Au-Pair in Frankreich - Tagesablauf und Arbeitszeiten

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Kommen wir doch noch mal zurück zu euerem Tagesablauf und zu eueren Erfahrungen...

Für mich war die größte Erfahrung, zu erkennen, dass ich Verantwortung zu tragen habe. Damit meine ich: Kinder auf dem Schulweg begleiten, mitten durch den Verkehr zum Kindergarten, Kinder in der Küche beaufsichtigen, mit all den technischen Geräten und chemischen Putzmittel. Also, das ist eine ganz gewaltige Verantwortung, die mir vorher garnicht so bewusst gewesen war. Dann oft alleine mit den Kindern im Haus, quasi Schlüsselgewalt und Hausrecht ausüben, Verantwortung über die Werte in der Wohnung, für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder. Das wird von vielen Au-Pairs anfangs nicht bedacht...!

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Und wie sieht so ein Tagesablauf praktisch aus?

Ich stehe um sechs auf, wie die Familie. Ich habe mein eigenes Zimmer mit separatem Eingang oben unter dem Dach. Dieses Glück haben nicht alle, obwohl das eigene Zimmer im Au-Pair-Vertrag garantiert wird, aber der eigene Eingang, unabhängig, auch mal für Besuche, das ist schon die Ausnahme. Um Viertel vor Sieben bin ich in der Küche. Frühstück herrichten, servieren, gemeinsames Frühstück, teils zwischen Tür und Angel, die Kinder sind undiszipliniert, Madame hält nichts von der strengen französischen Erziehung. Gespräche zwischen Kaffee trinken und Schnürsenkel zubinden hin und wieder. Über Geschäftliches oder über familiäre Angelegenheiten wird in meinem Beisein nicht gesprochen, höchsten so Sachen, ob die Kinder brav waren, welches Spielzeug oder welche Fernsehprogramme man ihnen verweigern soll, welche neuen Filme gerade angelaufen sind, na ja, eben so das tägliche Zeug.

Monsieur fährt um Acht ins Geschäft, eine Herrenboutique in der Rue St. Honoré, die um Neun öffnet. Bei den folgenden Arbeiten wechsele ich mich mit Madame ab; mal geht sie einkaufen und ich bringe die beiden filles in den Kindergarten, oder umgekehrt. Einmal in der Woche kommen Gäste, meistens Geschäftsfreunde oder irgendwelche Parteifreunde, mein Monsieur will sich, glaube ich, in der Stadtpolitik engagieren und sich bei der nächsten Kommunalwahl ins Rathaus wählen lassen, weil er der Meinung ist, der französische Mittelstand und die kleinen Geschäftsleute würden von der sozialistischen Regierung erdrückt und seien kaum noch lebensfähig. Ich habe davon keine Ahnung, schnappe das nur am Rande so auf. Bei den Einladungen für die Geschäftsfreunde ist Madame etwas pingeliger als sonst; da geht sie selbst in die Èpicerie, zum Traiteur und in die Boucherie, um persönlich auszusuchen, sonst rufen wir da immer nur an und es wird geliefert, und ich rotiere in der Küche, zusammen mit einer für diesen Tag extra engagierten Köchin. Zweimal pro Woche kommt eine Putzfrau für die grobe Hausarbeit und die große Wäsche. Dazwischen bin ich mit der Kleinwäsche, Bügeln, Staubsaugen und Wischen und vor allem mit den Kindern beschäftigt. Der Gärtner kommt einmal wöchentlich für das Wochenendhaus in Chevreuse, da verbringen wir mitunter die Wochenenden. Es hat sich ergeben, dass ich auch den Rasen sprühe, aber Hecken schneiden und Rasen mähen, das mache ich nicht...

Wie sieht es mit Nacht- und Sonntagsarbeit aus?

Zwei- oder dreimal pro Woche muss ich abends oder nachts auf die Kinder aufpassen, bis meine Gasteltern zurück kommen. Aber das bekomme ich extra bezahlt, das ist nicht in meinem Taschengeld inbegriffen. Ich weiß, einige Mädchen in anderen Familien müssen das inklusive machen, da sparen die Familien ganz schön Geld, eine Babysitterin in Paris kostet ein kleines Vermögen. Ich sitze dann mit den Gören vorm Fernseher, wir spielen, oder ich probiere meine Französischkenntnisse mit den Kindern aus. Um Neun müssen sie ohnehin ins Bett. Dann kann ich lesen oder lernen. Denn nachmittags von Fünf bis um Sieben habe ich ja Französischunterricht in der Alliance! Sonntags habe ich, von Ausnahmen abgesehen, frei. Laut Abmachung steht der Sonntagvormittag zum Kirchgang zur Verfügung, egal ob man hingeht oder nicht; meistens treffen wir uns im Café, oder gehen in eine Kunstausstellung oder bummeln bei schönem Wetter über die Champ´s, es gibt ja immer soviel, der Tag ist nicht lang genug...

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