb in einer Pariser Zeitung inseriert. Also mussten wir nehmen, was von der Straße kam, um es mal so auszudrücken. Wir entschieden uns dann von acht Bewerberinnen für eine junge Deutsche, die uns auch die Bescheinigung einer Pariser Sprachschule vorlegte, wo sie als Studentin eingeschrieben war. Angeblich wohnte sie bei Freunden. Aber sie schien in Ordnung zu sein, denn unsere Kinder mochten sie und sie sprach bereits recht gutes Französisch, was ich immer als eine der wichtigen Voraussetzungen ansehe. Aber dann im Urlaub bekam sie laufend aus Paris Männerbesuch, oder sie lernte wahllos junge Männer am Strand oder beim Einkaufen im Supermarkt kennen, alle zwei Tage kam ein anderer, und abends zählte sie die Sekunden bis zum Feierabend und weg war sie in der Disco, kam sehr spät nach Hause, sie roch nach Alkohol und Tabak, und meistens war sie in Männerbegleitung, die sie heimlich mit auf ihr Zimmer nahm, oder sie küssten sich im Vorgarten, na ja, küssen konnte man das schon nicht mehr nennen, und das Fenster des Kinderzimmers war direkt daneben...

Madame, haben Sie bedacht, dass junge Frauen im Alter von 18 oder 20 Jahren auch den Wunsch und das Recht auf in eigenes Leben, auch auf ein eigenes Sexualleben haben?

Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Mein Mann und ich sind gewiss nicht prüde, im Gegenteil, wir sind moderne Menschen. Aber alles hat seine Grenzen; ich denke, es macht doch einen sehr schlechten Eindruck auf die Kinder, wenn ihr Kindermädchen täglich die Partner wechselt und morgens unausgeschlafen am Frühstückstisch sitzt. Und letztlich ist das heutzutage auch eine Frage der Gesundheit, wenn Sie wissen was ich meine?! Also, ich hatte den Eindruck, das Au-Pair wollte nur einen bezahlten Urlaub am Mittelmeer verbringen, ohne sich über ihre Verantwortung bewusst zu sein. Sehen Sie einmal, Karin hatte damals auch einen festen Freund in Paris, wir hatten ihn sogar zum Essen eingeladen, mit den Kindern. Aber Karin hat ihn diskret mit auf ihr Zimmer genommen oder sich bei ihm in seiner Studentenmansarde getroffen. Das ist doch was anders, oder?

Hatten Sie auch sogenannte Problem-Mädchen, also junge Frauen mit persönlichen Problemen, mit Heimweh oder Einsamkeit?

Ich weiß von meinen Freundinnen, die auch regelmäßig Au-Pairs beschäftigen, in einigen Fällen gab es da Probleme. Einmal war es wegen einem Freund des Mädchens, der dauernd aus Deutschland kam und hier Eifersuchtsdramen veranstaltete. Das Mädchen war so hin- und hergerissen, dass es schließlich den Vertrag vorzeitig abbrach und nach Deutschland zurück ging. Ein anderes Mädchen hatte Drogenprobleme; angeblich hatte sie diese nicht von Deutschland mitgebracht, sondern sie ist hier erst irgendwie in die Drogen-Szene geraten, das kann ja schnell gehen, wissen Sie?! Da war sogar die Polizei eingeschaltet, das Mädchen wurde noch hier in Paris in eine Entziehungskur gegeben, ich glaube, das war mit Hilfe des Deutschen Sozialdienstes, die sich da nach einem Hinweis der Deutschen Botschaft eingeschaltet hatten. Ich bin bisher von solchen ernsthaften Problemen verschont geblieben. Wahrscheinlich habe ich einen Riecher für Problem-Fälle und halte sie mir vom Hals. Ich kann auch nicht einsehen, warum ich Sozialhelferin oder Ersatzmutter bei einer jungen Frau spielen soll, die eigentlich bereits erwachsen ist...

Aber ein Teil des Au-Pair-Verhältnisses besteht doch auch unter den Aspekten >Familienanschluss< und >Haustochter<. Beinhaltet das nicht auch, sich im Notfall um die Sorgen seiner Angestellten zu kümmern, denn eigentlich ist es ja keine Angestellte, sondern ein Familienmitglied!?

Also nein! So großzügig würde ich das nicht auslegen! Einen freundschaftlichen und familiären, auch einen persönlichen Umgang mit der jungen Frau zu pflegen, das ist normal und für mich und meinen Mann überhaupt keine Frage. Aber wir haben weder Zeit noch eine dafür notwendige Ausbildung, in solchen extremen Problem-Fällen den Doktor zu spielen oder Händchen zu halten. Dazu habe ich keine Nerven! Das kann niemand von uns verlangen! Wir haben zunächst einmal Verantwortung unseren Kindern gegenüber, dann haben wir unseren Beruf, unser Geschäft; - nein! Wir sind normale Menschen aber keine Sozialfürsorger! Bei Heimweh und Einsamkeit, ja sogar bei Liebeskummer lasse ich gerne mit mir reden; - aber Drogen oder Alkohol? Nein danke!

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