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News und Schlagzeilen aus Frankreich 11.04.2007

Aufmacher und Überblick

FIGARO macht mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen mit deutschem innenpolitischen Thema auf: "Spannungen in der deutschen Großen Koalition". In separatem Meinungsartikel werden die Differenzen zwischen den Koalitionsparteien zu einzelnen Themen (genannt werden US-Raketenabwehr, Mindestlohn, Steuerkürzung, Afghanistan-Einsatz, Kernenergie) als Argument gegen eine Große Koalition in Frankreich verwendet. Die "Teilung der Macht" habe keinen Konsens, sondern Konfusion, Frustration und Immobilismus erzeugt. Eine "neutralisierte Republik" könne die notwendigen Reformmaßnahmen nicht angehen. Deutschland stehe heute nur deshalb so gut da, weil es jetzt die Dividende der Schröder-Reformen ernte.

Ansonsten breites Spektrum von Aufmacher-Themen, nur teilweise mit Bezug auf die Wahlen. LE MONDE: " Vier Jahre danach, der zerstörte Irak" (mit Reportage von dem US-amerikanischen Stützpunkt "Victory" bei Bagdad). LES ECHOS: "Die Wahlen bremsen den Appetit der französischen Konzerne nicht". L'HUMANITE: "Ein exemplarischer Streik (bei PSA Peugeot-Citroen)". LE PARISIEN macht mit Justizfall im Elsass auf. LIBERATION (" Royal: Der soziale Joker") und LA CROIX ("Die älteren Bürger sind treue Wähler") machen mit direkten Wahlthemen auf.

Ergänzend und im einzelnen

1. Innenpolitik

Im Vordergrund weiter der Wahlkampf.
LE MONDE geht näher auf die Wahlstrategien im rechten Parteienspektrum ein. Le Pen sehe in Sarkozy seinen Hauptwidersacher, nicht in PS-Kandidatin Royal, die er für "nicht ebenbürtig" halte. Le Pens Strategie bestehe darin, einerseits den Dialog mit Sarkozy zu suchen, ihn aber andererseits, wo immer möglich, anzugreifen. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen am Pariser Nordbahnhof am 27.03. nutze er, um die Sicherheitspolitik des bisherigen Innenministers Sarkozy zu diskreditieren ("Bankrott"). Am 06.04. habe Le Pen sich selbst als " Kandidaten vom Land" und Sarkozy als "Kandidaten der Einwanderung" bezeichnet, auf den "Frankreich hätte verzichten können und der sicher in Ungarn eine schöne Karriere gemacht hätte". Sarkozy habe diese Diffamierung als Steilvorlage aufgenommen und seinen Vorschlag zur Errichtung eines "Ministeriums für Einwanderung und nationale Identität" als Instrument verteidigt, um Zuwanderer besser zu integrieren und der "französischen Identität des gemischten Bluts" Geltung zu verschaffen.

In weiterem Artikel geht LE MONDE auf die unterschiedlichen Positionen der drei aussichtsreichsten Kandidaten zur Nutzung von Referenda ein. Während Sarkozy auf dieses "gaullistische" Instrument mit dem Argument, dass die Verkürzung der präsidialen Amtszeit auf fünf Jahre die Voraussetzungen verändert habe, weitgehend verzichten wolle, würden Royal und Bayrou dieses plebiszitäre Mittel weiter ausbauen wollen. Royal wolle im Rahmen ihres Konzepts zur institutionellen Reform ein Referendum für eine "Volksinitiative" (mit einem Sockel zwischen 1 Mio. Bürgern und einem Zehntel der eingeschriebenen Wähler) einführen und fordere insbesondere für einen neuen EU-Vertrag die Durchführung eines (weiteren) Referendums. Auch Bayrou verlange ein EU-Referendum mit dem Argument, dass nur das Volk seine eigene Entscheidung revidieren könne.

FIGARO berichtet über die sehr hohe Zahl von noch unentschlossenen Wählern, die je nach Umfragen zwischen 33 und 42% der Wählerschaft betrage. Diese Unentschlossenheit dominiere das Ende des Wahlkampfes. Bericht weist darauf hin, dass sich 2002 17% der Franzosen erst am Tag der Wahl für einen Kandidaten entschieden hätten.

FIGARO berichtet über die kurzfristige Absage Royals eines für den 11.04. geplanten Interviews mit Radiosender "Europe 1". Möglicher Grund hierfür sei der Vorwurf der Voreingenommenheit der Lagardère-Mediengruppe für Sarkozy. Denkbar sei aber auch, dass Royal eine kritische Befragung zu ihrem kürzlichen Vorschlag eines "Arbeitsvertrags der ersten Chance" für Jugendliche ohne qualifizierte Ausbildung gescheut habe. Royal habe den Interview-Termin an Chevènement delegiert, der zunehmend wichtige Rolle in Royals Team einnehme, was das pro-europäische Lager im PS sehr beunruhige ("man sieht mehr Chevènement als Delors").

2. Internationales

LE MONDE nimmt den 4. Jahrestag des Sturzes von Saddam Hussein zum Anlass für äußerst kritische Berichte. Der Irak sei heute zerstört, die USA seien von einer Niederlage in die andere getaumelt, die amerikanisch-britische Invasion sei ein Desaster, dem 4.000 alliierte Soldaten und über 200.000 Iraker zum Opfer gefallen seien. Korrespondenten-Bericht zitiert US-Soldaten auf dem Stützpunkt "Victory", einer amerikanischen Festung bei Bagdad "mit 50.000 Menschen und Pizza Hut und Burger King", die mehrheitlich den Glauben an den Sieg verloren hätten.

FIGARO zitiert im Iran-Nuklearkonflikt den Präsidenten der iranischen Atomenergiebehörde, der die iranische Ankündigung vom 09.04., bis Mai 2007 über 3.000 Zentrifugen in Natanz zu verfügen, nur als Zwischenstation zu dem Ziel des Baus von 50.000 Zentrifugen bezeichnet habe. Parallel berichtet FIGARO über zweitägige gemeinsame Übung der beiden in der Region stationierten amerikanischen Flugzeugträger und deutet an, dass Washington demnächst sogar drei Flugzeugträger in der Region halten könnte. Die "Nimitz" solle die "Eisenhower" ablösen, es sei aber nicht ausgeschlossen, dass beide Flugzeugträger - neben der "Stennis" - dort verbleiben würden.

LE MONDE bringt Bericht eines Korrespondenten, der sich auf dem US-Flugzeugträger "Stennis" und dem französischen. Flugzeugträger "Charles de Gaulle" im Golf von Oman aufgehalten habe (Überschrift: "Duo der Flugzeugträger im afghanischen Krieg"). Die Flugzeuge beider Schiffe betrieben gemeinsam Luftaufklärung in Afghanistan und arbeiteten gut zusammen.

3. Europa/Deutschland

LE MONDE geht näher auf einen Bericht der EU-Kommission zur fortbestehenden nationalen Fragmentierung der europäischen Forschungslandschaft ein. Nach dem Bericht, den Kommission am 01.05. vorlegen werde, betrage der durchschnittliche Anteil der Forschungsausgaben in der EU nur 1,8% des Bruttoinlandsproduktes und sei damit noch weit von dem Lissabon-Ziel (3% bis 2010) entfernt. Der "freie Verkehr des Wissens" müsse die "fünfte Freiheit" in der EU werden, neben der Freiheit des Waren-, Kapital-, Personen- und Dienstleistungsverkehrs. Die europäische Forschung sei "gut, aber nicht Weltklasse". Ein besonderes Problem sei, dass die Universitätsposten in den EU-Mitgliedsstaaten weiter meist den eigenen Wissenschaftlern vorbehalten blieben.

FIGARO berichtet über die Absicht der Pinault-Gruppe (PPR), Puma zu übernehmen. Nach dem Kauf von 27,1% der Puma-Aktien der Familie Herz werde PPR ein (freundliches) Übernahmeangebot für die übrigen Aktien auf der Basis von 330 Euro/Aktie vorlegen. Der Chef von PPR, Francois-Henri Pinault, kenne den Puma-Vorstandsvorsitzenden, Jochen Zeitz, seit 2004 persönlich, beide Männer seien gleich alt (44) und lägen auf der gleichen Wellenlänge. Mit Puma könne PPR - der schon die Luxusartikel-Unternehmen Gucci und Yves Saint Laurent gehörten - seine Angebotspalette abrunden.

(Quelle: Pressereferat der deutschen Botschaft in Paris)



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Wahlen, Internationale Themen, Wirtschaft, EU: News 12.04.2007

Die Terroranschläge in Algier stehen auf den meisten Titelseiten im Vordergrund: FIGARO: "Al Qaida schlägt in Algerien zu", LA CROIX: " Terrorismus trifft erneut den Maghreb", PARISIEN: "Al Qaida schlägt in Algier zu".

News und Schlagzeilen aus Frankreich 11.04.2007

Zeitungen LE MONDE, LES ECHOS, L'HUMANITE, LE PARISIEN, LIBERATION, LA CROIX Breites Spektrum von Aufmacher-Themen, nur teilweise mit Bezug auf die Wahlen.

Presse Frankreich 10.04.2007

Nach dem Osterwochenende konzentriert sich die Aufmerksamkeit der französischen Presse auf den nun eröffneten "offiziellen" Wahlkampf und die noch verbleibenden knapp zwei Wochen bis zum 1. Wahlgang.

Frankreich: Pressespiegel 05.04.2007

Freilassung der britischen Gefangenen im Iran auf allen Kanälen und in allen Zeitungen (wobei ausführlich über die Motive gerätselt wird), allerdings nur vereinzelt auf der Titelseite. ...
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