Au-Pair in Frankreich. Privatsphäre, Freiheiten und Eingliederung in die Gastfamilie

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Und wie sieht es sonst mit der Liebe bei euch aus? Oder tut sich da überhaupt nichts, weil ihr vielleicht eueren Freund in Deutschland zurück gelassen habt?

Was meinst du? Ob wir hier Typen kennen lernen? Ob ich verknallt war oder bin oder so? Na ja, als ich von Westfalen weg bin, da hatte ich noch einen Freund zu Hause. Als ich dem sagte, ich ginge für ein Jahr nach Paris als Au-Pair, da ist der fast ausgeflippt. Und dann hat er gesagt, er würde mich lieben, und wenn ich ihn auch lieben würde, dann könnte ich nicht einfach so für ein Jahr weg gehen, und schon überhaupt nicht nach Frankreich! Und ich habe eine Weile nachgedacht und den Haken bei der Sache erkannt und dann habe ich ihm gesagt, also, wenn unsere Liebe nicht mal ein Jahr überdauern würde, wie sollte sie da wohl später für ein ganzes Leben halten, und ich würde erst mal fahren und dann würden wir weiter sehen. Eine Woche später war er hier und der Zirkus ging von vorne los.

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 Einen Monat danach war Schluss; nicht weil ich einen Franzosen oder einen anderen Typen hier in Paris kennen gelernt hatte, sondern weil ich endlich frei sein wollte, zum erstenmal auf eigenen Füßen, weg von zu Hause, mit eigenen Entscheidungen, konnte mir endlich mal mit Distanz von zu Hause Gedanken über mich machen, ohne dass meine Mutter oder mein Freund mir rein geredet haben, und da wusste ich plötzlich, jetzt ist erst mal Schluss, ich brauche erst mal überhaupt keinen festen Typen, und die nötigen Streicheleinheiten, die kann man sich hier in Paris auch ohne festen Freund beschaffen...!

Also ich habe eine andere Erfahrung gemacht. Ich hatte in Deutschland keinen festen Freund, wollte aber eigentlich einen kennen lernen, das heißt, wollen wir doch mal ehrlich sein, ich wollte jemand haben, an den ich mich binden kann, anlehnen kann, um nicht alleine zu sein; wer will das schon? Und da war es meine geschiedene große Schwester, die hat mir gesagt, ich solle erst mal selbständig werden und lernen auf eigenen Füßen zu stehen, bevor ich mich fest an einen Mann binde. So kamen wir auf den Gedanken, als Au-Pair nach Frankreich, denn jetzt hatte ich das Abi aber keine Azubi-Stelle, und Au-Pair ist auf der einen Seite eine gewisse Selbständigkeit in der Fremde, auf der anderen Seite aber auch noch die Sicherheit und Geborgenheit einer Familie. Und jetzt? Jetzt bin ich ein halbes Jahr hier. Und weißt du was? An manchen Abenden und an meinem freien Tag treffe ich mich mit anderen deutschen Au-Pairs im Cafe an der Place St. Michel und da sitzen wir rum und quatschen und tauschen unsere Erfahrungen aus, und, wenn ich ehrlich sein soll, wünscht sich jede von uns, dass uns ein junger und gutaussehender Franzose anspricht. Nicht weil ich eine feste Bindung will, nur erst mal so, man weiß ja nie, was sich daraus entwickeln kann, oder...?

Und? Werdet ihr angesprochen?

Ab und zu. Aber auch nur, wenn die jungen Franzosen in der Gruppe sind, also ungefähr genauso viele Männer wie bei uns Mädchen am Tisch sitzen. Geklickt hat es dabei noch nicht. Immer nur das übliche Gruppengeflachse. Ich weiß, ich müsste mich mal von der Gruppe lösen und alleine ins Bistro gehen und mich einfach da an einen Tisch setzen. Aber ich weiß nicht so recht...

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